Aussprache bewerten, ohne Akzente zu benoten

Sobald Präsentationen, Rollenspiele oder mündliche Prüfungsformate anstehen, wird Aussprache bewertungsrelevant. Damit stellt sich eine Frage, die sich mit dem üblichen Kriterienraster nicht beantworten lässt: Was genau darf hier eigentlich in die Note einfließen? Die Antwort entscheidet darüber, ob eine Rückmeldung als fachlicher Hinweis oder als Urteil über die Person ankommt.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Was bewertbar ist und was nicht
Bewertbar sind drei Dinge. Erstens, ob ein Hörer die beabsichtigte Botschaft rekonstruieren kann, ohne mehrfach nachzufragen. Zweitens, ob die vorher vereinbarten Zielmerkmale hörbar umgesetzt werden, etwa eine gesetzte Wortbetonung oder eine erhaltene Endung. Drittens, ob eine Selbstkorrektur einsetzt, wenn ein Missverständnis entsteht.
Nicht bewertbar sind systematische Merkmale der Herkunftssprache oder einer regionalen Varietät, solange die Verständlichkeit gewahrt bleibt. Ein Akzent ist kein Fehler, sondern eine Eigenschaft von Sprache. Wer ihn benotet, bewertet Herkunft statt Leistung. Eine Ausnahme besteht nur dort, wo eine Aufgabe ausdrücklich die Anpassung an ein bestimmtes Publikum verlangt und dies vorher als Lernziel benannt wurde.
Ein vierstufiges Raster
Für die Sekundarstufe I reicht ein Raster mit vier Stufen und drei Kriterien. Beim Kriterium Botschaft reicht die Spanne von „der Hörer muss mehrfach nachfragen“ bis „die Botschaft kommt beim ersten Hören an“. Beim Kriterium Zielmerkmale geht es darum, ob die in der Reihe bearbeiteten Merkmale in der Leistung auftauchen: die Endungen, die Wortbetonung, die geplanten Sinnabschnitte. Beim Kriterium Selbstkorrektur wird beobachtet, ob eine Reparatur erfolgt und ob sie das Verstehen verbessert.
Zwei Regeln halten das Raster fair. Ein Merkmal wird nur einmal abgezogen, auch wenn es in mehreren Kriterien auffällt. Und nach einer gelungenen Selbstkorrektur ist ein zweiter Versuch zulässig, weil die Korrektur selbst der Nachweis des Lernens ist. Ein fertiges Raster dieser Bauart, samt Leistungsaufgabe und Reflexionsbogen, gehört zur Unterrichtsreihe Phonics & Sound Awareness für Klasse 7 bis 9.
Rückmeldung in drei Schritten
Bewährt hat sich eine feste Formulierung: benennen, was aufgefallen ist, beschreiben, welchen Effekt es beim Hören hatte, und einen konkreten nächsten Versuch vereinbaren. Also etwa: Die Endung in walked war nicht zu hören. Dadurch war unklar, ob es um gestern oder um heute geht. Sprich den Satz noch einmal und halte das t am Ende.
Diese Form kommt ohne Werturteil aus und lässt sich deshalb auch von Mitschülerinnen und Mitschülern anwenden. Sie schont außerdem die Zeit: Ein Merkmal pro Durchgang genügt. Wer fünf Hinweise auf einmal gibt, erzeugt Verunsicherung statt Fortschritt.
Belege sammeln über ein Halbjahr
Für eine begründbare Note braucht es überraschend wenige Belege: die Eingangsdiagnose, zwei bis drei Arbeitsblätter aus der laufenden Reihe, eine kurze Leistungsaufgabe und den Abschlusstest. Entscheidend ist, dass die Belege dieselben Bereiche betreffen, damit sich die Entwicklung ablesen lässt. Wie diese Anteile gewichtet werden, regeln die Vorgaben Ihres Landes und die Absprachen an Ihrer Schule; die Materialien liefern die Arbeitsgrundlage, ersetzen die Absprache aber nicht.
Wenn Sie zunächst nur einzelne Belege erheben wollen, genügt das kleinere Übungspaket Phonics & Sound Awareness für die Klassen 7 bis 9. Für Kurse, die von der Lautarbeit zum Hörverstehen weitergehen, schließt das Übungspaket Listening and Viewing Comprehension an, das mit abgedruckten Transkripten arbeitet und ebenfalls keinen Tonträger verlangt.
Aufnahmen: freiwillig und geregelt
Tonaufnahmen erleichtern die Bewertung, weil sich eine Leistung mehrfach anhören lässt. Sie sind aber nur zulässig, wenn die Einwilligung und der Umgang mit den Dateien an Ihrer Schule geregelt sind. Praktikabel ist, die Aufnahme als freiwillige Option anzubieten und eine gleichwertige Alternative vorzusehen: ein Vortrag nur für die Lehrkraft oder ein Vortrag in einer Kleingruppe. Kein Lernender sollte gezwungen sein, öffentlich zu sprechen, um eine Note zu bekommen.
Einen Überblick über Diagnose, Reihenplanung und Bewertung gibt die Seite Aussprache und Phonics im Englischunterricht der Sek I; das gesamte Material finden Sie in der Kollektion Aussprache, Phonics & Lautbewusstsein.
Weiterführend: Aussprachefehler in Klasse 7 diagnostizieren, TH, V und W im Englischunterricht und Englisch beurteilen mit dem Europäischen Sprachenportfolio.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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