Frauenstimmrecht 1971: Demokratiegeschichte im Gymnasium unterrichten
Das Frauenstimmrecht auf Bundesebene wurde in der Schweiz am 7. Februar 1971 eingeführt, nach einer Abstimmung, an der nur Männer teilnehmen durften. Das macht das Thema für den Unterricht besonders: Die Mehrheit der Stimmberechtigten entschied über die politischen Rechte der Frauen. Die Einführung kam spät im internationalen Vergleich, und auf Kantonsebene dauerte es noch länger. Appenzell Innerrhoden führte das Stimmrecht in kantonalen Angelegenheiten erst 1990 ein, nachdem das Bundesgericht entschieden hatte. Dieser Beitrag zeigt, wie sich diese Geschichte am Gymnasium als Demokratiegeschichte erzählen lässt.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Welche Eckpunkte tragen die Unterrichtseinheit?
Halten Sie die Chronologie knapp. Der Bundesstaat von 1848 gründete auf dem Stimmrecht der Männer. Eine eidgenössische Abstimmung über das Frauenstimmrecht 1959 scheiterte, einzelne Westschweizer Kantone führten es danach auf kantonaler Ebene ein. 1971 folgte die Annahme auf Bundesebene, 1990 der Fall in Appenzell Innerrhoden. Prüfen Sie jede weitere Zahl, etwa Abstimmungsergebnisse, im Lehrmittel Ihres Kantons, bevor Sie sie im Unterricht verwenden. Notieren Sie die Daten an der Wandtafel und lassen Sie die Klasse Ursachen und Folgen zuordnen.
Welche Fragen führen über die Daten hinaus?
Gute Leitfragen sind: Warum stimmten Männer 1971 zu, nachdem sie 1959 abgelehnt hatten? Welche Argumente brachten Gegnerinnen und Gegner vor? Und was sagt es über eine Demokratie, wenn ein Teil der Bevölkerung nicht mitentscheiden darf? Die Fragen verbinden Sachurteil und Werturteil. Lassen Sie die Lernenden vor der Besprechung eine eigene Einschätzung notieren und nach der Quellenarbeit überprüfen. So wird sichtbar, ob sich ihre Sicht verändert hat und warum.
Mit welchen Quellen arbeitet man?
Abstimmungsplakate, Zeitungsartikel und Broschüren von 1959 und 1971 sind gut geeignet. Besonders ergiebig ist der Vergleich zweier Plakate mit gegensätzlichen Botschaften. Fragen Sie nach Bildsprache, Adressaten und Rollenbildern. Typische Schülerfehler sind, ein Plakat als Meinung aller Männer zu lesen oder die Argumente von damals mit heutigen Massstäben zu verurteilen. Sie lassen sich vermeiden, wenn die Klasse zuerst beschreibt und erst dann bewertet. Auch der Blick auf Frauenorganisationen und deren Kampagnen gehört dazu, damit die Frauen nicht nur als Objekte der Entscheidung erscheinen.
Als Ergänzung für die Gender-Perspektive dient das Emanzipation: Geschlechterbeziehungen im 20. Jahrhundert - Unterrichtsmaterial. Es stammt aus dem deutschen Sortiment, behandelt also deutsche Entwicklungen und nutzt deutsche Beispiele. Als Vergleich ist das fruchtbar, weil die Klasse sieht, dass die Schweiz einen eigenen Weg ging. Eine Hilfe für die Vorbereitung ist der Beitrag Unterrichtsvorbereitung Emanzipation.
Wie sieht ein möglicher Ablauf aus?
Ein Vorschlag für vier Lektionen zu 45 Minuten. In der ersten ordnet die Klasse die Daten und formuliert Fragen. In der zweiten analysiert sie zwei Plakate in Gruppen und stellt die Ergebnisse vor. In der dritten vergleicht sie 1848 und 1971 und diskutiert, wann eine Demokratie als vollständig gelten kann. In der vierten schreibt sie einen kurzen Text mit eigenem Urteil, den Sie nach einem Raster aus Sachwissen, Begründung und Sprache beurteilen. Für Zyklus 3 lässt sich die Einheit auf zwei Lektionen kürzen, mit einem Plakat und einer einfachen Chronologie.
Wie verbindet man 1971 mit der längeren Demokratiegeschichte?
Das Thema gewinnt, wenn die Klasse 1848 mit 1971 vergleicht. Wer durfte 1848 mitbestimmen, und wer nicht? Das Heft Die Märzforderungen 1848 – Demokratie und Freiheit in der Revolution (SEK I, Klasse 5 bis 9) zeigt die deutsche Revolution und ihre Forderungen. Das Material ist für Deutschland geschrieben, die Revolution von 1848 in der Schweiz verlief anders und führte zum Bundesstaat. Ergänzen Sie deshalb die Schweizer Verfassungsgeschichte. Mehr zum Thema bietet der Beitrag Märzforderungen 1848 im Unterricht.
Für die Frauenbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre hilft das Lernheft: Emanzipation, Frauenbewegung und 1968 | Feminismus. Auch dieses Heft stammt aus dem deutschen Sortiment, Sie ergänzen die Schweizer Ereignisse. Der Hintergrund zur Geschlechtergeschichte findet sich auf der Seite Frauen- und Geschlechtergeschichte im Geschichtsunterricht der Oberstufe, die aus deutscher Sicht geschrieben ist. Das Material ist nicht ministeriell geprüft und folgt keinem Schweizer Lehrplan.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit brauche ich?
Für eine Einheit am Gymnasium genügen drei bis vier Lektionen zu 45 Minuten: Chronologie, Quellenarbeit, Vergleich mit 1848 und eine Urteilsaufgabe. Passen Sie den Umfang an Ihre Stundentafel an.
Wie erkläre ich Appenzell Innerrhoden?
Bis 1990 verweigerte der Kanton Frauen das Stimmrecht in kantonalen Angelegenheiten. Erst ein Entscheid des Bundesgerichts änderte das. Der Fall zeigt das Spannungsfeld zwischen kantonaler Autonomie und Gleichberechtigung.
Darf ich deutsche Materialien verwenden?
Als Vergleich und Hintergrund ja. Die Schweizer Fakten ergänzen Sie aus Ihrem Lehrmittel oder aus Quellen Ihres Kantons.
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