Kennenlernen einer Klasse: in der Stellvertretung einsetzen

Wer eine Klasse über mehrere Wochen vertritt, muss oft auch beurteilen — mit dem Nachteil, die Klasse noch nicht gut zu kennen. Bei «Kennenlernen einer Klasse» hilft eine über die Zeit gesammelte Beobachtung deutlich mehr als ein einzelner Eindruck, und eine klare Übergabe der Beurteilungsgrundlage an die Klassenlehrperson sichert das Ergebnis zusätzlich ab.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Warum Beurteilung während einer Stellvertretung heikel ist
Eine Einschätzung zur Mitarbeit oder zum Sozialverhalten setzt normalerweise voraus, dass eine Lehrperson die Klasse über längere Zeit beobachtet hat. Bei einer längeren Stellvertretung fehlt genau das zu Beginn: Wer besonders engagiert wirkt, kann sich vor einer neuen Person einfach gut präsentieren, während eine sonst zuverlässige Schülerin unter der ungewohnten Situation zurückhaltender wirkt als sonst und dadurch falsch eingeschätzt werden könnte.
Diese Unsicherheit lässt sich nicht vollständig auflösen, aber sie lässt sich einordnen: Je länger die Stellvertretung dauert, desto verlässlicher werden die eigenen Beobachtungen — und desto wichtiger wird es, sie von Anfang an systematisch festzuhalten statt sich am Ende auf einen einzigen Gesamteindruck zu verlassen, der sich nur schwer nachträglich belegen und gegenüber Dritten begründen lässt.
Was sich im Sozialen Lernen überhaupt beurteilen lässt
Anders als bei einer Lernkontrolle mit klaren Antworten geht es im Sozialen Lernen um Beobachtbares: Wie geht jemand mit Kritik um, wie verhält sich jemand in einer Gruppenarbeit, wie reagiert jemand auf einen Konflikt. Solche Beobachtungen lassen sich nur über mehrere Situationen hinweg verlässlich einschätzen, weniger anhand einer einzelnen Lektion, die zufällig einen guten oder schlechten Tag zeigt.
Das gilt umso mehr, weil sich Kinder und Jugendliche gegenüber einer neuen Person oft anders verhalten als gegenüber der vertrauten Klassenlehrperson. Diese Anpassung ist normal, macht eine schnelle Beurteilung aber noch unzuverlässiger, solange sich kein wiederkehrendes Muster über mehrere Lektionen zeigt.
Deshalb lohnt sich eine kurze Notiz nach jeder relevanten Beobachtung, statt am Ende der Stellvertretung aus dem Gedächtnis zu urteilen. Das gilt besonders dann, wenn die Beurteilung später in ein Zeugnisgespräch oder eine Rückmeldung an die Erziehungsberechtigten einfliesst und dort nachvollziehbar begründet werden muss, statt sich auf einen vagen Gesamteindruck zu stützen.
Kennenlernen einer Klasse als Grundlage
Die Reihe «Kennenlernen einer Klasse, die sich schon kennt» bietet dafür einen praktischen Einstieg: Übungen, bei denen sich Gruppendynamiken zeigen, ohne dass die Klasse das Gefühl hat, geprüft zu werden. Aus diesen Situationen lassen sich erste, vorsichtige Beobachtungen ableiten, die sich im Verlauf der Stellvertretung durch weitere Beobachtungen ergänzen und korrigieren lassen, statt bereits als endgültig zu gelten.
Ergänzend eignet sich die Reihe «Motivation am Morgen – Ein guter Start in die Schule», deren wiederkehrende Reflexionsphasen zusätzliche Gelegenheiten bieten, dieselben Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Situationen zu beobachten und die eigene Einschätzung mit jeder weiteren Lektion abzusichern, statt sich nach einer einzigen Übung festzulegen.
Wie die Beurteilung an die Klassenlehrperson übergeht
Am Ende der Stellvertretung sollte die Beurteilung nicht als reine Note oder pauschales Urteil übergeben werden, sondern zusammen mit den zugrunde liegenden Beobachtungen: in welchen Situationen sie entstanden sind und wie verlässlich sie einzuschätzen sind. So kann die Klassenlehrperson die Einschätzung einordnen, statt sie unhinterfragt zu übernehmen und ungeprüft in eine Note zu überführen.
Auch bei der Reihe zum Kennenlernen einer Klasse gilt: Je genauer festgehalten wird, in welcher Übung eine Beobachtung entstanden ist, desto besser lässt sie sich später einordnen und mit den eigenen Beobachtungen der Klassenlehrperson abgleichen, statt als isolierte Randnotiz missverstanden zu werden.
Eine grundsätzliche Übersicht zur Stellvertretung liefert die Übersicht zur Stellvertretung in einer fremden Klasse, die Einordnung ins Fach insgesamt die Materialsammlung für den Unterricht in der Schweiz. Ergänzend hilfreich sind ein Kriterienraster für die erste Quartalsrückmeldung, ein Bewertungsbogen für Präsentationen und eine mündliche Prüfung mit klar offengelegten Kriterien, die sich alle auf dieselbe Grundidee stützen: Kriterien vorher offenlegen.
Häufige Fragen
Kann ich eine Klasse nach nur wenigen Lektionen fair beurteilen?
Nur eingeschränkt. Eine verlässliche Einschätzung zu Mitarbeit oder Sozialverhalten braucht mehrere Beobachtungen über unterschiedliche Situationen hinweg. Nach wenigen Lektionen lassen sich höchstens erste, vorläufige Eindrücke festhalten, die im weiteren Verlauf der Stellvertretung noch bestätigt oder gegebenenfalls korrigiert werden sollten, bevor sie in eine Beurteilung einfliessen.
Wie dokumentiere ich Beobachtungen zum Sozialverhalten am besten?
Kurze, datierte Stichworte direkt nach der Beobachtung reichen aus, etwa zu Gruppenarbeit oder Konfliktverhalten. Wichtig ist, konkrete Situationen statt pauschaler Eindrücke festzuhalten, damit sich die Notizen später nachvollziehbar auswerten und ohne grossen Aufwand an die Klassenlehrperson weitergeben lassen, sobald die Stellvertretung endet.
Was übergebe ich der Klassenlehrperson am Ende der Stellvertretung?
Nicht ausschliesslich ein Endurteil, sondern die Beobachtungen, auf denen es beruht, samt einer kurzen Einschätzung ihrer Verlässlichkeit. So kann die Klassenlehrperson die Beurteilung mit dem eigenen Wissen über die Klasse abgleichen, statt sie einfach ungeprüft zu übernehmen und ohne weitere Prüfung weiterzugeben.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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