Kunst· Sek II

Cindy Sherman im Kunstunterricht: Rollenbilder analysieren ohne Werkabdruck

von Luca 03.11.2026 1 Min. Lesezeit

Rollenbilder von Cindy Sherman lassen sich ohne Werkabdruck gut analysieren, wenn Sie Methode und Original trennen. Die Methode üben die Lernenden an einer beschriebenen Übungsszene, die Sie frei verwenden dürfen. Das Original zeigen Sie über die Online-Sammlung eines Museums, das das Werk besitzt. Entscheidend sind drei Begriffe: Film Still, Stereotyp und Zitat. Und eine Regel, die den ganzen Kurs trägt: Erst wird beschrieben, was zu sehen ist, dann wird gedeutet.

Film Still als Konzept, nicht als Filmbild

Ein Film Still ist im engeren Sinn ein Standbild, das zur Bewerbung eines Films entsteht. Sherman übernimmt dieses Bildmuster, aber ohne Film. Die Aufnahme behauptet einen Zusammenhang, den es nicht gibt. Genau darin liegt der Kern für den Unterricht: Die Lernenden sollen merken, dass sie selbst die fehlende Handlung ergänzen. Fragen Sie deshalb nicht zuerst nach der Geschichte, sondern danach, welche Bildmittel den Eindruck eines Filmmoments erzeugen. Bildausschnitt, Blickrichtung, Licht und Requisit sind dafür die üblichen Kandidaten.

Für die Klausur bedeutet das: Die Lernenden sollen das Bildmuster benennen und begründen, woran sie es erkennen. Eine Nacherzählung der vermuteten Filmhandlung bringt dagegen keine Punkte. Hilfreich ist zudem ein Vergleich mit einer dokumentarischen Aufnahme. Der Beitrag Dokument oder Konstruktion? Inszenierte Fotografie als Bildkonzept in der Oberstufe unterrichten zeigt, wie sich diese Unterscheidung im Kurs aufbauen lässt. Wer die Fotografie insgesamt noch einordnen möchte, findet Anregungen in Fotografie als Kunstform im Unterricht.

Stereotyp und Zitat auseinanderhalten

Shermans Figuren wirken vertraut, weil sie bekannte Rollenmuster aufrufen. Für die Analyse lohnt es sich, zwei Begriffe zu trennen. Ein Stereotyp ist ein vereinfachtes, verbreitetes Bild einer Personengruppe. Ein Zitat ist die erkennbare Übernahme eines bestimmten Bildmusters. Ein Bild kann ein Stereotyp zitieren, ohne es zu bestätigen. Die Frage an den Kurs lautet dann: Wird das Muster ernsthaft wiederholt, überzeichnet oder durch ein Detail gestört?

Diese Frage verhindert zwei typische Kurzschlüsse. Der erste hält das Bild für eine Bestätigung des Klischees. Der zweite erklärt jede Darstellung sofort zur Kritik. Beide Urteile brauchen Belege aus dem Bild, und die gibt es nur, wenn die Beschreibung vorher sauber war.

Bildangaben und Deutung in zwei Spalten

Die einfachste Methode ist eine Tabelle mit zwei Spalten. Links steht nur, was sichtbar ist: Haltung, Kleidung, Raum, Lichtrichtung, Bildausschnitt. Rechts stehen mögliche Deutungen, jeweils mit Verweis auf eine Angabe links. Was rechts keinen Anker hat, wird gestrichen. In der Reihe Cindy Sherman: Rollenbilder und fotografische Inszenierung ist das die erste Aufgabe zur Übungsszene M1. Die zweite Aufgabe verlangt zwei widersprüchliche Handlungshypothesen, die beide durch die Szene gestützt werden. Das zeigt den Lernenden, dass ein inszeniertes Bild bewusst offen bleibt.

  • Sichtbar: „Die Figur blickt aus dem Bild nach rechts.“
  • Gedeutet: „Sie erwartet jemanden.“
  • Anker: Blickrichtung, angespannte Haltung.

Werkzugang über Museumssammlungen und Urheberrecht

Shermans Werke sind urheberrechtlich geschützt. Ein Abdruck im Arbeitsheft oder auf einer Lernplattform ist deshalb nicht ohne Weiteres möglich. Die Reihe druckt sie bewusst nicht ab. Stattdessen nutzen Sie die Online-Sammlung eines Museums, das ein Werk Shermans besitzt, und zeigen es von dort im Unterricht. Prüfen Sie vorher Titel, Datierung und Bildangaben auf der Museumsseite. So arbeitet der Kurs mit einem verifizierten Werk und nicht mit einer zufälligen Kopie aus einer Bildersuche. Wie die Schule mit Vorführungen im Unterricht umgeht, klären Sie im Zweifel mit Ihrer Schulleitung.

Für einen Vergleich bietet sich Jeff Wall an, der ebenfalls inszeniert, aber mit anderen Mitteln. Dazu gibt es die Unterrichtsreihe zu Jeff Wall und das Material Jeff Wall: Fotografien. Einen Überblick über alle passenden Titel bietet die Kollektion Cindy Sherman und inszenierte Fotografie, den Ablauf der Sherman-Reihe beschreibt die Themenseite zu Cindy Sherman.

Häufige Fragen

Darf ich Shermans Werke im Unterricht zeigen?

Das Zeigen über die Online-Sammlung eines Museums ist der übliche Weg, weil Sie dabei nichts vervielfältigen. Kopien ins Arbeitsheft oder auf Lernplattformen sind heikler. Klären Sie im Zweifel die Regeln Ihrer Schule und verzichten Sie auf Bilder aus allgemeinen Bildersuchen.

Reicht eine beschriebene Szene für die Analyse?

Für das Üben der Methode ja. Die Trennung von Angabe und Deutung gelingt an einem Text oft klarer, weil die Lernenden nicht von der Bildwirkung abgelenkt werden. Das Original kommt ergänzend dazu und dient als Prüfstein für die erarbeiteten Begriffe.

Wie verhindere ich, dass die Analyse zur Nacherzählung wird?

Verlangen Sie für jede Deutung einen sichtbaren Anker im Bild. Deutungen ohne Anker werden gestrichen oder als offene Vermutung markiert. Diese Regel gilt auch in der Klausur.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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