Deutsch als Zweitsprache in mehrsprachigen Klassen: Material und Scaffolding

Deutsch als Zweitsprache · Scaffolding · Deutsche Auslandsschulen

Unterrichtsmaterial für sprachlich heterogene Klassen an Deutschen Auslandsschulen, Deutsch-Profil-Schulen und DSD-Schulen: Satzbau, Konnektoren, Zeitformen und Sachtextarbeit mit Scaffolding von der Alltags- über die Bildungs- zur Fachsprache.

Klasse 5–10Stufenbereich
A2 bis C1GER-Spanne
11 Reihenverlinkt
Digitalweltweit nutzbar

Kurz gesagt: An Deutschen Auslandsschulen lernt die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler Deutsch nicht als Erstsprache – nach Angaben des Auswärtigen Amts sind rund 60.000 der etwa 85.000 Lernenden nichtdeutscher Herkunft. Deutsch als Zweitsprache ist deshalb keine Randaufgabe einzelner Förderstunden, sondern durchgängiges Prinzip. Das Material liefert die Bausteine dafür: Satzbau, Konnektoren, Zeitformen und Textarbeit mit Lösungen, einsetzbar als Scaffolding in Deutsch- und Sachfachstunden.

Warum Deutsch als Zweitsprache an Auslandsschulen eine eigene Aufgabe ist

An einer Begegnungsschule sitzen Kinder aus deutschsprachigen Familien neben Lernenden, die Deutsch erst in der Schule erwerben – und beide Gruppen arbeiten am selben Text. Wer nur nach Erstsprachniveau plant, überfordert die eine Hälfte der Lerngruppe; wer nur nach Fremdsprachenniveau plant, verliert die fachlichen Ansprüche aus dem Blick, die für den Mittleren Schulabschluss oder das Deutsche Internationale Abitur gelten. Die Lösung liegt in gemeinsamem Material mit gestuften sprachlichen Hilfen.

Das Auslandsschulwesen hat dafür einen eigenen Fachbegriff: Deutschsprachiger Fachunterricht, kurz DFU. Gemeint ist Unterricht in den Sachfächern auf Deutsch für Lernende, deren Erstsprache nicht Deutsch ist; als Zielkompetenzen nennt die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen unter anderem, Fachtexten Informationen zu entnehmen und Fachinhalte auf Deutsch zu erklären. Methodische Referenz ist das Methoden-Handbuch von Josef Leisen mit dem Leitprinzip des Wechsels der Darstellungsformen. Hier greift Sprachmaterial: Wer Kausal- und Konzessivsätze sicher bildet, kann im Fachunterricht begründen und abwägen – ohne diese Struktur bleibt es beim Aufzählen.

Unterrichtsmaterial für Sprachbildung in mehrsprachigen Klassen

Die folgenden fünf Reihen bilden das sprachliche Rückgrat: Verknüpfungswörter für argumentierende Texte, Präpositionen und Kasus als klassische Fehlerquelle, das Zeitensystem sowie zwei Reihen zur Sachtextarbeit als Übergang in den Fachunterricht.

Wie sich die Reihen zu einer Sequenz verbinden lassen

Bewährt hat sich ein Aufbau, der bei der Satzstruktur beginnt und bei der Textproduktion endet. Zuerst stehen Kasus und Präpositionen im Mittelpunkt, weil hier die meisten Fehler entstehen, die später in Fachtexten stören. Dann folgt das Zeitensystem, das für Berichte im Deutschunterricht ebenso gebraucht wird wie für Verlaufsbeschreibungen in Geschichte oder Biologie. Erst danach lohnt der Schritt zu Konnektoren: Sie entfalten ihren Nutzen nur, wenn die verbundenen Sätze bereits korrekt gebildet werden.

Den Abschluss bildet die Sachtextarbeit: Lernende markieren Zeitformen und Konnektoren im Originaltext, bevor sie selbst zusammenfassen. Für die gemeinsame Jahresplanung von Deutsch- und Sachfachlehrkräften reicht die Absprache, welche Konnektoren und Operatoren in welchem Halbjahr eingeführt werden.

Für welche Stufe eignet sich das Material?

Klassenstufe Sprachniveau Schwerpunkt
Klasse 5–6 A2, Aufbau Richtung B1 Wortarten, Kasus, Satzglieder, Grundwortschatz
Klasse 7–8 B1, Zielniveau DSD I Zeitformen, Nebensätze, Beschreiben und Berichten
Klasse 9–10 B1 bis B2, Übergang zum DSD II Konnektoren, Sachtexte, Zusammenfassen
Sekundarstufe II B2 bis C1, DSD II und DIA Argumentierendes Schreiben, Operatoren, Fachsprache

Scaffolding und Differenzierung in sprachlich heterogenen Klassen

Josef Leisen unterscheidet drei Antwortstrategien auf sprachliche Hürden: defensive Vereinfachung, offensives Scaffolding durch Methodenwerkzeuge und den stärkenden Aufbau von Sprachkompetenz. Für den Alltag heißt das: Nicht der Text wird gekürzt, sondern der Zugang gestützt. Ein Wortspeicher an der Tafel, ein Satzbaukasten mit Anfängen wie „Daraus folgt, dass …“ oder „Im Gegensatz dazu …“ und ein Lückentext als Zwischenschritt machen dieselbe Aufgabe für alle lösbar.

Für die Binnendifferenzierung bewährt sich eine Dreiteilung derselben Aufgabe: Konnektoren zuordnen, die Verbindung mit Auswahlhilfe formulieren, einen Absatz ohne Vorgaben schreiben. Alle drei Stufen arbeiten am gleichen Inhalt, sodass die Sicherung gemeinsam stattfindet. Weil die Materialien bearbeitbar sind, lassen sich diese Stufen schnell selbst anlegen.

Lehrplanbezug: Kerncurricula, DSD-Niveaus und DIA

Einen einheitlichen Lehrplan für alle Deutschen Auslandsschulen gibt es nicht. Verbindlich für die gymnasiale Oberstufe sind die KMK-Kerncurricula für die gymnasialen Oberstufen an Deutschen Schulen im Ausland, für Deutsch in der Fassung vom 10.09.2015. Dazu kommen die Operatorenlisten für das Auslandsschulwesen, die jeden Operator einem der Anforderungsbereiche I bis III zuordnen. In der Sekundarstufe I arbeiten viele Schulen mit einem Landeslehrplan – die Thüringer Lehrpläne finden an Deutschen Auslandsschulen breite Anwendung – und konkretisieren ihn in einem schulinternen Curriculum, das vom betreuenden Bundesland der KMK-Region genehmigt wird.

Für die Sprachniveaus gilt die Stufung des Deutschen Sprachdiploms der KMK: Das DSD I zielt auf B1 und berechtigt zum Besuch eines Studienkollegs, das DSD II liegt auf B2 bis C1 und erfüllt die sprachlichen Voraussetzungen für die Hochschulzulassung in Deutschland. Das Deutsche Internationale Abitur umfasst drei schriftliche und zwei mündliche Prüfungen mit Deutsch als erstem schriftlichen Fach. Sprachbildung in Klasse 5 bis 10 ist damit keine Zusatzaufgabe, sondern die Vorarbeit für genau diese Prüfungen.

Was an deutschem Material konkret angepasst werden muss

Material aus Deutschland ist fachlich anschlussfähig, setzt aber Alltagswissen voraus, das im Gastland fehlt. Die häufigsten Stolpersteine sind Realien: Aufgaben mit Bundesjugendspielen, Klassenfahrt an die Ostsee oder Deutscher Bahn wirken in Santiago, Kairo oder Shanghai konstruiert. Hilfreich ist ein Austausch im bearbeitbaren Dokument: Ortsangabe durch den Schulort, Verkehrsträger durch das lokale Verkehrsmittel. Der grammatische Kern bleibt unangetastet, der Kontext wird verständlich, und nebenbei entsteht ein Anlass für den Kulturvergleich.

Zweitens die Fachbezeichnungen: Je nach Bundesland heißt dasselbe Fach Erdkunde, Geografie oder Gesellschaftswissenschaften; wer Materialien mischt, sollte sie vor dem Druck vereinheitlichen. Drittens die Bewertung: Deutsche Materialien führen die Skala 1 bis 6 und die Punkteskala 0 bis 15 der Oberstufe mit. An Schulen mit Doppelabschluss existiert daneben die landesübliche Skala, etwa die spanische Zehnerskala. Erwartungshorizonte lassen sich unverändert übernehmen, die Notenzuordnung sollte jedoch vorab an die schuleigene Ordnung angepasst werden. Viertens die Orthografie: Die Reihen folgen der amtlichen Regelung mit „ß“; unterrichten auch schweizerische Lehrkräfte an der Schule, lohnt eine Verständigung darüber, welche Schreibung in Klassenarbeiten als korrekt gilt.

Wie ist das Material aufgebaut?

  • Sprachlich gestuftAufgaben führen vom Erkennen über das Anwenden zum freien Formulieren.
  • Direkt einsetzbarFertige Reihen mit Arbeitsblättern – ohne Vorbereitungsaufwand nutzbar.
  • Mit LösungenAlle Übungen inklusive Lösungen und Erwartungshorizonten.
  • Für DFU anschlussfähigWortspeicher und Satzbausteine lassen sich in Sachfächer übertragen.
  • EditierbarBearbeitbare Formate – Beispiele lassen sich an das Gastland anpassen.
  • KombinierbarEinzelreihen ergeben zusammen eine Sequenz über ein ganzes Schuljahr.

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Häufige Fragen

Eignet sich Material aus Deutschland für Zweitsprachlernende an einer Auslandsschule?

Fachlich ja, kontextuell nur nach Anpassung. Die grammatische Progression hängt am Sprachsystem, nicht am Wohnort. Anzupassen sind Beispiele mit deutschen Realien, die Fachnamen je nach Landeslehrplan und die Notenzuordnung bei Doppelabschlüssen.

Wie unterscheidet sich Sprachbildung im DFU von einem klassischen Förderkurs?

Der Förderkurs arbeitet an der Sprache selbst, außerhalb des Fachunterrichts. Der DFU verfolgt beide Ziele gleichzeitig und unterstützt fachliches wie sprachliches Lernen in derselben Stunde. Die Grammatikreihen liefern die Bausteine dafür.

Welches Material bereitet auf das DSD I vor?

Das DSD I zielt auf B1. Einschlägig sind vor allem die Reihen zu Zeitformen, Nebensatzarten sowie zum Beschreiben und Berichten. Für den Schritt zum DSD II auf B2 bis C1 kommen Konnektoren und Sachtextarbeit hinzu.

Wie differenziere ich in einer Klasse mit sehr unterschiedlichen Deutschniveaus?

Bewährt hat sich, dieselbe Aufgabe in drei Anspruchsstufen anzubieten: zuordnen, mit Auswahlhilfe formulieren, frei schreiben. Alle arbeiten am gleichen Inhalt, die Sicherung bleibt gemeinsam. Wortspeicher stützen die Lernenden auf A2.

Können Ortslehrkräfte ohne Ausbildung in Deutsch als Fremdsprache damit arbeiten?

Ja. Die Reihen enthalten Erklärungen, Übungen und vollständige Lösungen, sodass auch Lehrkräfte ohne DaF-Zusatzqualifikation sicher unterrichten. Da Ortslehrkräfte vielerorts die größte Gruppe stellen, sind selbsterklärende Materialien besonders wertvoll.

Wie kommt das Material an unsere Schule im Ausland?

Alle Reihen sind digitale Downloads und stehen sofort zur Verfügung, unabhängig von Standort und Zeitzone. Die Dateien lassen sich ausdrucken oder in der Lernplattform bereitstellen.