Die Vereinigten Staaten von Amerika: was von Kanton zu Kanton abweicht

Wer in der Oberstufe die Vereinigten Staaten von Amerika als politisches Fallbeispiel behandelt, trifft oft auf eine Klasse mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen. Ein Grund dafür liegt weit vor der Oberstufe: im Übertrittsverfahren am Ende des Zyklus 2, das kantonal verschieden geregelt ist. Wie stark sich diese Heterogenität tatsächlich auswirkt, zeigt sich oft schon in den ersten Unterrichtsstunden zu einem neuen Thema.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Wie das Übertrittsverfahren bis in die Oberstufe wirkt
Das Übertrittsverfahren am Ende des Zyklus 2 entscheidet über den weiteren Bildungsweg und unterscheidet sich von Kanton zu Kanton deutlich, etwa bei Kriterien, Zeitpunkt und Gewicht von Prüfungen. Schülerinnen und Schüler, die später in derselben Oberstufenklasse sitzen, haben diesen Übertritt oft unter ganz unterschiedlichen Bedingungen durchlaufen.
Das wirkt sich indirekt auch auf politische Bildung aus: Wie viel Vorwissen zu Themen wie politischen Systemen oder internationalen Beziehungen vorausgesetzt werden kann, hängt auch davon ab, welchen Bildungsweg einzelne Lernende bereits hinter sich haben.
Diese Heterogenität zeigt sich nicht nur beim Übertritt selbst, sondern setzt sich oft über die gesamte Sekundarstufe fort, weil einzelne Kantone unterschiedlich viel Gewicht auf politische Bildung legen. Für ein Thema wie die Vereinigten Staaten von Amerika bedeutet das: Manche Lernende bringen bereits ein gefestigtes Grundverständnis politischer Systeme mit, andere setzen sich damit zum ersten Mal bewusst auseinander.
Was das für ein Thema wie die USA bedeutet
Bei einem breiten Thema wie den Vereinigten Staaten von Amerika – Politik, Kultur, Gesellschaft – zeigt sich diese Heterogenität besonders deutlich, weil das Thema Vorwissen zu unterschiedlichsten Bereichen berührt, von politischen Institutionen bis zu gesellschaftlichen Debatten.
Die Unterrichtsreihe zu den Vereinigten Staaten von Amerika setzt deshalb bewusst niedrigschwellig an und baut zentrale Begriffe im Verlauf der Reihe selbst auf, statt politisches Vorwissen aus der Zeit vor dem Übertritt vorauszusetzen.
Heterogenität als Ausgangspunkt statt als Störung
Statt unterschiedliche Vorkenntnisse als Problem zu behandeln, lässt sich die Heterogenität der Klasse auch nutzen: Lernende mit unterschiedlichem Hintergrund bringen oft unterschiedliche Perspektiven auf ein politisches Thema mit, was Diskussionen bereichern kann, wenn der Rahmen dafür klar strukturiert ist.
Wichtig ist dabei, zu Beginn kurz zu klären, welches Grundwissen als gemeinsame Basis gilt, damit sich niemand aufgrund des eigenen Bildungswegs benachteiligt fühlt.
In der Praxis hilft es, zu Beginn der Einheit gemeinsam zu sammeln, was die Klasse bereits über politische Systeme weiss, statt direkt mit spezifischem Wissen über die USA einzusteigen. Diese kurze Bestandsaufnahme schafft eine gemeinsame Ausgangsbasis, unabhängig davon, welchen Bildungsweg die einzelnen Lernenden vor der Oberstufe durchlaufen haben.
Anschluss an weiteres Material
Für den aktuellen Bezug eignet sich zusätzlich die Reihe zum President-Elect und den US-Wahlen, die an tagesaktuelle Ereignisse anschliesst.
Wie sich kantonale Unterschiede grundsätzlich auf die Vorkenntnisse einer Klasse auswirken, beschreibt Kantonalen Unterschieden im Unterricht. Weiteres Material für Gymnasien und Maturitätsschulen in der Schweiz bündelt Unterrichtsmaterial für Gymnasium und Maturitätsschulen in der Schweiz, und die Reihe zu den Vereinigten Staaten von Amerika bleibt davon unabhängig als breitere Grundlage bestehen.
Politische Distanz ernst nehmen
Heterogene Vorkenntnisse äussern sich manchmal auch als Desinteresse an Politik allgemein. Wie sich diese Gruppe im Unterricht ansprechen lässt, ohne sie zu übergehen, beschreibt der Beitrag zu Nichtwählerinnen und Nichtwählern als übersehener Gruppe im Unterricht.
Ergänzend zeigt Politikverdrossenheit ernst nehmen, ohne sie zu bestätigen, wie sich eine solche Grundhaltung im Unterricht aufgreifen lässt, ohne sie unwidersprochen zu übernehmen.
Wer diese Heterogenität von Anfang an mitdenkt, muss im Verlauf des Schuljahrs seltener nachjustieren, weil sich die gemeinsame Wissensbasis schon in der ersten Einheit tragfähig etabliert hat.
Häufige Fragen
Warum unterscheiden sich die politischen Vorkenntnisse innerhalb einer Oberstufenklasse so stark?
Unter anderem, weil das Übertrittsverfahren am Ende des Zyklus 2 kantonal unterschiedlich geregelt ist und Lernende auf unterschiedlichen Bildungswegen in dieselbe Klasse kommen. Diese unterschiedlichen Wege wirken sich indirekt auch auf politisches Vorwissen aus, das sich bei einem Thema wie den USA nicht einfach voraussetzen lässt. Ein kurzes Einstiegsgespräch zu Beginn der Einheit hilft zusätzlich, gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden, unabhängig vom bisherigen Bildungsweg der einzelnen Lernenden.
Wie geht Unterrichtsmaterial mit dieser Heterogenität um?
Gutes Material zu einem breiten Thema wie den Vereinigten Staaten baut zentrale Begriffe selbst auf, statt politisches Vorwissen aus früheren Schuljahren vorauszusetzen. So bleibt der Einstieg niedrigschwellig, unabhängig davon, welchen Bildungsweg die einzelnen Lernenden vor der Oberstufe durchlaufen haben. Auch eine kurze schriftliche Standortbestimmung kann helfen, ohne dass sie gleich wie eine Lernkontrolle wirkt oder bewertet werden muss.
Kann unterschiedliches Vorwissen im Unterricht auch von Vorteil sein?
Ja, wenn der Rahmen klar strukturiert ist. Unterschiedliche Bildungswege bringen oft unterschiedliche Perspektiven auf ein politisches Thema mit, was Diskussionen bereichern kann. Wichtig ist, vorab ein gemeinsames Grundwissen zu klären, damit sich niemand aufgrund des eigenen Wegs benachteiligt fühlt. Wichtig bleibt, dass sich niemand für fehlendes Vorwissen rechtfertigen muss, weil dessen Fehlen meist strukturelle, nicht persönliche Gründe hat.
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