SCAMPER-Methode und Kreativitätstechniken in der Sek I: mit dem Lehrplan 2023 planen
Der Fachlehrplan 2023 beschreibt Kompetenzbereiche und Lehrstoff, nennt aber keine konkrete Methode zur Ideenfindung. Für eine Reihe zur SCAMPER-Methode und weiteren Kreativitätstechniken bedeutet das: Die Fachschaft wählt die Methode selbst, solange die zugrunde liegende Kompetenz, kreative Prozesse zu steuern, im Ergebnis sichtbar wird.
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Was der Lehrplan 2023 offenlässt und was nicht
Der Fachlehrplan 2023 legt für Kunst und Gestaltung fest, welche Kompetenzbereiche und welcher Lehrstoff in einer Schulstufe behandelt werden. Offen bleibt dagegen, mit welcher Methode kreative Prozesse angeregt werden. Eine bestimmte Kreativitätstechnik wie SCAMPER schreibt der Lehrplan nirgends vor — er verlangt nur, dass Schülerinnen und Schüler lernen, eigene gestalterische Ideen zu entwickeln und zu begründen.
Diese Offenheit ist kein Freibrief für Beliebigkeit. Welche Methode auch gewählt wird, am Ende muss sich der kreative Prozess nachvollziehen lassen, etwa durch Skizzen, Zwischenschritte oder eine kurze schriftliche Begründung, die zeigt, wie eine Idee entstanden ist.
Diese Offenheit betrifft nicht nur Kunst und Gestaltung. Ähnliche methodische Freiheit findet sich auch in anderen Gegenständen, sobald es um Prozesse statt um festes Faktenwissen geht. Entscheidend bleibt in jedem Fall, dass sich der Weg zu einem Ergebnis nachvollziehen lässt, unabhängig davon, welche Methode dafür gewählt wurde.
SCAMPER als eine mögliche Methode unter mehreren
Die Unterrichtsreihe zur SCAMPER-Methode und weiteren Kreativitätstechniken macht ein systematisches Vorgehen greifbar: Ersetzen, Kombinieren, Anpassen, Verändern, anders Verwenden, Weglassen und Umkehren geben Schülerinnen und Schülern konkrete Ansatzpunkte, wenn eine Idee ins Stocken gerät, statt sie vor einem leeren Blatt allein zu lassen.
Der Lehrplan verlangt SCAMPER nicht ausdrücklich, ebenso wenig wie Brainstorming oder eine Mindmap. Wichtig ist, dass die Fachschaft eine Methode konsequent einsetzt und dokumentiert, warum sie gerade diese gewählt hat, damit die Wahl auch gegenüber Kolleginnen und Kollegen nachvollziehbar bleibt.
Eine Fachschaft kann SCAMPER auch nur teilweise einsetzen, etwa indem sie sich auf drei oder vier der sieben Kategorien beschränkt, wenn eine jüngere Klasse mit der vollständigen Liste überfordert wäre. Der Lehrplan schreibt weder die volle Liste noch eine Mindestanzahl an Kategorien vor.
Wo Dokumentation trotzdem sinnvoll ist
Ähnlich offen ist der Umgang mit Gestaltungsprozessen bei größeren Themen: Die Reihe zur Architektur des Bauhauses lässt ebenfalls Raum, wie ein Entwurfsprozess methodisch begleitet wird. Eine Übersicht zum Lehrplan 2023 mit Kompetenzbereichen und übergreifenden Themen zeigt, dass diese methodische Freiheit kein Einzelfall im Gegenstand Kunst und Gestaltung ist.
Wie sich ein Prozess trotz offener Methodenwahl nachvollziehbar dokumentieren lässt, zeigt auch eine Übersicht zu typischen Fehlern beim Linolschnitt in Klasse 8, die es zu vermeiden gilt — ein Beispiel dafür, wie Zwischenschritte sichtbar gemacht werden, ohne dass eine bestimmte Methode vorgeschrieben wäre.
Wichtig bleibt, die gewählte Dokumentationsform an das Alter der Klasse anzupassen: Jüngere Klassen kommen oft mit einer einfachen Skizzenfolge aus, ältere können zusätzlich eine kurze schriftliche Reflexion zum eigenen Vorgehen ergänzen, ohne dass der Lehrplan dafür ein festes Format vorschreibt. Ein Vergleich mehrerer Klassen zeigt zudem, ob eine gewählte Methode für die jeweilige Altersgruppe tatsächlich funktioniert, oder ob sie angepasst werden sollte, bevor sie im nächsten Schuljahr erneut eingesetzt wird.
Grenzen der methodischen Freiheit
Methodische Freiheit bedeutet nicht, dass die Beurteilung offenbleibt: Bewertet wird die im Lehrplan beschriebene Kompetenz, kreative Prozesse zu steuern und zu begründen, nicht die Methode selbst. Die Reihe zur SCAMPER-Methode liefert dafür Kriterien, an denen sich der Prozess unabhängig von der gewählten Technik ablesen lässt. Auf der Themenseite zu Geschichte und Politische Bildung mit Unterrichtsmaterial für Österreich finden sich ähnliche Überlegungen zu offenen Methodenfragen in anderen Gegenständen.
Für Vertretungssituationen liefert eine Übersicht zu Druckgrafik von Dürer und Rembrandt in der Vertretungsstunde Kunst weiteres, methodisch offenes Material, ergänzt um Beobachtungen aus einem Unterrichtsbesuch Kunst in Hamburg, bei dem eine Stunde nach dem Bildungsplan aufgebaut wurde, die zeigen, wie unterschiedlich Kolleginnen und Kollegen dieselbe methodische Freiheit nutzen.
Diese Kriterien lassen sich außerdem im Vorfeld mit der Klasse besprechen, damit die Bewertung nicht erst am Ende überraschend wirkt. Eine kurze gemeinsame Durchsicht der Kriterien zu Beginn der Reihe hilft, Missverständnisse über die Bewertungsgrundlage von vornherein zu vermeiden.
Häufige Fragen
Schreibt der Lehrplan 2023 die SCAMPER-Methode für den Kunstunterricht vor?
Nein. Der Fachlehrplan 2023 legt Kompetenzbereiche und Lehrstoff fest, nennt aber keine bestimmte Kreativitätstechnik. SCAMPER ist eine mögliche Methode unter mehreren, um die geforderte Kompetenz, eigene gestalterische Ideen zu entwickeln und zu begründen, im Unterricht sichtbar zu machen, ohne dass eine andere Methode automatisch falsch wäre.
Woran wird eine Reihe zu SCAMPER dann überhaupt bewertet?
Bewertet wird nicht die Methode selbst, sondern die im Lehrplan beschriebene Kompetenz: ob Schülerinnen und Schüler einen kreativen Prozess nachvollziehbar steuern und begründen können. SCAMPER liefert dafür sichtbare Zwischenschritte wie Skizzen oder kurze Notizen, an denen sich dieser Prozess unabhängig von der gewählten Technik ablesen lässt.
Muss die Fachschaft dieselbe Kreativitätstechnik in jeder Schulstufe verwenden?
Nein, der Lehrplan verlangt keine einheitliche Methode über alle Schulstufen hinweg. Sinnvoll ist trotzdem, die gewählte Vorgehensweise im Fachschaftsprotokoll festzuhalten, damit nachvollziehbar bleibt, welche Technik in welcher Schulstufe eingesetzt wurde und warum gerade diese für die jeweilige Klasse passend erschien.
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