Unterrichtsreihe Sek I
BRD und DDR
Grundlagenreihe zur politischen Ordnung beider deutscher Staaten – notwendiger Rahmen, um die Bundesrepublik der 1970er-Jahre einzuordnen.
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Geschichte · Zeitgeschichte · Quellenarbeit
2027 jährt sich der „Deutsche Herbst“ von 1977 zum 50. Mal – die Wochen zwischen der Entführung Hanns Martin Schleyers und der Erstürmung der „Landshut“. Diese Seite ordnet die Ereigniskette chronologisch ein und stellt Quellenmaterial für einen kontroversitätsorientierten Unterricht nach dem Beutelsbacher Konsens zusammen.
Der „Deutsche Herbst“ bezeichnet die Wochen zwischen der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF am 5. September 1977 und der Erstürmung der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ durch die GSG 9 am 18. Oktober 1977. 2027 jährt sich dieser Krisenherbst zum 50. Mal. Für den Unterricht bieten sich dazu Materialien zur politischen Ordnung der Bundesrepublik und zu Grundgesetz und Grundrechten an, um die rechtsstaatliche Dimension der Ereignisse einzuordnen.
Am 5. September 1977 entführte die Rote Armee Fraktion (RAF) in Köln den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und ermordete dabei seinen Fahrer sowie drei Polizeibeamte. Die Entführer forderten die Freilassung von elf inhaftierten RAF-Mitgliedern. Am 13. Oktober 1977 entführte ein mit der RAF sympathisierendes palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine „Landshut“, um dieselbe Forderung durchzusetzen.
Am 18. Oktober 1977 stürmte die neu aufgestellte Spezialeinheit GSG 9 die „Landshut“ auf dem Flughafen von Mogadischu und befreite alle Geiseln unverletzt. In derselben Nacht wurden die inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe tot in ihren Zellen in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim aufgefunden; die Ermittlungen kamen zu dem Ergebnis, dass sie sich das Leben nahmen. Am folgenden Tag, dem 19. Oktober 1977, wurde die Leiche Hanns Martin Schleyers im Kofferraum eines Fahrzeugs im elsässischen Mülhausen gefunden – seine Entführer hatten ihn nach dem Scheitern der Geiselnahme in Mogadischu erschossen.
Diese wenigen Wochen markieren den Höhepunkt der RAF-Gewalt in der Bundesrepublik und werden in der Forschung als Zäsur für den Umgang des demokratischen Rechtsstaats mit terroristischer Bedrohung beschrieben, unter anderem wegen neuer Sicherheitsgesetze wie dem Kontaktsperregesetz.
Da für den Deutschen Herbst selbst kein eigenständiges Unterrichtsmaterial vorliegt, stützt sich diese Seite auf Reihen zur politischen Ordnung der Bundesrepublik und zu Grundgesetz und Grundrechten, die den notwendigen Einordnungsrahmen liefern.
Unterrichtsreihe Sek I
Grundlagenreihe zur politischen Ordnung beider deutscher Staaten – notwendiger Rahmen, um die Bundesrepublik der 1970er-Jahre einzuordnen.
Sparpaket
Bündelt drei Reihen zur deutsch-deutschen Geschichte als Grundlage für die politische Situation der 1970er-Jahre.
Unterrichtsmaterial
Politisches Klima der Bundesrepublik in den 1970er-Jahren, in dem sich der Deutsche Herbst ereignete.
Unterrichtsmaterial
Grundlage, um die rechtsstaatliche Dimension der Sicherheitsgesetze von 1977 einzuordnen und kritisch zu diskutieren.
Unterrichtsmaterial Sek I
Staatsstrukturprinzipien wie das Rechtsstaatsprinzip als Grundlage, um staatliches Handeln im Deutschen Herbst zu bewerten.
Sparpaket Sek I
Acht Reihen zu Demokratie, Grundgesetz und politischer Bildung als breite Grundlage für die Einordnung des Deutschen Herbstes.
Nach dem Beutelsbacher Konsens gilt für die politische Bildung: Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht als kontrovers erscheinen (Kontroversitätsgebot), Lernende dürfen nicht im Sinne einer erwünschten Meinung überwältigt werden (Überwältigungsverbot), und sie sollen befähigt werden, eine eigene Position zu entwickeln (Schülerorientierung). Der Deutsche Herbst eignet sich gut, um diese Prinzipien konkret anzuwenden, da mehrere Aspekte bis heute diskutiert werden.
Ein Diskussionspunkt betrifft die staatlichen Sicherheitsmaßnahmen selbst: Das im Herbst 1977 verabschiedete Kontaktsperregesetz erlaubte die vorübergehende Isolation von Gefangenen ohne Kontakt zur Außenwelt, auch zu ihren Verteidigern. Diese Maßnahme wird in der rechtswissenschaftlichen und historischen Forschung bis heute als Beispiel für eine Abwägung zwischen Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit diskutiert.
Ein zweiter Punkt betrifft die Todesnacht von Stammheim: Mehrere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass Baader, Ensslin und Raspe Suizid begingen. Diese Einordnung wird von der historischen Forschung mehrheitlich geteilt, wurde und wird aber von einigen Stimmen angezweifelt. Im Unterricht sollte deutlich werden, dass es sich um den offiziellen Ermittlungsstand handelt, ohne davon abweichende Positionen zu verschweigen oder unbelegte Behauptungen als gleichwertig darzustellen.
Ein dritter Punkt betrifft das gesellschaftliche Klima der Zeit, das später als „Bleierne Zeit“ bezeichnet wurde: Die Berichterstattung, staatliche Rasterfahndung und ein allgemeines Misstrauensklima werden rückblickend kritisch bewertet, ohne dass dies die von der RAF verübten Morde relativiert. Wichtig für den Unterricht ist die klare Trennung zwischen der Bewertung staatlichen Handelns und der eindeutigen Ablehnung terroristischer Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung.
Die folgende Tabelle ordnet die zentralen Ereignisse mit Datum und ihrem kontroversen Kern.
| Datum | Ereignis | Quellenlage | Kontroverser Punkt |
|---|---|---|---|
| 5. September 1977 | Entführung Hanns Martin Schleyers in Köln, vier Tote | Polizeiberichte, Zeitungsarchive | Reaktion der Sicherheitsbehörden |
| 13. Oktober 1977 | Entführung der „Landshut“ nach Mogadischu | Funkprotokolle, Passagierberichte | Verhältnis zu internationalem Terrorismus |
| 18. Oktober 1977 | Befreiung der „Landshut“ durch die GSG 9 | Einsatzberichte, Presseberichterstattung | Bewertung als Erfolg staatlichen Handelns |
| Nacht zum 18. Oktober 1977 | Tod von Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim | Gerichtliche Untersuchungsberichte | Bis heute diskutierte Deutung als Suizid |
| 19. Oktober 1977 | Leiche Schleyers in Mülhausen gefunden | Ermittlungsakten, Presseberichte | Einordnung als Ende der akuten Krise |
Diese Checkliste unterstützt bei der Vorbereitung einer kontroversitätsorientierten Unterrichtseinheit.
Der Deutsche Herbst bezeichnet die Wochen zwischen der Entführung Hanns Martin Schleyers am 5. September 1977 und der Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ am 18. Oktober 1977, den Höhepunkt der RAF-Gewalt in der Bundesrepublik.
Schleyer wurde am 5. September 1977 in Köln entführt, dabei starben sein Fahrer und drei Polizeibeamte. Er wurde am 19. Oktober 1977 tot in Mülhausen im Elsass aufgefunden.
Die Lufthansa-Maschine wurde am 13. Oktober 1977 entführt und am 18. Oktober 1977 von der GSG 9 in Mogadischu gestürmt, wobei alle Geiseln unverletzt befreit wurden.
Über die drei Prinzipien Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Schülerorientierung: keine vorgegebene Bewertung, sichtbare fachliche Kontroversen etwa zu den Sicherheitsgesetzen, und Raum für eine eigenständige Positionierung der Lernenden.
Mehrere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um Suizid handelte; diese Einordnung wird von der historischen Forschung mehrheitlich geteilt, wurde aber auch angezweifelt. Der Unterricht sollte den offiziellen Ermittlungsstand klar benennen, ohne abweichende Positionen zu verschweigen.
Das hängt vom Bundesland und dem jeweils gültigen Kernlehrplan ab. Diese Seite nennt keine erfundenen Prüfungstermine oder Schwerpunkte. Prüfen Sie die aktuellen Vorgaben über die zuständige Landesquelle.