Latein· Sek II · Nordrhein-Westfalen

Latein in Nordrhein-Westfalen: Kernlehrplan, Reihenplanung und Lektüreauswahl

von Luca 27.08.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz gefasst: Wer Latein in Nordrhein-Westfalen plant, arbeitet sinnvollerweise in zwei Schritten. Zuerst gleichen Sie die im Kernlehrplan beschriebenen Kompetenzbereiche – Sprachkompetenz, Textkompetenz und Kulturkompetenz – mit dem tatsächlichen Stand Ihrer Lerngruppe ab. Danach verteilen Sie diese Bereiche auf überschaubare Halbjahresabschnitte, in denen jeweils ein sprachliches und ein inhaltliches Ziel im Vordergrund steht. Welche Vorgaben für Ihre Schulform und den jeweiligen Abiturjahrgang konkret gelten, entnehmen Sie den Veröffentlichungen der Standardsicherung NRW. Dieser Artikel liefert das Planungsgerüst, das Sie um diese Vorgaben herum bauen.

Vom Kompetenzbereich zur Unterrichtsreihe

Kernlehrpläne sind Ergebnisbeschreibungen, keine Reihenplanungen. Der Schritt, den Sie selbst leisten müssen, ist die Übersetzung einer Kompetenzformulierung in eine Abfolge von Stunden. Bewährt hat sich, jede Reihe an einem sprachlichen Kern aufzuhängen und ein kulturelles Thema als Kontext danebenzustellen. Eine Reihe zum Partizipium wird so nicht zur reinen Formenschulung, sondern zu einer Einheit, in der Lernende an römischen Texten beobachten, wofür diese Konstruktion gebraucht wird.

Praktisch heißt das: Sie notieren pro Halbjahr zwei bis drei Sprachziele, ordnen ihnen je ein Textformat zu und legen fest, an welcher Stelle eine Leistungsüberprüfung sinnvoll liegt. Für die Sprachziele der Mittelstufe eignen sich abgegrenzte Pakete wie Kasus, Kongruenz und Satzglieder für die Klassen 6 bis 8 und der Bereich AcI, Participium coniunctum und Ablativus absolutus, der die satzwertigen Konstruktionen bündelt.

Der Übergang von der Spracherwerbsphase in die Lektüre

Der kritischste Punkt der Sekundarstufe I ist nicht der Lehrbuchschluss, sondern das Halbjahr danach. Lernende, die im Lehrbuch verlässlich gearbeitet haben, scheitern an Originaltexten oft an drei Stellen: an unbekanntem Wortschatz, an der Satzlänge und an fehlendem Kontextwissen. Planen Sie diesen Übergang deshalb als eigene Phase mit eigenen Zielen ein und nicht als Nebeneffekt.

  • Wortschatzarbeit auf einen begrenzten Autorenwortschatz umstellen, statt weiter breit zu wiederholen.
  • Erschließungsverfahren explizit einführen: Konstruktionsmethode, Einrückmethode, Kolometrie an kurzen Sätzen.
  • Kontextwissen vorab aufbauen, damit die Übersetzung nicht zugleich Sachrecherche sein muss.
  • Die ersten Originalsätze bewusst kurz und syntaktisch durchsichtig wählen.

Für diese Phase sind Materialien hilfreich, die Übersetzen und Deuten zusammen denken, etwa Lateinische Texte übersetzen und interpretieren für die Klassen 7 bis 11. Ergänzend lohnt eine Wiederholung von Tempora, Modi und Konjunktiv, weil der Konjunktiv in Nebensätzen bei Originaltexten deutlich häufiger auftritt als im Lehrbuch.

Lektüre begründet auswählen

Die Auswahl der Lektüre sollte drei Kriterien standhalten: sprachliche Erreichbarkeit, inhaltliche Anschlussfähigkeit an die Lebenswelt der Lernenden und Passung zu den geltenden Vorgaben des Landes. Prüfen Sie das dritte Kriterium immer an der aktuellen Veröffentlichung der Standardsicherung, denn Schwerpunktsetzungen ändern sich jahrgangsweise. Innerhalb dieses Rahmens haben Sie mehr Spielraum, als viele Kollegien nutzen.

Für den Einstieg in die Originallektüre bleibt Caesar: De bello Gallico sprachlich gut kalkulierbar und erlaubt zugleich eine kritische Auseinandersetzung mit Selbstdarstellung. In der Oberstufe eröffnen Cicero: In Catilinam und Seneca: Epistulae morales zwei sehr unterschiedliche Zugänge: den politisch-rhetorischen und den philosophisch-argumentativen. Wer poetische Texte einplant, findet in Ovid: Metamorphosen und Vergil: Aeneis die klassischen Bezugspunkte. Eine Übersicht über passende Reihen bietet die Seite Latein-Lektüre für die Sek II, die gesammelten Einheiten stehen in der Kollektion Latein-Lektüre Sek II.

Leistungsbewertung im Blick behalten

Planen Sie Klassenarbeiten und Klausuren früh mit, nicht erst, wenn die Reihe steht. Entscheidend ist, dass die Aufgabenformate zu dem passen, was Sie tatsächlich geübt haben: Wer im Unterricht Erschließungsverfahren trainiert, sollte sie auch in der Aufgabenstellung sichtbar machen. Wie Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer die sonstige Mitarbeit nach dem Kernlehrplan strukturieren, zeigt der Beitrag zur Leistungsbewertung in Chemie in NRW, dessen Kriterienraster sich auf Latein übertragen lässt. Wie eine moderne Fremdsprache denselben Weg von der Vorgabe zur Oberstufenplanung geht, beschreibt der Artikel zu Spanisch nach dem Kernlehrplan in Nordrhein-Westfalen.

Häufige Fragen

Wie viele Originaltexte sollte eine Übergangsphase enthalten?
Weniger, als man vermutet. Fünf bis acht sorgfältig erschlossene kurze Passagen tragen mehr als zwanzig oberflächlich durchgegangene. Entscheidend ist, dass Lernende dieselben Erschließungsschritte mehrfach an unterschiedlichen Texten anwenden.

Woher weiß ich, welche Vorgaben für meinen Abiturjahrgang gelten?
Ausschließlich aus den jahrgangsbezogenen Veröffentlichungen der Standardsicherung NRW. Angaben aus Lehrwerken, Foren oder älteren Reihenplanungen sind kein Ersatz, weil Schwerpunkte fortgeschrieben werden.

Lässt sich Grammatikarbeit in der Lektürephase noch rechtfertigen?
Ja, wenn sie am Text ansetzt. Wiederholen Sie Konstruktionen dort, wo sie im gelesenen Autor gehäuft auftreten, und dokumentieren Sie diese Wiederholungen in der Reihenplanung als eigenständigen Baustein.

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Kasus, Kongruenz und Satzglieder – Un...Ansehen
Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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Häufige Fragen

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Direkt nach dem Kauf erhältst du eine Bestätigungs-E-Mail mit dem Download-Link. Zusätzlich liegen die Dateien dauerhaft in deinem Kundenkonto unter „Bestellungen" - ohne Ablaufdatum und ohne Downloadlimit.

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Die Einzellizenz gilt für eine Lehrkraft. Du darfst das Material ausdrucken und im eigenen Unterricht beliebig oft einsetzen. Die digitalen Dateien an andere Lehrkräfte weiterzugeben oder sie zu veröffentlichen, ist davon nicht gedeckt.

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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.

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