Sek II

Kommunikation in künstlerischen und medialen Welten

von Luca 14.07.2026 1 Min. Lesezeit
Kommunikation in künstlerischen und medialen Welten

Ein Verkehrsschild vermittelt seine Botschaft in einer Zehntelsekunde, während ein Textabsatz für dieselbe Information mehrere Sätze benötigt – und doch lässt sich ein Gemälde oder eine Werbeanzeige oft auf ganz unterschiedliche Weise lesen. Wer verstehen will, warum Bilder anders "sprechen" als Sprache, braucht ein Handwerkszeug aus Kommunikationstheorie und Semiotik, das sich hervorragend auf künstlerische und mediale Bildwelten anwenden lässt.

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Was ist ein Kommunikationsmodell?

Ein Kommunikationsmodell beschreibt, wie eine Botschaft von einem Sender zu einem Empfänger gelangt, welche Stationen sie dabei durchläuft und was ihre Übertragung stören oder verändern kann. Ursprünglich für technische oder sprachliche Kommunikation entwickelt, lassen sich solche Modelle auch auf visuelle Kommunikation übertragen – mit der wichtigen Einschränkung, dass Bilder eigene Gesetzmäßigkeiten der Bedeutungserzeugung besitzen, die rein technische Modelle nicht vollständig erfassen.

Das Shannon-Weaver-Modell: Sender, Kanal, Empfänger

Claude Shannon und Warren Weaver veröffentlichten 1948 mit "A Mathematical Theory of Communication" eines der einflussreichsten Kommunikationsmodelle überhaupt. Ursprünglich für die Telefontechnik entwickelt, beschreibt es Kommunikation über fünf Elemente: eine Quelle erzeugt eine Botschaft, ein Sender wandelt sie in ein übertragbares Signal um, dieses läuft durch einen Kanal zu einem Empfänger, der es wieder in die ursprüngliche Botschaft zurückübersetzt, bis sie ihr Ziel erreicht. Zentral ist zudem der Begriff des "Rauschens" – jede Störung, die die Botschaft auf dem Weg verfälscht. Übertragen auf Bildkommunikation ließe sich etwa visuelle Reizüberflutung oder ein überladenes Plakatlayout als eine Form von "Rauschen" verstehen, das die eigentliche Botschaft überdeckt. Wichtig für den Unterricht: Das Modell erklärt ausdrücklich nicht, wie Bedeutung entsteht – es setzt bereits fertige Bedeutung voraus und behandelt den Empfänger als weitgehend passiv.

Bilder als Zeichen: Peirce, Saussure und Barthes

Um zu verstehen, wie Bilder tatsächlich Bedeutung erzeugen, hilft die Semiotik, die Lehre von den Zeichen. Der Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure unterscheidet ein Zeichen in Bezeichnendes (Signifikant, die physische Form) und Bezeichnetes (Signifikat, der gedankliche Inhalt) – eine Verbindung, die in der Sprache meist auf reiner Konvention beruht. Der amerikanische Philosoph Charles Sanders Peirce entwickelte ein dreiteiliges Modell, das sich besonders gut auf Bilder anwenden lässt: Ein Icon ähnelt dem, was es bezeichnet (etwa eine Fotografie oder ein realistisches Porträt), ein Index steht in einem direkten, oft ursächlichen Zusammenhang mit dem Bezeichneten (etwa Rauch als Zeichen für Feuer oder ein Fußabdruck), ein Symbol beruht auf reiner gesellschaftlicher Übereinkunft (etwa Wörter, Flaggen oder Verkehrsampelfarben). Eine Fotografie funktioniert dabei typischerweise gleichzeitig ikonisch und indexikalisch, da sie dem Motiv ähnelt und zugleich physisch durch dessen Lichtreflexion entstanden ist. Der französische Semiotiker Roland Barthes wandte diese Konzepte 1964 in seinem Essay "Rhetorik des Bildes" konkret auf eine Werbeanzeige an und unterschied drei Botschaftsebenen: die sprachliche Botschaft (der gedruckte Text), die wörtlich-denotative Bildbotschaft (die tatsächlich abgebildeten Objekte) und die kulturell-konnotative Bildbotschaft (die damit assoziierten Bedeutungen). Barthes prägte zudem die Begriffe "Verankerung" (Ankerung, wenn Text die Bildbedeutung eingrenzt) und "Weiterführung" (Relais, wenn Text und Bild gemeinsam eine Handlung vorantreiben, etwa in Comics).

Praxisbeispiel: Eine Werbeanzeige nach Barthes lesen

Barthes analysierte in seinem Originalessay eine Anzeige für die Marke Panzani, die Tomaten, Paprika und eine Nudelpackung in einem Netzbeutel zeigt. Auf der wörtlich-denotativen Ebene sind schlicht Lebensmittel abgebildet. Auf der konnotativen Ebene evozieren die Farben Rot, Grün und Weiß sowie die Anordnung wie frisch vom Markt jedoch kulturell codierte Assoziationen von "Italienität", Frische und häuslichem Kochen – Bedeutungen, die nicht im Bild selbst "stehen", sondern von den Betrachtenden aufgrund kulturellen Vorwissens hinzugefügt werden. Die sprachliche Botschaft, allen voran der Markenname, verankert diese sonst vieldeutige Bildbotschaft zusätzlich auf ein konkretes Produkt.

Unterrichtsaktivität: Eigene Werbeanzeigen analysieren

Lernende bringen eigene Werbeanzeigen oder Plakate mit und wenden zunächst das Sender-Empfänger-Modell an (Wer ist Sender? Was könnte als "Rauschen" die Botschaft stören? Wer ist intendierter Empfänger?), anschließend die drei Botschaftsebenen nach Barthes (sprachlich, denotativ, konnotativ). Die Ergebnisse werden in Kurzpräsentationen im Plenum vorgestellt und auf ihre kulturellen Codierungen hin diskutiert.

Typische Missverständnisse

  • Bildkommunikation wird wie Sprache mit fester Grammatik behandelt: Bilder präsentieren ihre Elemente simultan und ganzheitlich statt linear, was sie tendenziell mehrdeutiger macht als sprachliche Aussagen.
  • Das Shannon-Weaver-Modell wird als Erklärung für Bedeutung missverstanden: Es modelliert ausdrücklich nur die technische Übertragung, nicht die Bedeutungsentstehung.
  • Icon, Index und Symbol werden als sich gegenseitig ausschließende Kategorien behandelt: Ein und dasselbe Bild kann gleichzeitig ikonisch, indexikalisch und symbolisch wirken, je nachdem, welcher Aspekt betrachtet wird.

Grenzen der Betrachtung

Technische Kommunikationsmodelle wie Shannon-Weaver stammen aus der Nachrichtentechnik und lassen sich nur bedingt auf komplexe kulturelle Bildkommunikation übertragen. Semiotische Analysen bleiben zudem in Teilen interpretationsabhängig: Unterschiedliche Betrachtende können durchaus verschiedene konnotative Lesarten desselben Bildes für plausibel halten. Kommunikationsmodelle beschreiben schließlich vor allem Struktur und Prozess, nicht notwendigerweise den historischen Entstehungskontext oder die Produktionsbedingungen eines konkreten Werkes.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Shannon-Weaver-Modell (1948) beschreibt Kommunikation technisch über Sender, Kanal, Empfänger und Rauschen.
  • Peirce unterscheidet Icon, Index und Symbol als drei Zeichentypen, die sich gut auf Bilder anwenden lassen.
  • Saussure trennt Bezeichnendes und Bezeichnetes als zwei Seiten eines Zeichens.
  • Barthes zeigt an Werbebildern, wie sprachliche, denotative und konnotative Botschaftsebenen zusammenwirken.
  • Bilder gelten als polysem und benötigen häufig Text zur Verankerung ihrer Bedeutung.

Passendes Unterrichtsmaterial

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Häufig gestellte Fragen

Was ist das Shannon-Weaver-Modell?

Das 1948 von Claude Shannon und Warren Weaver veröffentlichte Modell beschreibt Kommunikation als technischen Übertragungsprozess mit den Elementen Quelle, Sender, Kanal, Empfänger und Ziel, ergänzt um den Störfaktor 'Rauschen'.

Warum wird das Shannon-Weaver-Modell kritisiert?

Weil es Bedeutung nicht modelliert: Es setzt voraus, dass die Botschaft bereits fertige Bedeutung enthält, und behandelt den Empfänger als passiv, ohne kulturelle Deutungsleistung oder Kontext einzubeziehen.

Was ist der Unterschied zwischen Saussures und Peirces Zeichenmodell?

Ferdinand de Saussure unterscheidet Bezeichnendes (Signifikant) und Bezeichnetes (Signifikat) innerhalb eines zweiteiligen sprachlichen Zeichens, während Charles Sanders Peirce ein dreiteiliges Modell mit Icon, Index und Symbol vorschlägt, das auch den realen Bezugsgegenstand einbezieht.

Was bedeuten Icon, Index und Symbol nach Peirce?

Ein Icon ähnelt dem Bezeichneten (z. B. ein Foto), ein Index steht in direktem, oft ursächlichem Zusammenhang mit dem Bezeichneten (z. B. Rauch als Zeichen für Feuer), ein Symbol beruht auf reiner gesellschaftlicher Konvention (z. B. Wörter oder Flaggen).

Was untersuchte Roland Barthes in 'Rhetorik des Bildes'?

Barthes analysierte 1964 am Beispiel einer Werbeanzeige drei Botschaftsebenen: die sprachliche Botschaft, die wörtlich-denotative Bildbotschaft und die kulturell-konnotative Bildbotschaft.

Was bedeutet 'Verankerung' (Ankerung) nach Barthes?

Verankerung bezeichnet die Funktion von Bildunterschriften oder Begleittexten, die Bedeutung eines an sich vieldeutigen Bildes gezielt einzugrenzen und auf eine bestimmte Lesart festzulegen.

Warum gelten Bilder als 'polysem'?

Bilder gelten als polysem, weil sie im Gegensatz zu sprachlichen Aussagen häufig mehrere gleichzeitig plausible Bedeutungen zulassen, die erst durch Kontext, Begleittext oder kulturelles Vorwissen eingegrenzt werden.

Wie unterscheidet sich Bildkommunikation grundsätzlich von Sprache?

Sprache ist überwiegend linear und regelbasiert strukturiert, während Bilder ihre Elemente simultan und ganzheitlich präsentieren und dadurch tendenziell mehrdeutiger und stärker interpretationsoffen wirken.

Fazit

Wer Kommunikationsmodelle wie Shannon-Weaver und semiotische Konzepte von Peirce, Saussure und Barthes miteinander verknüpft, gewinnt ein präzises Handwerkszeug, um zu erklären, warum Bilder anders "sprechen" als Sprache. Für den Kunstunterricht bedeutet das: Bildanalyse wird nicht nur intuitiv, sondern theoretisch fundiert – ein Gewinn, der weit über die reine Werkbetrachtung hinaus auch die kritische Mediennutzung der Lernenden stärkt.

 

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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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