Englisch beurteilen mit dem Europäischen Sprachenportfolio
Kurz gesagt: Das Europäische Sprachenportfolio macht Sprachkompetenz über «Ich kann»-Formulierungen sichtbar – als Ergänzung zur Note im Zeugnis, nicht als Ersatz dafür.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Im Zyklus 3 steht am Ende des Semesters eine Note. Der Weg dorthin lässt sich aber deutlich transparenter gestalten. Dieser Beitrag zeigt, wie Lehrpersonen Portfolioarbeit und Beurteilung verbinden.
Was das Europäische Sprachenportfolio ist
Das Europäische Sprachenportfolio wurde vom Europarat entwickelt und besteht aus drei Teilen. Der Sprachenpass hält den erreichten Stand in den einzelnen Fertigkeiten fest. Die Sprachenbiografie dokumentiert den persönlichen Lernweg, Sprachkontakte und Ziele. Das Dossier sammelt Arbeiten, die den Stand belegen – Texte, Aufnahmen, Projekte.
Die Selbsteinschätzung erfolgt über Deskriptoren des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens, die als «Ich kann»-Sätze formuliert sind und die Niveaus von A1 bis C2 unterscheiden. Getrennt beschrieben werden Hören, Lesen, an Gesprächen teilnehmen, zusammenhängendes Sprechen und Schreiben. Genau diese Trennung ist im Unterricht wertvoll: Sie zeigt, dass eine Schülerin im Hörverstehen weiter sein kann als im Schreiben.
Warum das neben der Note zählt
In der Schweizer Volksschule reicht die Notenskala von 1 bis 6, wobei die 6 die beste Note ist und die 4 als genügend gilt. Das Zeugnis wird in der Regel zweimal pro Jahr ausgestellt. Eine Note verdichtet jedoch fünf Fertigkeiten zu einer Zahl – für die Lernenden ist daraus nicht ablesbar, woran sie als Nächstes arbeiten sollen.
Portfolioarbeit ergänzt genau diese Lücke. Sie liefert die Begründung zur Note und macht Fortschritt über ein Semester hinweg sichtbar. Zugleich stärkt sie personale überfachliche Kompetenzen des Lehrplans 21, insbesondere Selbstreflexion und Selbstständigkeit. Und sie gibt dem Standortgespräch mit den Eltern eine Grundlage, die über eine Zahl hinausgeht.
Konkrete Umsetzung im Zyklus 3
- Wenige Deskriptoren auswählen: Legen Sie pro Semester fünf bis acht «Ich kann»-Sätze fest, die zu Ihren Unterrichtsthemen passen. Mehr überfordert.
- Doppelte Einschätzung: Die Lernenden schätzen sich selbst ein, die Lehrperson gibt eine zweite Einschätzung. Besprochen wird nur, wo beide auseinanderliegen.
- Dossier gezielt füllen: Zu jedem Deskriptor gehört ein Beleg – ein Text, eine Sprachaufnahme, ein Leseauftrag. Ohne Beleg keine Einschätzung.
- Rhythmus festlegen: Zweimal pro Semester zwanzig Minuten reichen. Ein fixer Termin verhindert, dass die Arbeit versandet.
- Note und Portfolio verknüpfen: Nutzen Sie die Deskriptoren als Kriterien der Prüfung. So beschreibt das Portfolio dasselbe wie die Note.
Belege für das Dossier lassen sich aus laufendem Material gewinnen: Englisch Klasse 6 – Schreibimpulse mit Struktur, Wortschatz & Hilfen liefert Schreibprodukte, Englisch Leseverstehen Klasse 5 – The Secret Garden Door und Englisch Klasse 7–9 – Phonics & Lautbewusstsein: Übungsmaterial Belege für Lesen und Aussprache. Weitere Reihen bündelt die Sammlung Englisch Sekundarstufe I Schweiz. Englischsprachige Impulse für Portfolio- und Reflexionsarbeit sammelt das Schwesterprojekt Teacher Hub mit Classroom Activities.
Beispielhafter Verlauf einer Lektion (45 Minuten)
Einstieg (ca. 8 Min.): Fünf «Ich kann»-Sätze liegen auf. Jede und jeder markiert für sich, welcher am ehesten zutrifft und welcher am wenigsten.
Erarbeitung (ca. 27 Min.): Die Lernenden suchen im eigenen Dossier je einen Beleg für zwei Deskriptoren und begründen schriftlich in zwei Sätzen, warum der Beleg passt. Wer keinen findet, plant, wie er entsteht.
Sicherung (ca. 10 Min.): Im Partnergespräch wird je ein Ziel für die nächsten vier Wochen formuliert und in der Sprachenbiografie notiert.
Tipps und typische Stolpersteine
- Beginnen Sie mit einer Fertigkeit statt mit allen fünf – Schreiben eignet sich gut, weil die Belege ohnehin entstehen.
- Formulieren Sie Deskriptoren in der Sprache der Klasse um, wenn die Originalformulierung zu abstrakt ist.
- Halten Sie Selbsteinschätzung und Note klar getrennt, sonst schätzen sich Lernende strategisch ein.
Häufige Fehler: Der häufigste Fehler ist ein zu grosses Portfolio: Wer alle Deskriptoren aller Fertigkeiten abarbeiten lässt, erzeugt Papier statt Erkenntnis. Ebenso ungünstig ist es, die Selbsteinschätzung zu benoten – dann verschwindet die Ehrlichkeit, auf der das Instrument beruht. Und ohne Belege im Dossier bleibt jede Einschätzung eine Behauptung.
Häufig gestellte Fragen
Aus welchen Teilen besteht das Europäische Sprachenportfolio?
Aus dem Sprachenpass mit dem erreichten Stand, der Sprachenbiografie mit Lernweg und Zielen sowie dem Dossier, in dem Arbeiten als Belege gesammelt werden.
Ersetzt das Portfolio die Zeugnisnote?
Nein. In der Schweizer Volksschule bleibt die Note auf der Skala von 1 bis 6 massgebend, wobei die 6 die beste Note ist. Das Portfolio begründet und ergänzt sie.
Welche Fertigkeiten werden getrennt eingeschätzt?
Hören, Lesen, an Gesprächen teilnehmen, zusammenhängendes Sprechen und Schreiben. Die Niveaus reichen von A1 bis C2 und werden über «Ich kann»-Sätze beschrieben.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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