Ethik· Sek II

Menschenbilder in der Philosophie: Anthropologische Positionen für das Ethik-Abitur

von Luca 15.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet: Anthropologie fragt in der Philosophie nicht, wie der Mensch biologisch funktioniert, sondern was ihn als Menschen ausmacht. Die Positionen unterscheiden sich vor allem in drei Punkten: ob der Mensch von Natur aus gut oder gefährdet ist, ob Vernunft oder Trieb sein Kern ist und ob seine Natur festliegt oder erst durch sein Handeln entsteht. Wer diese drei Achsen kennt, kann jede Position im Abitur einordnen.

Warum das Thema im Abitur so häufig vorkommt

Anthropologie steht in fast allen Ländervorgaben für Ethik und Philosophie, weil sie die Brücke zu allen anderen Inhaltsfeldern bildet. Wer eine bestimmte Vorstellung vom Menschen hat, kommt fast zwangsläufig zu einer bestimmten Ethik und zu einer bestimmten Staatstheorie. Deshalb tauchen anthropologische Textauszüge oft als Material in Klausuren auf, in denen es eigentlich um Gerechtigkeit, Freiheit oder Staat geht.

Der zweite Grund ist praktisch: Die Texte sind kurz. Ein paar Sätze von Rousseau oder Gehlen reichen aus, um eine vollständige Position zu belegen. Genau deshalb solltest du die Positionen nicht nur nacherzählen, sondern die Schlüsselbegriffe kennen, an denen sie sich erkennen lassen.

Die wichtigsten Positionen im Überblick

Platon denkt den Menschen von der Seele her. Sie hat drei Teile, und ein gelungenes Leben besteht darin, dass die Vernunft die beiden anderen ordnet. Aristoteles verschiebt den Akzent: Der Mensch ist ein Lebewesen, das auf Gemeinschaft angelegt ist, und er verwirklicht seine Natur, indem er sie in Haltungen einlöst.

Descartes trennt scharf zwischen denkender und ausgedehnter Substanz. Der Mensch besteht aus zwei grundsätzlich verschiedenen Dingen, Körper und Geist, was bis heute die Debatte um Bewusstsein prägt. Rousseau bestreitet, dass der Mensch von Natur aus böse ist; verdorben werde er erst durch die Gesellschaft. Gehlen beschreibt ihn als Mängelwesen, das durch Instinktarmut auf Kultur und Institutionen angewiesen ist. Sartre schließlich kehrt die Reihenfolge um: Der Mensch hat keine feste Natur, er entwirft sich in seinen Entscheidungen und trägt dafür die volle Verantwortung.

Ein Vergleichsraster, das in jeder Klausur hilft

Statt sechs Positionen einzeln auswendig zu lernen, lohnt sich ein Raster mit vier Spalten:

  • Was ist der Kern des Menschen? Vernunft, Trieb, Sozialität oder Freiheit.
  • Ist die Natur des Menschen festgelegt oder offen?
  • Welche Rolle spielt die Gesellschaft: Sie verdirbt, sie ermöglicht oder sie ist notwendig.
  • Welche ethische Folgerung ergibt sich daraus?

Mit diesem Raster lässt sich auch ein unbekannter Text einordnen, denn die Antworten auf diese vier Fragen stehen fast immer im Material. Wie eng Menschenbild und Staatsdenken zusammenhängen, zeigt der Beitrag Gesellschaftsvertragstheorien im Unterricht: Macht, Staat und Gemeinschaft von Hobbes bis Rawls. Wer die Frage nach der Willensfreiheit vertiefen will, findet sie in Freiheit und Verantwortung im Unterricht: Determinismus vs. Selbstbestimmung.

Typische Aufgabenstellungen und wie du sie angehst

Am häufigsten begegnet dir die Kombination aus Analyse und Erörterung: Zuerst sollst du die Position des Textes herausarbeiten, dann sie mit einer im Unterricht behandelten Position vergleichen, schließlich begründet Stellung nehmen. Der zweite Schritt entscheidet über die Note. Ein Vergleich ist erst dann einer, wenn du ein gemeinsames Vergleichskriterium nennst, statt zwei Positionen nacheinander zusammenzufassen.

Für den dritten Schritt gilt: Deine Stellungnahme braucht ein Argument, kein Bekenntnis. Formulierungen wie "Ich finde Sartre überzeugender" tragen erst, wenn du sagst, welchen Einwand gegen die Gegenposition du für triftig hältst. Die verbindlichen Operatoren und Schwerpunkte stehen in den Abiturvorgaben deines Landes, etwa bei der Standardsicherung NRW, beim ISB Bayern oder beim NiBiS.

Material zum Nacharbeiten

Die Materialien sind Angebote eines privaten Anbieters und nicht ministeriell geprüft.

Häufige Fragen

Muss ich alle Positionen auswendig können?
Nein. Wichtiger ist, dass du zu jeder Position zwei bis drei Schlüsselbegriffe sicher zuordnen kannst, etwa Mängelwesen bei Gehlen oder Existenz vor Essenz bei Sartre. Damit kannst du auch unbekannte Texte einordnen.

Wie unterscheide ich philosophische von biologischer Anthropologie?
Die biologische Anthropologie beschreibt, wie der Mensch entstanden ist und funktioniert. Die philosophische fragt danach, was daraus für sein Selbstverständnis und sein Handeln folgt. In der Klausur geht es fast immer um die zweite Frage.

Welche Positionen werden am häufigsten abgefragt?
Das hängt vom Bundesland und vom Jahrgang ab. Verbindlich ist allein die Vorgabe deines Landes; ein Blick in den Abiturerlass lohnt sich vor jeder Schwerpunktsetzung im Lernplan.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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