Wie führt man ein Experimentierprotokoll ein, das Lernende selbst schreiben?

Ein Experimentierprotokoll, das Lernende selbst schreiben, braucht ein festes Raster mit sechs Feldern und eine Lehrperson, die bei den ersten drei Versuchen nur das Raster bewertet und nicht den Inhalt. Sitzt das Raster, schreiben die Lernenden schneller, Sie korrigieren schneller und das Protokoll zeigt, was tatsächlich verstanden wurde.
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Das Raster mit sechs Feldern
Im Fachbereich Natur und Technik scheitern Protokolle selten am Experimentieren, sondern am Aufschreiben. Lernende schildern den Versuch als Geschichte, vermischen Beobachtung und Erklärung und vergessen die Frage, die der Versuch beantworten sollte. Ein festes Raster verhindert das. Die sechs Felder lauten: Fragestellung, Vermutung mit Begründung, Aufbau als beschriftete Skizze, Beobachtung, Deutung, offene Frage.
Wichtig ist die Reihenfolge. Die Vermutung wird vor dem Versuch geschrieben, nicht nachträglich angepasst. Damit wird sichtbar, ob sich eine Vorstellung verändert hat, und genau dort findet Lernen statt. Versuche und Aufgaben dazu finden Sie unter anderem in FachKomplett Physik; das Raster legen Sie selbst darüber, damit es zu Ihrer Schule und Ihren Sicherheitsregeln passt.
Drei Versuche, drei Stufen
Ein Protokoll lernt man nicht in einer Lektion. Bewährt hat sich ein Aufbau über vier Versuche, der sich gut in das Quartal bis Weihnachten einplanen lässt:
- Versuch 1: Die Lehrperson füllt das Raster gemeinsam mit der Klasse an der Tafel aus. Die Lernenden schreiben mit.
- Versuch 2: Die Lernenden füllen Fragestellung, Vermutung und Aufbau selbst aus, Beobachtung und Deutung entstehen im Klassengespräch.
- Versuch 3: Das ganze Protokoll entsteht selbstständig in Partnerarbeit. Bewertet wird nur, ob alle sechs Felder vorhanden sind.
- Versuch 4: Einzelarbeit, benotet. Jetzt zählt auch der Inhalt.
Wer nur drei Wochen zur Verfügung hat, kann Versuch 1 und 2 in einer Doppellektion zusammenlegen. Wichtig bleibt, dass die Noten erst nach dem dritten Versuch fallen.
Beobachtung und Deutung konsequent trennen
Der häufigste Fehler steckt im Feld Beobachtung: Lernende schreiben dort bereits die Erklärung auf. Eine Übung mit zwei Spalten hilft. Beispiel aus der Wärmelehre: Beobachtung ist «Das Thermometer zeigt 0 Grad, obwohl die Heizplatte läuft und noch Eis im Becherglas ist». Deutung ist «Die zugeführte Energie wird zum Schmelzen gebraucht, nicht zum Erwärmen». Lassen Sie die Klasse Sätze sortieren und begründen, in welche Spalte sie gehören. Zehn Sätze genügen, und die Unterscheidung sitzt meist für das ganze Quartal.
Zur Einordnung passender Themen im Fachbereich lohnt sich der Beitrag Wärmelehre und Thermodynamik im Fachbereich NT einordnen. Wie sich Protokolle zu diesem Thema bewerten lassen, beschreibt Experimentierprotokolle zur Wärmelehre in Sek I bewerten.
Bewerten ohne Wochenende
Ein Klassensatz Protokolle kann eine Lehrperson viel Zeit kosten, wenn jedes Feld einzeln kommentiert wird. Drei Kriterien reichen: Sind Beobachtung und Deutung getrennt? Wird mindestens ein Fachbegriff korrekt verwendet? Nennt das Protokoll eine Fehlerquelle oder eine offene Frage? Vergeben Sie pro Kriterium zwei Punkte, das ergibt sechs Punkte und passt in Ihre Notenskala, in der die 6 die beste Note ist. Bei Versuch 3 kann die Partnerklasse oder das Nachbarteam mit demselben Raster gegenlesen.
Für den Rest des Quartals eignen sich Versuche, die wenig Material brauchen: Stoffeigenschaften und Trennverfahren in der Chemie, Mikroskopieren in der Biologie, einfache Stromkreise in der Physik. Besprechen Sie vor dem ersten Versuch die Sicherheitsregeln des Fachraums und halten Sie sie auf einem Blatt fest, das im Protokollordner bleibt. Das kostet zehn Minuten und erspart später Diskussionen.
Für die Chemie bietet FachKomplett Chemie Reihen, aus denen sich Versuche für das Protokollraster auswählen lassen.
In der Biologie ist FachKomplett Biologie eine Quelle für Beobachtungsaufträge, die ohne grosse Geräte auskommen. Wenn Sie mehrere Fächer unterrichten, lohnt sich ein einziges Raster für alle drei Fächer, damit die Lernenden nicht dreimal umlernen.
Eine Gesamtplanung für das Quartal finden Sie auf der Seite Quartal bis Weihnachten in Bern und im Mittelland. Dort ist auch beschrieben, wie sich Lernkontrollen und Protokollnoten so verteilen lassen, dass vor Weihnachten kein Stau entsteht.
Das Material ist passend zum Lehrstoff aufgebaut – und falls etwas doch nicht zu euren Vorgaben passt, greift die stifo-Garantie: Wir passen es individuell für euch an.
Häufige Fragen
Ab welcher Stufe lässt sich das Raster einsetzen?
Schon in den ersten Jahren des Zyklus 3. Jüngere Klassen schreiben kürzere Felder und zeichnen mehr, die sechs Felder bleiben gleich.
Was tun, wenn ein Versuch nicht gelingt?
Dann ist das Protokoll besonders aufschlussreich. Verlangen Sie im Feld Deutung eine Begründung, warum das Ergebnis abweicht, und im Feld offene Frage einen Vorschlag für eine Wiederholung.
Muss jedes Protokoll benotet werden?
Nein. Benoten Sie nur Versuch 4 und weitere Versuche nach Bedarf. Die übrigen Protokolle dienen als Übung und werden mit dem Raster geprüft.
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