Klangfarben und Instrumentenkunde: Instrumente hören, erkennen und beschreiben
Instrumentenkunde ohne Auswendiglernen
Instrumentenkunde gehört zu den Themen, die in fast jedem Lehrplan der Sekundarstufe I stehen und trotzdem selten in Erinnerung bleiben. Der Grund ist meist die Methodik: Instrumente werden auf Arbeitsblättern abgebildet, benannt, einer Gruppe zugeordnet und abgefragt. Das erzeugt reproduzierbares Wissen, aber keine Hörkompetenz. Wenige Wochen später erkennt kaum jemand eine Oboe im Hörbeispiel.
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Die Alternative ist naheliegend, wird aber selten konsequent umgesetzt: Instrumentenkunde als Hörschulung anzulegen. Ausgangspunkt ist dann nicht das Bild, sondern der Klang. Die Lerngruppe hört zuerst, beschreibt dann, ordnet danach zu und erfährt zuletzt den Namen. Diese Reihenfolge kostet etwas mehr Zeit, verankert das Wissen aber an einer Wahrnehmung statt an einer Abbildung. Nebenbei entsteht Fachsprache, weil das Beschreiben von Klang ohne Begriffe nicht gelingt.
Die Bausteine: Orchester, Klangfarbe, eigene Experimente
Den systematischen Überblick über die Instrumentengruppen liefert das Material Musik im Orchester - die wichtigsten Instrumente. Es ordnet Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Schlagwerk, erklärt die jeweilige Tonerzeugung und stellt die Instrumente in ihrer Rolle im Orchesterklang vor. Damit ist die fachliche Basis gelegt, auf der Hörarbeit überhaupt erst sinnvoll wird.
Der zweite Baustein ist die Klangfarbe selbst. Warum klingt eine Klarinette anders als eine Flöte, obwohl beide denselben Ton spielen? Hier führt das Material Klangfarben entdecken von der Wahrnehmung zur Beschreibung und schließlich zur bewussten Gestaltung. Für bilingualen Unterricht oder Sprachförderung im Fach steht mit Discover Sound Colors eine englischsprachige Fassung derselben Konzeption bereit, die sich für CLIL-Sequenzen einsetzen lässt.
Der dritte Baustein ist die eigene Klangproduktion. Wer selbst versucht, mit Stimme, Alltagsgegenständen oder vorhandenen Instrumenten einen bestimmten Klangeindruck zu erzeugen, versteht Klangfarbe von innen. Das Material Musik mit Stimme und Instrumenten gestalten liefert dafür Gestaltungsaufgaben, die auch ohne ausgebauten Instrumentenbestand funktionieren.
Höraufgaben zur Instrumentenerkennung
Für die Hörarbeit haben sich gestufte Aufgaben bewährt. Am Anfang steht die Unterscheidung zweier deutlich verschiedener Instrumente, etwa Violine und Trompete. Danach folgt die Zuordnung innerhalb einer Gruppe, also beispielsweise Oboe gegen Klarinette, was deutlich schwieriger ist. Auf der dritten Stufe wird aus einem Ensembleklang ein einzelnes Instrument herausgehört, zunächst aus einem Trio, später aus dem vollen Orchester.
Hilfreich ist ein festes Beobachtungsraster: Tonerzeugung, Tonhöhenlage, Lautstärkeverhalten, Ein- und Ausschwingen, Beweglichkeit. Dieses Raster gibt Lernenden auch dann eine Beschreibung an die Hand, wenn sie den Namen nicht kennen. Es lässt sich unmittelbar an vorhandene Hörkompetenzen anschließen; wie diese systematisch aufgebaut werden, beschreibt der Beitrag zur Gehörbildung im Musikunterricht.
Fachsprache für Klangbeschreibung aufbauen
Klang zu beschreiben fällt schwer, weil die Alltagssprache kaum passende Wörter bereithält. Lernende greifen zu Adjektiven wie schön oder komisch, die nichts erklären. Ein Wortspeicher an der Wand hilft: hell und dunkel, weich und scharf, rau und rund, tragend und spitz. Ergänzend lohnt die Arbeit mit Gegensatzpaaren, weil Unterscheidungen leichter fallen als absolute Zuschreibungen.
Fachlich anspruchsvoller wird es, wenn die Klangfarbe als kompositorisches Mittel betrachtet wird. Dass Instrumentation eine gestalterische Entscheidung ist und nicht nur eine Besetzungsfrage, lässt sich am Impressionismus besonders gut zeigen; einen Zugang dazu bietet der Beitrag zu Debussys Klangfarbenrevolution. In der Oberstufe schließt daran die genaue Analyse von Instrumentationsverläufen an, etwa am Beispiel von Ravels Boléro; wie sich das unterrichten lässt, zeigt der Beitrag zu Ravels Boléro im Unterricht.
Material für die Jahrgänge 5 bis 9
Für die Planung hat sich eine Aufteilung über zwei Jahrgangsstufen bewährt: In Klasse 5 und 6 stehen Gruppenzuordnung, Tonerzeugung und erste Höraufgaben im Vordergrund, in Klasse 7 bis 9 die feinere Unterscheidung, die Fachsprache und die Funktion der Instrumentation. So bleibt das Thema präsent, ohne sich zu wiederholen.
Praktisch bewährt sich außerdem der Kontakt zu echten Instrumenten. Lernende, die selbst musizieren, bringen ihr Instrument mit und stellen es vor; das ist authentischer als jede Aufnahme und stärkt zugleich die Beteiligung. Einen gebündelten Überblick über passendes Material gibt die Themenseite Instrumentenkunde und Orchester.
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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