Geschichte· Sek II

Sachurteil und Werturteil trennen: Historische Urteilsbildung in der MSS Geschichte

von Luca 29.10.2026 1 Min. Lesezeit
Sachurteil und Werturteil trennen: Historische Urteilsbildung in der MSS Geschichte

Historische Urteilsbildung wird greifbar, wenn Lernende zwischen Sachurteil und Werturteil unterscheiden und beide getrennt begründen. Das Sachurteil fragt, was war und welche Folgen es hatte. Das Werturteil fragt, wie wir es heute bewerten. In der Mainzer Studienstufe lässt sich diese Trennung in vier Wochen einüben.

Zwei Urteile, zwei Maßstäbe

Ein Sachurteil beantwortet Fragen wie: War die Reform wirksam? Welche Folgen hatte der Vertrag? Der Maßstab liegt in der Zeit selbst: Ziele der Handelnden, Rahmenbedingungen, tatsächliche Wirkung. Ein Werturteil beantwortet Fragen wie: War die Entscheidung gerecht? Würden wir sie heute vertreten? Hier gelten Maßstäbe der Gegenwart, etwa Menschenrechte oder demokratische Grundsätze.

Lernende vermischen beides häufig. Ein Satz wie „Das war schlimm, weil es nicht funktioniert hat“ enthält beides, ohne es zu sagen. Die Trennung zwingt dazu, die Maßstäbe offenzulegen, und das ist der Kern der Urteilsbildung.

Der Wochenplan

  • Woche 1: Beispiele sortieren. Eine Liste von zehn Aussagen wird in Sachurteile, Werturteile und Mischformen eingeteilt.
  • Woche 2: Sachurteil üben. Zu einem Ereignis werden Ziele, Mittel und Wirkung gegenübergestellt.
  • Woche 3: Werturteil üben. Maßstäbe benennen, anwenden und gegen eine Gegenposition abwägen.
  • Woche 4: Kombination. Ein Aufgabenformat mit beiden Urteilen, getrennt formuliert und getrennt bewertet.

Die Reihe passt in jedes Thema der Qualifikationsphase, sofern eine Entscheidung mit erkennbaren Folgen im Mittelpunkt steht. Als inhaltlicher Rahmen kann das Lehrplan-Paket Geschichte für die Sekundarstufe II in Rheinland-Pfalz dienen.

Kriterien sichtbar machen

Für das Sachurteil genügen drei Prüffragen: Was wollten die Beteiligten? Was haben sie erreicht? Was blieb offen? Für das Werturteil helfen zwei: An welchem Maßstab messe ich? Was spricht aus Sicht eines anderen Maßstabs dagegen? Hängen Sie die Fragen aus und verlangen Sie, dass jede Antwort sie erkennbar aufgreift. Damit wird die Korrektur einfacher, denn Sie prüfen die Begründung und nicht die Meinung.

Besonders wirksam ist die Regel, dass ein Werturteil immer eine Gegenposition enthält. Lernende erkennen dann, dass ein Urteil abgewogen sein muss, ohne beliebig zu werden.

Typische Schwierigkeiten

Die erste Schwierigkeit ist der Anachronismus. Lernende bewerten die Handelnden mit heutigen Maßstäben und nennen es Sachurteil. Hier hilft die Frage: Konnten die Beteiligten das damals wissen? Die zweite Schwierigkeit ist die Unentschlossenheit. Manche Lernende schreiben „Man kann das so oder so sehen“ und hören auf. Verlangen Sie eine begründete Entscheidung, auch wenn sie vorsichtig formuliert ist.

Für schwächere Gruppen bieten sich Satzanfänge an: „Aus der Sicht der Zeitgenossen war … erfolgreich, weil …“ und „Nach heutigem Maßstab ist … problematisch, weil …“. Reihen mit passenden Materialien finden Sie in FachKomplett Geschichte.

Einordnung in das Halbjahr

Die Urteilsbildung eignet sich als Abschluss einer Reihe, nicht als Einstieg. Planen Sie sie deshalb in den letzten zwei Wochen einer Einheit ein und legen Sie die Klausur danach. Der Beitrag Geschichte nach dem Lehrplan in Rheinland-Pfalz gibt einen Überblick über die Themenfelder. Eine Planung für alle Fächer bis Weihnachten bietet die Planungsseite für Rheinland-Pfalz.

Urteilsbildung in anderen Fächern

Auch in Deutsch tauchen Sach- und Werturteile auf, etwa bei der Erörterung. Wer fachübergreifend arbeitet, kann dieselben Kriterien nutzen; das Lehrplan-Paket Deutsch für die GoST in Rheinland-Pfalz enthält passende Aufgabenformate. Für die Korrektur von Urteilsaufgaben lohnt sich ein Raster, das Sach- und Werturteil getrennt bewertet; Anregungen dazu bietet der Beitrag Korrekturzeit in der Oberstufe reduzieren. So bleibt der Aufwand überschaubar, und die Rückmeldung wird konkreter.

Ein Beispiel

Eine Lerngruppe behandelt eine Reformpolitik des 19. Jahrhunderts. Beim Sachurteil vergleichen die Lernenden die erklärten Ziele mit den dokumentierten Ergebnissen und kommen zu dem Schluss, dass die Reform ihre wirtschaftlichen Ziele teilweise erreichte. Beim Werturteil fragen sie, ob die sozialen Kosten vertretbar waren, und stellen zwei Maßstäbe gegenüber: wirtschaftlicher Nutzen und soziale Gerechtigkeit. Sie entscheiden sich begründet für einen Maßstab und benennen, was dagegen spricht. Beide Urteile stehen in getrennten Absätzen, sodass Sie sie getrennt bewerten können.

Das Material ist passend zum Lehrstoff aufgebaut – und falls etwas doch nicht zu euren Vorgaben passt, greift die stifo-Garantie: Wir passen es individuell für euch an.

Häufige Fragen

Müssen beide Urteile in jeder Klausur vorkommen?

Nicht zwingend, aber die Aufgabe sollte klar erkennen lassen, welches gefragt ist. Wenn beide verlangt sind, empfiehlt sich ein Hinweis zur getrennten Darstellung.

Wie bewerte ich ein Werturteil, dem ich nicht zustimme?

Bewertet wird die Begründung. Prüfen Sie, ob der Maßstab genannt, angewandt und gegen eine Gegenposition abgewogen wird.

Ab wann können Lernende das selbstständig?

Meist nach vier bis sechs Wochen regelmäßiger Übung. Ein Satzanfangsraster verkürzt die Phase bei schwächeren Gruppen.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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