Fächerübergreifend· Sek II

Vom aristotelischen zum epischen Theater — im Berufsmaturitätsunterricht

von Luca 19.09.2026 1 Min. Lesezeit
Dramentheorie: vom aristotelischen zum epischen Theater · Darstellendes Spiel | Sek II (Klasse 11–13)

Der Übergang vom aristotelischen zum epischen Theater lässt sich auch mit wenigen Lektionen fachlich fundiert unterrichten, wenn die Lehrperson den Vergleich auf einen klaren Kontrast reduziert: Einfühlung gegen Verfremdung. Der Berufsmaturitätsunterricht verlangt dabei dieselbe analytische Tiefe wie andere Sek-II-Angebote, nur in kompakterer Form.

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Wenig Lektionen, volles Konzept

Dramentheorie gilt als anspruchsvoll, weil sie abstrakte Begriffe verlangt, bevor Lernende sie an einem Text erproben können. Im Berufsmaturitätsunterricht steht dafür oft weniger Zeit zur Verfügung als in einem gymnasialen Lehrgang, weil die Lektionentafel der Berufsfachschule andere Schwerpunkte setzt.

Das zwingt dazu, den theoretischen Unterbau zu straffen, ohne ihn zu verflachen. Der Vergleich zwischen aristotelischem und epischem Theater eignet sich dafür gut, weil er sich auf wenige klare Gegensätze zuspitzen lässt, die sich auch in einer knappen Lektion vermitteln lassen.

Zusätzlich erschwert wird die Planung dadurch, dass Berufsmaturitätsklassen fachlich und altersmässig gemischt sind. Wer die Theorie zu breit anlegt, verliert Lernende, die wenig Zeit für Zusatzlektüre haben. Wer sie zu stark verkürzt, verfehlt den Anspruch der Berufsmaturität. Der Mittelweg liegt in einer klaren Reduktion auf die zentralen Gegensatzpaare beider Theatermodelle, die sich an wenigen, sorgfältig ausgewählten Textstellen zeigen lassen, statt an einer vollständigen historischen Übersicht über beide Theaterformen.

Aristotelisches und episches Theater in geraffter Form

Die Reihe zur Dramentheorie vom aristotelischen zum epischen Theater stellt beide Modelle einander direkt gegenüber und liefert Kurzausschnitte, die sich ohne vorherige vollständige Lektüre erschliessen. Für den Berufsmaturitätsunterricht reicht es, den Kontrast an zwei bis drei Szenen zu erarbeiten, statt zwei ganze Stücke zu behandeln.

Wichtig ist, dass Lernende den Unterschied benennen und zusätzlich an einem eigenen Beispiel zeigen können. Das lässt sich auch mit begrenzter Lektionenzahl erreichen, wenn die Lehrperson die Erarbeitung eng führt und Freiräume gezielt setzt, statt beide Theatermodelle in voller Breite vorzustellen.

Ein möglicher Ablauf sieht vor, in der ersten Lektion die Gegensätze anhand von zwei kurzen Textausschnitten einzuführen und in der zweiten Lektion eine eigene kleine Szene verfassen zu lassen, die sich klar einem der beiden Modelle zuordnen lässt. So bleibt die Erarbeitung kompakt, ohne auf die eigenständige Anwendung zu verzichten, die den Unterschied zwischen einer reinen Wissensfrage und einer echten Lernkontrolle ausmacht.

Was gestrichen werden darf und was nicht

Gestrichen werden kann die vollständige historische Einordnung beider Theaterformen; sie lässt sich in einem kurzen Überblick zusammenfassen, ohne dass Lernende dabei fachlich etwas verlieren. Nicht gestrichen werden sollte die eigenständige Anwendung an einem Textausschnitt, weil genau diese Anwendung das BM-Niveau von einer reinen Wissensabfrage unterscheidet und in einer Lernkontrolle überprüfbar bleibt.

Ergänzend hilft die Reihe zu Rolle und Figurenentwicklung, um zu zeigen, wie sich die beiden Theaterkonzepte auch auf die Arbeit an einer Figur auswirken. So bleibt die fachliche Tiefe erhalten, auch wenn die Zahl der behandelten Werke klein bleibt und die verfügbare Lektionenzahl an der Berufsfachschule begrenzt ist.

Die Reihe zur Dramentheorie vom aristotelischen zum epischen Theater lässt sich dabei ein zweites Mal heranziehen, wenn Lernende am Schluss der Einheit eine kurze eigene Szene verfassen, in der sie bewusst zwischen beiden Theaterformen wählen und diese Wahl begründen müssen.

Eine Lernkontrolle, die die Tiefe abbildet

Eine schriftliche Lernkontrolle, die einen kurzen, unbekannten Textausschnitt vorlegt und nach der Zuordnung zu aristotelischem oder epischem Theater fragt, prüft die eigenständige Anwendung besser als eine Auswahlfrage zu den Merkmalen beider Modelle, weil sie eine echte Übertragungsleistung verlangt.

Für die Einordnung des Fachs in den Gesamtaufbau der Berufsmaturität lohnt sich ein Blick in die Übersicht zum Berufsmaturitätsunterricht neben der beruflichen Grundbildung, während die Materialübersicht für den ABU-Unterricht an Berufsfachschulen auf verwandte Themen aus der Allgemeinbildung verweist. Zum Umgang mit einem Elterngespräch, wenn Noten infrage gestellt werden, orientiert ein Beitrag zur Vorbereitung von Elterngesprächen, zur Terminplanung rund um den Schulstart ein Beitrag zum Start ins Schuljahr.

Häufige Fragen

Reicht eine einzige Lektion, um den Unterschied zwischen aristotelischem und epischem Theater zu vermitteln?

Für eine erste Orientierung ja, für eine belastbare eigenständige Anwendung eher nicht. Realistischer ist eine kurze Einführung in einer Lektion, gefolgt von einer zweiten Lektion, in der Lernende den Kontrast an einem eigenen Textbeispiel nachvollziehen und schriftlich begründen, wofür sie sich entschieden haben.

Welche Begriffe müssen Lernende sicher unterscheiden können?

Zentral sind Einfühlung und Verfremdung sowie die unterschiedliche Rolle des Publikums in beiden Modellen. Wer diese beiden Achsen sicher beherrscht, kann daraus die meisten weiteren Unterschiede zwischen aristotelischem und epischem Theater selbstständig ableiten, ohne jeden Einzelaspekt separat auswendig lernen zu müssen.

Wie lässt sich der Anspruch trotz knapper Zeit sichern?

Indem die Erarbeitung auf wenige, aber aussagekräftige Textausschnitte konzentriert wird, statt die Stoffmenge zu erhöhen. Fachliche Tiefe entsteht im Berufsmaturitätsunterricht eher durch genaue Analyse weniger Beispiele als durch einen möglichst vollständigen Überblick über die Theatergeschichte, den die verfügbare Lektionenzahl ohnehin nicht zulässt.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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