Kernstellen aus Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Erschließt den guten Willen, die Pflicht und den kategorischen Imperativ am Originaltext.
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Philosophie & Ethik · Normative Ethik · Sek II (EF–Q2)
Unterrichtsmaterial zu den drei großen Positionen der normativen Ethik. Sie erhalten Reihen zur Pflichtethik Kants, zur Tugendethik des Aristoteles und zum Utilitarismus von Bentham bis Mill – einschließlich einer ausgearbeiteten Klausur mit Erwartungshorizont und Material zur Anwendung auf konkrete Lebensbereiche.
Kurz gesagt: Die normative Ethik der Oberstufe kennt drei Grundtypen der Begründung: Die Pflichtethik Kants beurteilt eine Handlung nach der Verallgemeinerbarkeit ihrer Maxime, die Tugendethik des Aristoteles nach der Haltung, aus der sie hervorgeht, der Utilitarismus nach ihren Folgen für das Wohl aller Betroffenen. Wer diese drei Perspektiven unterscheiden und auf einen Fall anwenden kann, verfügt über das Werkzeug, das Klausuren und Abituraufgaben verlangen.
Kurse steigen erfahrungsgemäß mit der Frage ein, welche Position „recht hat“ – und genau diese Frage führt in die Irre. Ethische Theorien unterscheiden sich nicht primär in ihren Urteilen, sondern in dem, was sie überhaupt als Grund gelten lassen. Kant fragt, ob die Maxime einer Handlung ohne Widerspruch als allgemeines Gesetz gedacht werden kann; der Utilitarismus fragt nach der Bilanz der Folgen für alle Betroffenen; Aristoteles fragt nach der Haltung, aus der gehandelt wird, und nach dem gelingenden Leben, auf das sie zielt. Erst wenn diese Differenz klar ist, wird eine Diskussion produktiv.
Daraus ergibt sich auch die didaktische Reihenfolge. Sinnvoll ist es, zunächst an einem Fall zu zeigen, dass verschiedene Begründungen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können, und erst danach die Theorien systematisch einzuführen. Bewährt hat sich außerdem die Arbeit an Kernstellen statt an Zusammenfassungen: Die Formel des kategorischen Imperativs, die Bestimmung der Tugend als Mitte oder Mills Unterscheidung höherer und niederer Freuden lassen sich am Originalwortlaut in einer Doppelstunde erarbeiten und bleiben so als Bezugspunkt für die ganze Reihe verfügbar.
Die folgenden Reihen decken die Positionen, ihre Anwendung und die Klausurvorbereitung ab.
Erschließt den guten Willen, die Pflicht und den kategorischen Imperativ am Originaltext.
Führt über Glück, Tugend und die Lehre von der Mitte in die aristotelische Ethik ein.
Vergleicht das quantitative Nutzenkalkül Benthams mit Mills qualitativer Differenzierung.
Fertige Klausur mit Textgrundlage und Erwartungshorizont für die Qualifikationsphase.
Klärt vorab, was Werte, Normen und Begründungen unterscheidet – ideal für die EF.
Überträgt die Positionen auf konkrete Anwendungsfelder und macht sie im Fall vergleichbar.
In der Einführungsphase geht es zunächst um das Handwerkszeug: die Unterscheidung von deskriptiven und normativen Aussagen, von Werten und Normen sowie die Frage, was ein Argument in der Ethik überhaupt trägt. Die Reihe zu den Grundlagen moralischer Orientierungen bereitet diesen Boden. Hilfreich ist ein durchgehender Beispielfall, der die gesamte Oberstufe begleitet und zu dem die Lerngruppe nach jeder neuen Position erneut Stellung nimmt – so wird der Zuwachs an Unterscheidungsfähigkeit für die Lernenden selbst sichtbar.
In der Q1 folgen Kant und Aristoteles. Bei Kant empfiehlt sich der Weg über die Maximenprüfung an selbst formulierten Beispielen; erst danach wird die Selbstzweckformel eingeführt, die erfahrungsgemäß leichter zugänglich ist und sich gut mit Fragen der Menschenwürde verbinden lässt. Aristoteles wird über die Frage nach dem guten Leben erschlossen, wobei die Lehre von der Mitte an konkreten Tugenden durchgespielt wird – Tapferkeit zwischen Feigheit und Tollkühnheit ist das klassische, aber tragfähige Beispiel. In der Q2 steht der Utilitarismus im Vordergrund, verbunden mit Klausurformaten: Die ausgearbeitete Klausur zu Bentham, Mill und Singer lässt sich als Übungsklausur oder als Leistungsüberprüfung einsetzen.
| Stufe | Einsatz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| EF | Grundlagen moralischer Orientierung | Werte, Normen und Begründungstypen unterscheiden |
| Q1 | Kant und Aristoteles | Pflichtethik und Tugendethik an Kernstellen erarbeiten |
| Q2 | Utilitarismus und Anwendung | Folgenethik prüfen und in Klausurformaten anwenden |
Philosophische Originaltexte sind für viele Lernende die eigentliche Hürde. Bewährt hat sich die Portionierung in Sinnabschnitte mit jeweils einer Leitfrage, ergänzt um eine Vokabelspalte für die zentralen Begriffe – Maxime, Neigung, Autonomie, Nutzenprinzip. Für schwächere Lerngruppen kann ein Abschnitt durch eine kommentierte Paraphrase ersetzt werden, während leistungsstärkere Lernende zusätzlich eine Passage aus einer Gegenposition erhalten. Wichtig ist, dass am Ende alle mit demselben Fachvokabular arbeiten, sonst zerfällt die anschließende Diskussion.
Für Klausuren gilt in allen Ländern ein vergleichbares Aufgabenmuster: Analyse eines philosophischen Textes mit Herausarbeitung der Argumentationsstruktur, Einordnung in die Position und abschließende Erörterung, häufig mit Bezug auf eine Gegenposition. Genau darauf ist die vorliegende Utilitarismus-Klausur zugeschnitten. Zur Vorbereitung eignet sich, die Erörterung getrennt zu trainieren: Die Lerngruppe schreibt zu einem bekannten Fall zunächst nur den Absatz, in dem die Gegenposition dargestellt und geprüft wird – der Teil, an dem die meisten Punkte verloren gehen.
Die normative Ethik ist in allen Ländern ein gesetzter Bestandteil der Qualifikationsphase, in Nordrhein-Westfalen etwa im Inhaltsfeld zum Problem des guten Handelns mit den ausdrücklich genannten Positionen der Pflichtethik und der Nutzenethik. Aristoteles erscheint dort teils im selben Inhaltsfeld, teils im Zusammenhang mit der Frage nach dem gelingenden Leben. In Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sind die Zuschnitte anders benannt, decken aber dieselben Positionen ab, sodass sich die Reihen ohne größere Umstellung übertragen lassen.
Für die Abiturvorbereitung ist entscheidend, dass die Positionen nicht nur referiert, sondern aufeinander bezogen werden können. Typische Prüfungsaufgaben verlangen, eine utilitaristische Argumentation aus kantischer Perspektive zu kritisieren oder umgekehrt die Frage zu beantworten, was die Tugendethik gegenüber regelorientierten Ansätzen leistet. Wer die Reihen dieser Seite nacheinander bearbeitet, hat für jede dieser Aufgabenstellungen die Textgrundlage und das Begriffsinventar zur Verfügung; die Anwendungsreihe zu den Lebensbereichen liefert zusätzlich die Fälle, an denen sich der Vergleich konkret führen lässt.
Kernlehrplan Philosophie Sek II (NRW)
FachKomplett Ethik – 30+ UnterrichtsreihenBeginnen Sie nicht mit der Formel, sondern mit dem Verfahren: Die Lerngruppe formuliert die Maxime einer Handlung in einem Satz und prüft anschließend, was geschähe, wenn alle so handelten. Erst wenn dieses Vorgehen sitzt, wird die Formel als knappe Fassung eben dieses Prüfschritts eingeführt. Die Selbstzweckformel eignet sich danach als zweiter Zugang und lässt sich gut mit dem Begriff der Menschenwürde verbinden.
Bentham bemisst den Nutzen rein quantitativ und rechnet Freuden nach Intensität, Dauer und Zahl der Betroffenen gegeneinander auf. Mill hält dieses Kalkül für unvollständig und führt eine qualitative Unterscheidung ein: Geistige Freuden stehen höher als bloß sinnliche, was er mit dem Urteil derer begründet, die beide kennen. An dieser Differenz lässt sich zeigen, dass der Utilitarismus keine einheitliche Lehre ist.
Bewährt ist das dreiteilige Muster: Analyse eines Textauszugs mit Herausarbeitung der Argumentationsstruktur, Einordnung in die utilitaristische Position und abschließende Erörterung mit einer Gegenposition. Die Klausur zu Bentham, Mill und Singer folgt diesem Aufbau und enthält einen Erwartungshorizont, sodass sie sich direkt als Übungs- oder Leistungsklausur einsetzen lässt.
Für Kant sind die Passagen zum guten Willen und zur ersten Formel des kategorischen Imperativs aus der Grundlegung der bewährte Kern; sie sind kurz genug für eine Doppelstunde. Bei Aristoteles eignen sich die Bestimmung des höchsten Gutes und die Lehre von der Mitte aus der Nikomachischen Ethik. Beide Reihen stellen die Kernstellen mit Erschließungsaufgaben bereit.
Zu den Aufgaben gehören Lösungen, zur Klausur ein ausformulierter Erwartungshorizont mit den erwarteten Teilleistungen. Bei Erörterungsaufgaben sind die Erwartungshorizonte offen angelegt: Sie benennen die zu berücksichtigenden Argumente, geben aber kein bestimmtes Urteil vor.
Ja. Die Positionen der normativen Ethik gehören in beiden Fächern zum Kernbestand der Oberstufe; die Reihen sind fachlich identisch nutzbar. Im Fach Ethik empfiehlt es sich, den Anwendungsteil zu den Lebensbereichen stärker zu gewichten, in Philosophie dagegen die Textanalyse und die argumentative Erörterung.