ERG, RKE oder Lebenskunde: Was hinter den kantonalen Fachnamen steckt

von Luca 10.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Der Lehrplan 21 nennt den Fachbereich „Ethik, Religionen, Gemeinschaft“ (ERG) – doch mehrere Kantone haben ihm einen eigenen Namen gegeben, etwa RKE in Zürich oder Lebenskunde in der Zentralschweiz.

Wer Material für den ERG-Unterricht sucht, stösst auf sehr unterschiedliche Fachbezeichnungen. Dieser Beitrag ordnet sie ein und zeigt, was das für die Planung bedeutet.

Der bildungssystemische Hintergrund: ERG im Lehrplan 21

Der Lehrplan 21 ist kein Bundeslehrplan: Jeder Kanton entscheidet eigenständig über Einführung und Anpassungen, korrekt heisst das Dokument deshalb etwa „Zürcher Lehrplan 21“. 21 deutsch- und mehrsprachige Kantone sowie das Fürstentum Liechtenstein haben Lehrpläne auf dieser Basis in Kraft gesetzt. In der Romandie gilt der Plan d'études romand der CIIP, im Tessin ein eigener Lehrplan.

ERG gehört zum Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG). Im 1. und 2. Zyklus wird NMG integriert unterrichtet; erst im 3. Zyklus, also in der 7. bis 9. Klasse, teilt er sich in Natur und Technik (NT), Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH), Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG) und eben Ethik, Religionen, Gemeinschaft. Kompetenzen werden hier meist ohne Buchstaben-Aspekt zitiert, also zum Beispiel als ERG 4.2.

Die kantonalen Bezeichnungen weichen davon teils deutlich ab. Zürich führt das Fach als „Religionen, Kulturen, Ethik“ (RKE). In Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden heisst es „Lebenskunde“ und umfasst zusätzlich die Klassenstunde sowie die Berufliche Orientierung. Glarus spricht von „Klassenstunde“, Solothurn von „Berufsorientierung / Erweiterte Erziehungsanliegen“. St. Gallen kennt die Wahlangebote „ERG-Schule“ und „ERG-Kirchen“, das Wallis führt „Religion“.

Warum das im Unterricht zählt

Für Lehrpersonen ist das mehr als eine Frage der Etikette. Der Fachname entscheidet mit darüber, wie viele Lektionen zur Verfügung stehen, ob die Klassenstunde mitgedacht werden muss und welche Themen aus der Beruflichen Orientierung im selben Gefäss landen. Eine Reihe, die in Zürich als RKE-Sequenz gut passt, braucht in Luzern womöglich einen zusätzlichen organisatorischen Rahmen.

Hinzu kommt die Suchlogik: Schweizer Lehrpersonen suchen nach Kompetenzcodes und Zyklusangaben, nicht nach Inhaltsfeldern. Wer Material sichtet, prüft deshalb zuerst, ob es sich als Ergänzung zum obligatorischen Lehrmittel eignet.

Konkrete Umsetzung: fünf Schritte für die Planung

  1. Fachnamen klären: Notieren Sie zu Beginn der Jahresplanung, wie das Fach im eigenen Kanton heisst und welche Gefässe (Klassenstunde, Berufliche Orientierung) mitgeführt werden.
  2. Kompetenzen verankern: Ordnen Sie jeder Sequenz eine Kompetenz aus dem kantonalen Lehrplan zu und halten Sie die Grundansprüche fest, die bis Ende Zyklus erreicht sein sollen.
  3. Themen bündeln: Fassen Sie Ethik, Religionskunde und Gemeinschaftsfragen zu Grosseinheiten zusammen statt jede Lektion einzeln zu planen.
  4. Perspektiven öffnen: Planen Sie in jeder Sequenz mindestens eine Aufgabe, in der mehrere Weltanschauungen nebeneinandergestellt und nicht bewertet werden.
  5. Beurteilung festlegen: Klären Sie früh, was benotet wird und was der persönlichen Reflexion vorbehalten bleibt.

Für den direkten Einsatz eignet sich Unterrichtsmaterial „Wie geht ethisches Handeln?“ (SEK I) als Einstieg in ethische Urteilsbildung; Fragen nach Identität und Zugehörigkeit vertieft Wer bin ich? Selbstwahrnehmung in der SEK I. Den interreligiösen Zugang deckt Ethik über Religionsgrenzen hinweg: Gemeinsame Werte als Brücke zur Verständigung ab. Eine nach Zyklen sortierte Übersicht bündelt die Themenseite ERG-Unterrichtsmaterial für die Schweiz.

Beispielhafter Stundenverlauf (45 Minuten)

Einstieg (ca. 10 Min.): Zeigen Sie vier Schulzeugnisse aus verschiedenen Kantonen mit den Fachnamen ERG, RKE, Lebenskunde und Religion. Leitfrage: „Warum heisst dasselbe Fach nicht überall gleich?“

Erarbeitung (ca. 25 Min.): In Vierergruppen erarbeiten die Lernenden je eine kantonale Variante und halten in einem Placemat fest, welche Inhalte dazugehören.

Sicherung (ca. 10 Min.): Gemeinsam wird festgehalten, welche Kernanliegen allen Varianten gemeinsam sind: Ethik, Wissen über Religionen und das Zusammenleben in der Gemeinschaft.

Tipps und typische Stolpersteine

  • Nennen Sie in Elterninformationen immer den kantonalen Fachnamen, nicht nur das Kürzel ERG.
  • Trennen Sie Religionskunde (Wissen über Religionen) klar vom konfessionellen Religionsunterricht der Kirchen.

Häufige Fehler: Ein verbreiteter Fehler ist, „der Lehrplan“ im Singular als nationale Grösse zu behandeln. Ebenso problematisch ist es, Lebenskunde mit ERG gleichzusetzen, ohne die zusätzlich enthaltene Klassenstunde und Berufliche Orientierung einzuplanen.

Häufig gestellte Fragen

Wofür steht die Abkürzung ERG?

ERG steht für „Ethik, Religionen, Gemeinschaft“. Der Fachbereich gehört im Lehrplan 21 zu Natur, Mensch, Gesellschaft und wird im 3. Zyklus als eigenes Fach ausgewiesen.

Warum heisst das Fach in Zürich RKE?

Zürich hat für seine kantonale Fassung die Bezeichnung „Religionen, Kulturen, Ethik“ gewählt. Der Lehrplan 21 ist kein Bundeslehrplan, deshalb dürfen die Kantone eigene Fachnamen festlegen.

Was gehört in der Zentralschweiz zur Lebenskunde?

In Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden umfasst Lebenskunde neben den ERG-Inhalten auch die Klassenstunde und die Berufliche Orientierung.

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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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