Politische Partizipation zwischen Anspruch: für BHS und BMS zuschneiden
Politische Partizipation lässt sich an der BHS mit dem Pflichtpraktikum verbinden: Erfahrungen aus dem Betrieb, etwa mit Mitbestimmung oder Betriebsrat, liefern konkretes Anschauungsmaterial für ein Thema, das im Unterricht sonst leicht abstrakt bleibt und schwer greifbar wird. Diese Perspektive lässt sich später mit weiteren staatlichen Ebenen politischer Beteiligung verbinden.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Das Pflichtpraktikum als Erfahrungsraum
In mehreren BHS-Formen, etwa an der HLW, gehört ein Pflichtpraktikum zur Ausbildung. Schülerinnen und Schüler verbringen dabei Zeit außerhalb der Schule in einem Betrieb und sammeln dort Erfahrungen, die weit über die fachliche Tätigkeit hinausgehen. Dazu zählt auch ein erster Kontakt mit betrieblicher Mitbestimmung, etwa wenn ein Betriebsrat im Unternehmen sichtbar wird oder Kolleginnen und Kollegen von gewerkschaftlicher Vertretung erzählen.
Für den Unterricht zu politischer Partizipation ist das ein Ausgangspunkt, der nicht erfunden werden muss. Die Reihe zu politischer Partizipation zwischen Anspruch und Wirklichkeit lässt sich mit solchen Erfahrungen verknüpfen, ohne dass jede Schülerin und jeder Schüler dieselbe Praktikumsstelle durchlaufen haben muss.
Was aus dem Betrieb in den Unterricht zurückfließt
Politische Partizipation wird oft ausschließlich über Wahlen und Parteien erklärt. Ein Pflichtpraktikum eröffnet eine zweite Ebene: Mitbestimmung im Betrieb funktioniert nach anderen Regeln als politische Wahlen, folgt aber ähnlichen Grundfragen — wer entscheidet, wer wird gehört, welche Kanäle gibt es dafür. Diese Parallele lässt sich im Unterricht nutzen, um Partizipation sowohl staatsbürgerlich als auch arbeitsweltlich zu verstehen.
Wichtig ist dabei, keine allgemeingültigen Aussagen über bestimmte Branchen oder Betriebe zu treffen, da die Erfahrungen der Klasse naturgemäß sehr unterschiedlich ausfallen. Der Unterricht sammelt die Beispiele, ohne sie zu verallgemeinern.
Zeitliche Abstimmung mit dem Praktikum
Ein Pflichtpraktikum liegt meist in den Ferien oder in einem eigens dafür vorgesehenen Zeitraum, während der Unterricht zu politischer Partizipation regulär im Schuljahr stattfindet. Wer das Thema kurz nach dem Praktikum ansetzt, profitiert davon, dass die Erfahrungen noch frisch sind und sich konkret in Gespräche einbringen lassen. Wartet man zu lange, verblassen viele Details, und die Klasse greift eher auf allgemeine Eindrücke als auf konkrete Situationen zurück.
Die Reihe zu Donald Trump und dem President-Elect eignet sich als Ergänzung, wenn nach der betrieblichen Ebene auch die staatliche und internationale Ebene politischer Partizipation behandelt werden soll, etwa im Vergleich unterschiedlicher Wahlsysteme.
Weiterführende Themen im Unterricht
Wer die Diskussion um politische Partizipation vertiefen will, findet im Beitrag zu Populismus als Analysegegenstand statt als Schimpfwort einen Zugang, der sich für ältere Schulstufen eignet. Für jüngere Klassen bietet sich der Beitrag zum Wahlalter 16 und den Argumenten der Debatte, strukturiert für den Unterricht an, weil er näher an der eigenen Lebenswelt liegt.
Eine Übersicht über weitere Anpassungen für BHS und BMS bietet die Pillar-Seite zum Zuschneiden von AHS-Material für berufsbildende Schulen, gebündelt auf der Übersichtsseite zu Unterrichtsmaterial für Berufsschule, HAK und HTL.
Unterschiedliche Praktikumsbetriebe in einer Klasse
Eine Klasse verteilt sich für das Pflichtpraktikum meist auf viele unterschiedliche Betriebe, von kleinen Familienunternehmen bis zu großen Konzernen mit eigener Personalvertretung. Diese Vielfalt lässt sich im Unterricht nutzen, um zu zeigen, dass Mitbestimmung nicht überall gleich aussieht, sondern von der Größe und Struktur eines Betriebs abhängt.
Die Reihe zu politischer Partizipation zwischen Anspruch und Wirklichkeit lässt sich dafür so einsetzen, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Praktikumserfahrungen einbringen und im Vergleich mit anderen aus der Klasse feststellen, wie unterschiedlich Mitbestimmung in der Praxis tatsächlich ausfällt, statt von einer einheitlichen betrieblichen Realität auszugehen.
Ein kurzer Austausch in Kleingruppen eignet sich gut für diesen Vergleich: Jede Gruppe stellt kurz vor, welche Form von Mitbestimmung im eigenen Praktikumsbetrieb sichtbar war, und die Klasse sammelt anschließend gemeinsam, welche Muster sich über die verschiedenen Betriebe hinweg zeigen und welche eher Einzelfälle bleiben.
Häufige Fragen
Wie hängen Pflichtpraktikum und politische Partizipation zusammen?
Über die Erfahrung mit betrieblicher Mitbestimmung. Im Pflichtpraktikum kommen Schülerinnen und Schüler teilweise erstmals mit Betriebsrat oder gewerkschaftlicher Vertretung in Berührung. Diese Erfahrung lässt sich im Unterricht nutzen, um Partizipation sowohl über Wahlen als auch über Mitbestimmung in der Arbeitswelt zu erklären.
Sollte man Erfahrungen aus dem Praktikum verallgemeinern?
Nein. Die Erfahrungen einer Klasse mit Betrieben unterscheiden sich stark je nach Branche und Unternehmen. Der Unterricht sollte diese Beispiele sammeln und vergleichen, ohne sie als allgemeingültig für eine ganze Branche oder gar für die Arbeitswelt insgesamt darzustellen, weil einzelne Betriebe stark voneinander abweichen können und sich Erfahrungen selten eins zu eins von einem Betrieb auf einen anderen übertragen lassen.
Wann im Schuljahr eignet sich das Thema am besten?
Kurz nach dem Pflichtpraktikum, weil die Erfahrungen dann noch präsent sind und sich leichter in Gespräche einbringen lassen. Liegt das Praktikum in den Ferien, bietet sich der Beginn des folgenden Semesters an, um die Eindrücke aufzugreifen, bevor sie im Schulalltag wieder verblassen.
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