Englisch· Sek I

TH, V und W: die Aussprachekontraste, die im Englischunterricht wirklich zählen

von Luca 06.09.2026 1 Min. Lesezeit
Aussprachekontraste TH, V und W im Englischunterricht der Sekundarstufe I

Englisch hat mehr Lautkontraste, als sich in einem Schuljahr sinnvoll bearbeiten lassen. Die Auswahl entscheidet deshalb darüber, ob Aussprachearbeit etwas bringt. Ein brauchbares Kriterium ist die Funktionslast: Wie oft hängt an diesem Unterschied tatsächlich eine Bedeutung, und wie oft führt seine Aufhebung dazu, dass eine Äußerung nicht rekonstruiert werden kann? Nach diesem Maßstab bleiben für die Sekundarstufe I wenige Fälle übrig, die sich zu behandeln lohnen.

Warum ausgerechnet diese Kontraste

Deutschsprachige Lernende bringen ein Lautsystem mit, das an drei Stellen systematisch mit dem englischen kollidiert: bei den beiden TH-Lauten, die es im Deutschen nicht gibt, bei /v/ und /w/, deren Zuordnung zu den Buchstaben umgekehrt vertraut ist, und bei Vokalpaaren, die im Deutschen über die Länge, im Englischen aber über Länge und Zungenlage zugleich unterschieden werden. Dazu kommen zwei grammatische Bereiche, in denen die Aussprache Bedeutung trägt: die Endungen auf -s und die regelmäßigen Vergangenheitsformen auf -ed.

Alles andere ist im Zweifel Verzierung. Wer in einer Doppelstunde fünf Kontraste gleichzeitig behandelt, erreicht meist keinen davon.

TH: zwei Laute, eine Schreibung

Die Schreibung th steht für zwei verschiedene Laute: einen stimmlosen in think und method, einen stimmhaften in this und weather. Beide entstehen mit derselben Zungenstellung, der Unterschied liegt allein in der Stimmbeteiligung. Ein nützlicher Zugang besteht darin, die Lernenden leicht an den Hals fassen zu lassen und den Unterschied zwischen /s/ und /z/ zu spüren, bevor die TH-Laute überhaupt vorkommen. Der Weg führt also über ein bekanntes Paar zum unbekannten.

Wichtig ist der Hinweis, dass Funktionswörter wie the, this, these und though in der Regel den stimmhaften Laut tragen, während Inhaltswörter wie think, method oder theory meist den stimmlosen haben. Diese Faustregel ist nicht lückenlos, sie gibt aber eine Entscheidungshilfe, die im Sprechen trägt.

V und W: zwei verschiedene Aufgaben

Bei /v/ berühren die oberen Schneidezähne die Unterlippe, die Stimme läuft weiter, es entsteht hörbare Reibung. Bei /w/ gibt es keinen Zahnkontakt; die Lippen runden sich und gleiten in den folgenden Vokal. Der Unterschied ist an Wortpaaren wie vest und west oder vine und wine gut zu zeigen, wirkt aber erst, wenn er in einem ganzen Satz geübt wird. Isolierte Einzelwörter werden zuverlässig richtig gesprochen und im nächsten Redebeitrag wieder vertauscht.

Hilfreich ist, dazu eine Reparaturformel einzuführen. Wer merkt, dass ein Wort nicht angekommen ist, wiederholt es mit einem kurzen Zusatz statt sich zu entschuldigen: the west, the direction. Diese Formulierung nimmt dem Missverständnis das Peinliche und macht Selbstkorrektur zu einer normalen Handlung.

Vokalpaare: Länge allein trägt nicht

Bei Paaren wie ship und sheep oder bed und bad genügt es nicht, den einen Vokal länger zu ziehen. Neben der Dauer unterscheiden sich Zungenhöhe und Spannung, und in vielen Regionen des englischsprachigen Raums verschiebt sich das Verhältnis. Sinnvoll ist deshalb, mehrere Hinweise zu kombinieren: Dauer, Mundstellung und der Satzkontext, in dem nur eine Lesart Sinn ergibt. Wer den Lernenden beibringt, den Kontext als zulässiges Beweismittel zu nutzen, entschärft den Ehrgeiz, jeden Vokal isoliert perfekt treffen zu müssen.

Endungen: -s und -ed als Bedeutungsträger

Die Endung auf -s wird nach stimmlosen Lauten als /s/, nach stimmhaften als /z/ und nach Zischlauten als eigene Silbe gesprochen. Die Endung -ed folgt derselben Logik mit /t/, /d/ und einer zusätzlichen Silbe nach /t/ oder /d/. Das ist keine Aussprachekosmetik: Wer die Endung verschluckt, verliert Plural, Genitiv oder die Zeitstufe, und der Hörer muss raten. Umgekehrt führt eine eingeschobene Silbe in walked dazu, dass ein zweisilbiges Wort gehört wird, das es nicht gibt.

Wie viel Zeit das kostet

Realistisch sind fünf Minuten zu Beginn jeder Stunde: zwei Hörentscheidungen, ein Musterbeispiel, eine Phrase zum Nachsprechen und eine kurze Selbsteinschätzung. Wer stattdessen alle vier Wochen eine ganze Stunde ansetzt, erreicht weniger, weil zwischen den Terminen zu viel verfällt. Ausgearbeitet ist dieses Vorgehen in der Unterrichtsreihe Phonics & Sound Awareness für Klasse 7 bis 9, die den genannten Kontrasten je eine Stunde widmet und die Endungen in zwei weiteren Stunden bearbeitet. Für eine einzelne Stunde genügt das Übungspaket für die Klassen 7 bis 9; wer die Vorarbeit aus der Orientierungsstufe nachholen muss, findet sie im Material zur Wortanalyse für Klasse 5. Einen Überblick über Diagnose, Reihenplan und Bewertung gibt die Seite Aussprache und Phonics im Englischunterricht der Sek I, das gesamte Material liegt in der Kollektion Aussprache, Phonics & Lautbewusstsein.

Weiterführend: Aussprachefehler in Klasse 7 diagnostizieren und Französisch und Englisch nebeneinander unterrichten.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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