Klassifikation psychischer Störungen
Klärt die Abgrenzungskriterien und die gängigen Klassifikationssysteme.
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Psychologie · Klinische Psychologie · Sek II (EF–Q2)
Unterrichtsmaterial zur klinischen Psychologie der Oberstufe. Sie erhalten Reihen und Lernhefte zur Klassifikation psychischer Störungen, zu Angst- und Zwangsstörungen sowie zu den Therapieverfahren von der Verhaltenstherapie bis zur Gesprächspsychotherapie – mit Aufgaben und Lösungen für die Einführungs- und Qualifikationsphase.
Kurz gesagt: Klinische Psychologie in der Oberstufe folgt einem klaren Weg: Zuerst wird geklärt, wie sich normales von behandlungsbedürftigem Erleben unterscheiden lässt und welche Klassifikationssysteme dafür verwendet werden. Danach werden ausgewählte Störungsbilder wie Angst- und Zwangsstörungen genauer betrachtet, und am Ende stehen die Therapieverfahren mit ihren jeweiligen Annahmen über die Entstehung von Störungen.
Der Einstieg über einzelne Störungsbilder wirkt naheliegend, führt aber regelmäßig zu Fehlschlüssen: Lernende erkennen einzelne Merkmale bei sich selbst wieder und schließen daraus auf eine Störung. Deshalb beginnt die Reihe mit der Frage nach dem Maßstab. Erst wenn geklärt ist, dass ein Befund den Kriterien Leidensdruck, Beeinträchtigung der Lebensführung, Dauer und Abweichung von der sozialen Norm genügen muss und dass keines dieser Kriterien für sich allein ausreicht, wird die Beschäftigung mit einzelnen Bildern fachlich tragfähig.
Der zweite Grund ist erkenntnistheoretischer Art. Klassifikationssysteme sind keine Abbildungen der Natur, sondern Ergebnisse fachlicher Verständigung; sie ändern sich, und diese Veränderungen sind begründungsbedürftig. Dass etwa Homosexualität lange als Störung geführt und erst später gestrichen wurde, zeigt der Lerngruppe unmittelbar, dass in diese Kataloge auch gesellschaftliche Normen eingehen. Wer das verstanden hat, geht mit Diagnosen sorgfältiger um – und ist zugleich für die spätere Beurteilung von Therapieverfahren gerüstet, die jeweils eigene Annahmen über die Ursachen von Störungen voraussetzen.
Die folgenden Reihen und Lernhefte decken Klassifikation, Störungsbilder und Behandlung ab.
Klärt die Abgrenzungskriterien und die gängigen Klassifikationssysteme.
Kompaktes Lernheft für die Schülerhand zu zwei zentralen Störungsbildern.
Stellt die Verfahren mit ihren jeweiligen Grundannahmen im Überblick gegenüber.
Vertieft Ablauf, Wirkfaktoren und Grenzen psychotherapeutischer Behandlung.
Grundlage der Gesprächspsychotherapie mit Selbstkonzept, Kongruenz und Empathie.
Bündelt die Reihen zu den prägenden Positionen des Fachs, auch zur Therapie.
In der Einführungsphase steht die Abgrenzungsfrage. Bewährt ist der Einstieg über beschriebene Alltagssituationen, die die Lerngruppe auf einer Skala von unauffällig bis behandlungsbedürftig einordnet und ihre Einordnung anschließend begründet. Aus den Begründungen ergeben sich die Kriterien, die danach systematisch zusammengetragen werden. Wichtig ist die Klarstellung, dass der Unterricht nicht befähigt, Diagnosen zu stellen – diese Grenze sollte ausdrücklich benannt und über die gesamte Reihe eingehalten werden.
In der Qualifikationsphase folgen die Störungsbilder. Angst- und Zwangsstörungen eignen sich besonders gut, weil sich an ihnen der Übergang vom funktionalen zum dysfunktionalen Verhalten zeigen lässt: Angst ist zunächst eine sinnvolle Reaktion, problematisch wird erst ihre Ausdehnung auf ungefährliche Situationen und das Vermeidungsverhalten, das sie aufrechterhält. Genau hier lässt sich der Anschluss an die Therapie herstellen, denn die Konfrontationsbehandlung setzt an eben diesem Kreislauf an. Anschließend werden die Verfahren gegenübergestellt: die Verhaltenstherapie mit ihrem Bezug auf Lernprozesse, die Psychoanalyse mit ihrem Bezug auf unbewusste Konflikte und die Gesprächspsychotherapie mit ihrem Bezug auf das Selbstkonzept.
| Stufe | Einsatz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| EF | Normal und abweichend | Kriterien und Klassifikationssysteme kennenlernen |
| Q1 | Ausgewählte Störungsbilder | Angst- und Zwangsstörungen in Entstehung und Verlauf verstehen |
| Q2 | Therapieverfahren | Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und Gesprächstherapie vergleichen |
Kein anderes Thema des Psychologieunterrichts berührt Lernende so unmittelbar. Kündigen Sie die Einheit deshalb an, benennen Sie zu Beginn Anlaufstellen wie Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft und öffentliche Beratungsangebote und machen Sie deutlich, dass niemand Persönliches beitragen muss. Sinnvoll ist außerdem die Vereinbarung, im Unterricht ausschließlich mit den Fallbeispielen des Materials zu arbeiten und keine Diagnosen über Anwesende oder Bekannte zu formulieren. Damit bleibt die fachliche Arbeit möglich, ohne dass persönliche Betroffenheit ausgestellt wird.
Für die Differenzierung eignen sich Aufgaben unterschiedlicher Komplexität am selben Fall: Merkmale zuordnen, den Verlauf mit einem Modell erklären, das passende Therapieverfahren begründet auswählen. Bei der Leistungsbewertung haben sich die Analyse eines Fallbeispiels mit Bezug auf ein Erklärungsmodell, die Gegenüberstellung zweier Therapieverfahren anhand ihrer Grundannahmen und eine Stellungnahme zur Aussagekraft von Klassifikationssystemen bewährt. Persönliche Erfahrungen bleiben grundsätzlich außerhalb der Bewertung.
Die klinische Psychologie ist in den Lehrplänen des Fachs fest verankert, meist unter Bezeichnungen wie psychische Störungen und ihre Behandlung oder abweichendes Erleben und Verhalten. Vorgesehen ist in der Regel, mindestens ein Störungsbild vertieft zu behandeln und mindestens zwei Therapierichtungen gegenüberzustellen. Die Materialien dieser Seite bilden diese Struktur ab und lassen sich je nach Land um weitere Störungsbilder ergänzen.
Fachliche Sorgfalt bedeutet in diesem Bereich vor allem Zurückhaltung bei Ursachenbehauptungen. Für die meisten Störungen gilt ein Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Faktoren; monokausale Erklärungen sind fachlich nicht haltbar und sollten auch im Unterricht nicht nahegelegt werden. Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen der wissenschaftlichen Beschreibung eines Störungsbildes und der alltagssprachlichen Verwendung derselben Wörter – wer im Alltag etwas als Zwang bezeichnet, meint selten eine Zwangsstörung. Diese begriffliche Genauigkeit einzuüben gehört zu den nachhaltigsten Erträgen der Reihe.
Träume und das Gehirn – Neurobiologie des Träumens
Schlafmangel, Schlafstörungen & Schlafhygiene
Stress, Leistung & Selbstoptimierung (Sek II)
FachKomplett Psychologie & PädagogikKündigen Sie das Thema vorab an, nennen Sie zu Beginn konkrete Anlaufstellen und stellen Sie klar, dass niemand Persönliches beitragen muss. Vereinbaren Sie, ausschließlich mit den Fallbeispielen des Materials zu arbeiten und keine Diagnosen über Anwesende oder Bekannte zu formulieren. So bleibt die fachliche Arbeit möglich, ohne dass Betroffenheit im Kurs offengelegt werden muss.
Für den Unterricht genügt der Überblick über die beiden international gebräuchlichen Systeme und das Verständnis ihrer Funktionsweise: Sie beschreiben Störungen anhand von Kriterienkatalogen und ermöglichen so eine einheitliche Verständigung. Wichtiger als das Auswendiglernen einzelner Codes ist die Einsicht, dass solche Kataloge fachliche Konventionen sind und sich verändern.
In der Regel werden mindestens zwei Richtungen gegenübergestellt; üblich sind die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse beziehungsweise tiefenpsychologisch fundierte Verfahren und die Gesprächspsychotherapie nach Rogers. Der Vergleich lohnt sich besonders entlang der Frage, welche Ursachenannahme das jeweilige Verfahren voraussetzt und woran es den Behandlungserfolg misst.
Ja. Zu den Störungsbildern und zu den Therapieverfahren liegen jeweils eigene Lernhefte vor, die sich zur Erarbeitung wie zur Wiederholung eignen. Sie sind so aufgebaut, dass sie unabhängig von der Unterrichtsreihe genutzt werden können, etwa in der Prüfungsvorbereitung.
Zu den Aufgaben gehören Lösungen beziehungsweise Erwartungshorizonte. Bei Beurteilungsaufgaben sind sie offen angelegt: Sie benennen die zu berücksichtigenden Kriterien, lassen aber unterschiedliche, begründete Ergebnisse zu.
Ja. Die biologischen Grundlagen – Neurotransmitter, Stressreaktion, Schlaf – werden im Fach Biologie behandelt und ergänzen die psychologische Perspektive sinnvoll. Reihen zu Schlafstörungen und zur Neurobiologie des Träumens bieten sich als Anknüpfungspunkte an und stützen zugleich die Einsicht, dass psychische Störungen nicht auf eine einzige Ursachenebene zurückgeführt werden können.