Fächerübergreifend· Sek II

Präsentation oder Referat: mündliche Leistungsformen fair unterscheiden

von Luca 16.09.2026 1 Min. Lesezeit
Aufführung, Präsentation und Theaterkritik · Darstellendes Spiel Unterrichtsmaterial | Sek II (Klasse 11–13)

Ein Referat ist inhaltlich orientiert und prüft vor allem fachliche Darstellung, während eine Präsentation zusätzlich Gestaltung, Medieneinsatz und oft eine eigene künstlerische oder argumentative Position verlangt. Diese begriffliche Unterscheidung ist mehr als Semantik: Sie bestimmt, welche Kriterien in die Bewertung einfließen sollten.

Zwei Begriffe, zwei unterschiedliche Anforderungsprofile

In der Schulpraxis werden Referat und Präsentation häufig synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Ein klassisches Referat ähnelt einem mündlich vorgetragenen Sachtext: Ein Thema wird recherchiert, strukturiert dargestellt und durch Nachfragen abgerundet. Eine Präsentation geht darüber hinaus, weil sie zusätzlich visuelle Gestaltung, Medieneinsatz und häufig eine eigene Interpretation oder Position einschließt – etwa bei einer literarischen Analysepräsentation, die über die reine Inhaltswiedergabe hinausgeht.

Diese Unterscheidung wirkt sich direkt auf das Bewertungsraster aus. Bei einem reinen Referat sollte fachliche Richtigkeit den größten Anteil der Note ausmachen. Bei einer Präsentation mit gestalterischem Anteil verschiebt sich das Gewicht stärker in Richtung Aufbereitung, Medieneinsatz und eigenständige Interpretation, ohne dass fachliche Substanz vernachlässigt werden darf.

Beispiele für beide Formate im Unterricht

Ein Beispiel für eine Präsentation mit eigenständiger Interpretation ist die Präsentation zu „22 Bahnen“ von Caroline Wahl, in der Lernende Themen und Figuren über die reine Wiedergabe hinaus eigenständig deuten und präsentieren. Ein Beispiel für ein eher klassisches Referat mit klarem Sachbezug liefert der Stundenentwurf Pieter Bruegel: Kreative Präsentation für die Oberstufe, bei dem trotz kreativer Aufgabenstellung die fachliche Bildbeschreibung im Zentrum steht.

Am deutlichsten wird der Unterschied im Fach Darstellendes Spiel: Bei Aufführung, Präsentation und Theaterkritik geht es nicht mehr um reine Sachdarstellung, sondern um eine künstlerische Präsentation, deren Bewertung zusätzliche künstlerische Kriterien wie Bühnenpräsenz und Interpretation einschließt – Kriterien, die bei einem klassischen Referat keine Rolle spielen.

Vor der Aufgabenstellung lohnt sich deshalb eine bewusste Entscheidung: Soll eine Lerngruppe vor allem fachliche Recherche und Darstellung üben, oder soll zusätzlich Gestaltung und eigene Interpretation bewertet werden? Diese Entscheidung sollte sich im Bewertungsraster niederschlagen, statt beide Formate mit identischen Kriterien zu messen. Eine ausführliche Zeit- und Punkteverteilung nach Jahrgangsstufe für beide Formate bietet die Seite Referate und Präsentationen bewerten: Kriterienraster für den Fachunterricht, weiteres Material findet sich in der Kollektion Lernmaterial Oberstufe.

Wie sich ein Kriterienraster im Fach Biologie konkret aufbaut, zeigt der Artikel Referate im Biologieunterricht bewerten – Kriterien und Bewertungsbogen. Für die Einführungsphase liefert Sonstige Mitarbeit in der Einführungsphase: Kriterienraster für die erste Quartalsrückmeldung ein ergänzendes Beispiel für transparente Bewertungskriterien.

Mischformen: Wenn ein Referat gestalterische Elemente bekommt

In der Praxis lassen sich Referat und Präsentation selten vollständig trennscharf voneinander abgrenzen, weil viele Aufgabenstellungen bewusst Mischformen vorsehen. Ein Referat, das zusätzlich mit einer selbst gestalteten Folie oder einem kurzen visuellen Element ergänzt wird, bleibt im Kern ein Referat, solange die fachliche Darstellung im Vordergrund steht und die Gestaltung lediglich unterstützende Funktion hat. Verschiebt sich der Schwerpunkt jedoch spürbar in Richtung eigenständiger Interpretation oder aufwendiger Gestaltung, empfiehlt es sich, dies auch im Bewertungsraster entsprechend abzubilden, statt formal am Begriff Referat festzuhalten. Für die Aufgabenstellung selbst bedeutet das: Eine klare Vorabankündigung, ob eine Aufgabe eher als Referat oder als Präsentation bewertet wird, hilft Lernenden, ihre Vorbereitungszeit sinnvoll zwischen fachlicher Recherche und gestalterischer Aufbereitung aufzuteilen, statt im Unklaren zu bleiben, welcher Aspekt tatsächlich stärker gewichtet wird. Fällt die Entscheidung erst während der Vorbereitung, weil eine ursprünglich als Referat geplante Aufgabe sich im Zuge der Bearbeitung stark in Richtung Präsentation entwickelt, lohnt sich ein kurzes Rückmeldegespräch mit der Lehrkraft, um das Bewertungsraster rechtzeitig entsprechend anzupassen, statt Lernende im Nachhinein mit unpassenden Kriterien zu überraschen. Diese Flexibilität sollte allen Lernenden von Beginn an bekannt sein, damit niemand aus Unsicherheit auf eine eigentlich naheliegende, kreativere Aufbereitung verzichtet.

Häufige Fragen

Sind Referat und Präsentation dasselbe?

Nicht ganz. Ein Referat legt den Schwerpunkt auf fachliche Darstellung, eine Präsentation schließt zusätzlich Gestaltung, Medieneinsatz und oft eigene Interpretation ein.

Sollte man beide Formate gleich bewerten?

Nein. Bei einem Referat sollte fachliche Richtigkeit den größten Anteil ausmachen, bei einer Präsentation verschiebt sich das Gewicht stärker in Richtung Aufbereitung und Interpretation.

Wie wird bei einer künstlerischen Präsentation zusätzlich bewertet?

Hier kommen Kriterien wie Bühnenpräsenz und Interpretation hinzu, die über die reine Sachdarstellung eines klassischen Referats hinausgehen.

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„22 Bahnen“ von Caroline Wahl – Prä...Ansehen
Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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