Kunst· Sek II

Unterrichtsvorbereitung Kunst Sek II: Lynette Yiadom-Boakye in vier Schritten

von Luca 08.09.2026 1 Min. Lesezeit
Lynette Yiadom-Boakye - Unterrichtsmaterial

Die Unterrichtsvorbereitung zu Lynette Yiadom-Boakye gelingt in vier Schritten: drei Werke auswählen, die Zugangsfrage festlegen, die Arbeitsaufträge ausformulieren, den Erwartungshorizont skizzieren. Rechnen Sie mit knapp zwei Stunden, wenn ein Materialpaket vorliegt, und mit dem Doppelten, wenn Sie Abbildungen und Werkdaten selbst zusammensuchen müssen.

Material zu diesem Artikel

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Drei Werke auswählen und den Rest liegen lassen

Der erste Schritt kostet etwa zwanzig Minuten und entscheidet über den Rest. Yiadom-Boakyes Bilder zeigen fiktive Schwarze Figuren in gedämpften Braun- und Grüntönen, oft vor unbestimmtem Grund, häufig sitzend, lesend, tanzend oder in Gesellschaft. Nehmen Sie ein Einzelbildnis, eine Mehrfigurenszene und eine Arbeit mit auffällig sichtbarem Duktus. Drei Bilder erlauben Vergleich, sechs erzeugen nur Betrieb.

Ein häufiger Vorbereitungsfehler ist, Werke nach Titel auszuwählen. Die Titel sind poetisch und lösen nichts auf; sie stammen zum Teil aus dem Schreiben der Künstlerin und funktionieren eher als Klangraum denn als Schlüssel. Wer nach einem sprechenden Titel sucht, verliert zwanzig Minuten. Der Beitrag zu Bildauswahl und Bildzugang im Kunstunterricht beschreibt das Kriterium, das hier trägt: Auswahl nach Vergleichbarkeit, nicht nach Anekdote.

Die Zugangsfrage vor allem anderen festlegen

Der zweite Schritt kostet fünfzehn Minuten, in denen Sie sich für eine von drei Achsen entscheiden. Erstens die malerische: Wie entsteht Präsenz aus wenigen Farbwerten und schnellem Auftrag? Zweitens die bildgeschichtliche: Was verschiebt sich, wenn Schwarze Figuren die Position einnehmen, die in der europäischen Porträttradition anderen vorbehalten war? Drittens die erzählerische: Warum verweigern die Bilder eine Handlung? Alle drei sind tragfähig, aber nur eine passt in eine Doppelstunde.

Für die Unterrichtsvorbereitung ist diese Festlegung der wirksamste Zeitsparer, weil sie die Aufgabenformulierung vorentscheidet. Wählen Sie die malerische Achse, brauchen Sie ein Vokabular für Farbauftrag, Untermalung und Duktus. Das systematische Beschreibungsgerüst dazu liefert die Reihe zum Schreiben einer Bildanalyse mit Schwerpunkt Komposition, aus der sich ein Wortspeicher ziehen lässt. Mehr als eine Seite braucht dieser Speicher nicht, sonst wird er in der Stunde nicht benutzt.

Die Aufgabe schreiben statt sie anzusagen

Der dritte Schritt braucht fünfundzwanzig Minuten. Eine mündlich angesagte Aufgabe wird in heterogenen Kursen unterschiedlich verstanden und kostet in der Stunde zehn Minuten Rückfragen. Schreiben Sie stattdessen zwei Aufträge aus: einen beschreibenden, der Farbwerte, Bildausschnitt und Körperhaltung verlangt, und einen deutenden, der die Beobachtungen auf die Frage nach Präsenz bezieht. Der Umfang wird angegeben, sonst schreiben starke Kurse zu wenig.

Kalkulieren Sie hier den typischen Schülerfehler mit ein: Die erste Frage lautet fast immer, wen das Bild zeigt. Da die Figuren erfunden sind und nicht nach Modell gemalt wurden, führt die Frage ins Leere — sie lässt sich aber in eine gute Aufgabe wenden. Die Unterrichtsmaterialien zu Lynette Yiadom-Boakye enthalten dafür einen Impuls, der die Fiktionalität zum Gegenstand macht. So wird aus der Rückfrage der eigentliche Arbeitsauftrag.

Erwartungshorizont und Zeitpuffer notieren

Der vierte Schritt kostet noch einmal fünfundzwanzig Minuten. Notieren Sie je Aufgabe drei bis vier erwartete Beobachtungen und eine Formulierung für die volle Punktzahl. Für die Beschreibung wären das etwa: gedämpfte Palette mit wenigen Kontrastwerten, sichtbarer Pinselstrich in einer Sitzung angelegt, unbestimmter Bildraum ohne Ortsangabe, Blick der Figur an der Kamera vorbei. In den Aufgabenblättern zu Lynette Yiadom-Boakye sind solche Erwartungen bereits vorformuliert. Wer sie vorher durchsieht und ergänzt, korrigiert später doppelt so schnell.

Die Zeitschätzung für die Durchführung fällt regelmäßig zu knapp aus. Erstbegegnung und stilles Sehen brauchen zehn Minuten, die schriftliche Beschreibung zwanzig, der Austausch fünfzehn, die Deutung zwanzig, Sicherung zehn. Damit ist eine Doppelstunde voll, ohne Puffer. Realistische Zeitschätzung für Material und Stundenaufbau ist an dieser Stelle wichtiger als jedes zusätzliche Arbeitsblatt.

Was danach an Zeit übrig bleibt

Wer die vier Schritte der Unterrichtsvorbereitung einmal gegangen ist, kommt beim nächsten Durchgang mit vierzig Minuten aus, sofern die Unterlagen auffindbar sind. Genau daran scheitert es häufig. Der Beitrag zum Aufbau eines Materialordners im Fach Kunst beschreibt eine Ablagelogik, die Bildkorpus, Aufgabenblatt und Erwartungshorizont zusammenhält, statt sie über drei Speicherorte zu verteilen.

Für die Oberstufe lohnt es sich, die Aufgabe von Anfang an prüfungsnah zu formulieren, weil die Bildbeschreibung dieselbe Struktur verlangt wie im Klausurformat. Hinweise zur Verteilung solcher Formate über das Schuljahr finden sich im Beitrag zu Prüfungsformaten im Jahresverlauf, die Anforderungen der schriftlichen Prüfung sind im Text zur Bildanalyse in der Abiturprüfung Kunst beschrieben. Eine kurze Notiz nach der Stunde, was zu lang gedauert hat, ersetzt beim nächsten Mal die halbe Vorbereitung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Vorbereitung insgesamt?

Mit fertigem Material rund achtzig bis neunzig Minuten: zwanzig für die Bildauswahl, fünfzehn für die Zugangsfrage, fünfundzwanzig für die Aufgabenblätter und fünfundzwanzig für den Erwartungshorizont. Ohne Material verdoppelt sich der Aufwand, weil Abbildungen in ausreichender Auflösung und verlässliche Werkangaben gesucht werden müssen.

Eignet sich das Thema für einen Grundkurs?

Ja, sofern die Zugangsfrage eng gefasst wird. Die malerische Achse ist am zugänglichsten, weil sie an der Bildoberfläche beginnt und ohne Vorwissen auskommt. Die bildgeschichtliche Achse verlangt Kenntnis der Porträttradition und funktioniert besser, wenn der Kurs zuvor mit europäischer Malerei des 19. Jahrhunderts gearbeitet hat.

Wie reagiert man auf die Frage, wer auf den Bildern zu sehen ist?

Sachlich und ohne Umweg: Die Figuren sind erfunden und gehen nicht auf Sitzungen mit Modellen zurück. Wenden Sie die Frage anschließend um und lassen Sie prüfen, welche Bildmittel den Eindruck einer konkreten Person überhaupt erzeugen — Blick, Haltung, Kleidung, Format. Daraus entsteht die eigentliche Analyse.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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