Die Moldau von Bedřich Smetana
Hörreise entlang der Stationen des Flusses mit Aufgaben zum Beschreiben und Gestalten.
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Musik · Programmmusik & Symphonik · Klasse 5–12
Unterrichtsmaterial zu Musik, die außermusikalische Inhalte erzählt. Sie erhalten Reihen zu Smetanas Moldau, zu Ravels Boléro und zu Mahlers Symphonik sowie Material zum Verhältnis von Musik, Sprache und Bild – mit Höraufträgen, Arbeitsblättern und Lösungen für die Sekundarstufe I und II.
Kurz gesagt: Programmmusik ist Instrumentalmusik, die einen außermusikalischen Inhalt darstellt – eine Landschaft, eine Erzählung, eine Stimmung – und ihn durch musikalische Mittel hörbar macht. Smetanas Moldau eignet sich für den Einstieg ab Klasse 5, Ravels Boléro zeigt Instrumentation und Steigerung in reiner Form, und Mahlers Symphonik führt in der Oberstufe zur Frage, wie weit ein Programm die Deutung eines Werkes bestimmen darf.
Instrumentalmusik ohne Text stellt Lerngruppen vor ein Problem: Es fehlt der Haltegriff, an dem sich das Gehörte festmachen lässt. Programmmusik liefert genau diesen Haltegriff, weil sie eine Vorstellung mitliefert. Wenn eine Flöte in schnellen Figuren einsetzt und daraus allmählich ein breiter Strom wird, können auch ungeübte Hörerinnen und Hörer beschreiben, was geschieht – und dabei ganz nebenbei Instrumentierung, Dynamik und Motiventwicklung benennen. Der Weg führt also von der Vorstellung zur Fachsprache, nicht umgekehrt.
Zugleich enthält das Thema eine ästhetische Grundfrage, die bis in die Oberstufe trägt: Wie genau kann Musik überhaupt etwas darstellen? Die Antwort ist an keiner Stelle eindeutig, denn ein aufsteigender Lauf ist nicht von Natur aus ein Fluss – er wird es erst durch die Überschrift und durch die Hörgewohnheit. Wer das erkennt, unterscheidet sicher zwischen der Beobachtung am Klang und der Deutung. Das ist die Kernkompetenz jeder Musikanalyse, und Programmmusik ist der Gegenstand, an dem sie sich am anschaulichsten erarbeiten lässt.
Die folgenden Reihen decken den Bogen von der Hörreise in Klasse 5 bis zur Werkinterpretation in der Oberstufe ab.
Hörreise entlang der Stationen des Flusses mit Aufgaben zum Beschreiben und Gestalten.
Ein Thema, viele Klangfarben: Instrumentation und Steigerung als Analysegegenstand.
Führt in die große symphonische Form und in Mahlers Umgang mit Programmen ein.
Ordnet Programmmusik in das größere Feld der Verbindung von Musik und Bedeutung ein.
Bündelt drei Reihen zur romantischen Symphonik und zur programmatischen Idee.
Für den Einstieg in Klasse 5 bis 7 empfiehlt sich das Hören ohne Vorwissen: Die Lerngruppe hört einen Ausschnitt der Moldau und notiert oder zeichnet, was sie sich dabei vorstellt. Erst danach wird der Titel genannt und die Vorstellungen werden mit den Stationen des Werkes verglichen – zwei Quellen, Waldjagd, Bauernhochzeit, nächtlicher Reigen, Stromschnellen. Wichtig ist die anschließende Rückfrage: Woran genau lag es, dass die Jagd als Jagd erkennbar war? Über diese Frage kommen Hörner, Signalmotive und Rhythmus als Fachbegriffe ins Spiel, ohne dass sie vorab erklärt werden müssten.
In Klasse 8 und 9 verschiebt sich der Schwerpunkt auf die musikalischen Mittel selbst. Ravels Boléro ist dafür ein Glücksfall, weil das Thema unverändert bleibt und sich ausschließlich Instrumentation und Lautstärke entwickeln: Die Lerngruppe verfolgt in einer Hörtabelle, welches Instrument jeweils die Melodie übernimmt, und beschreibt die Wirkung des unveränderten Ostinatos. In der Oberstufe schließt die Arbeit an Mahlers Symphonik an, verbunden mit der Frage, warum Mahler die Programme zu seinen frühen Symphonien später zurückzog. Damit wird die Auseinandersetzung zwischen Programmmusik und absoluter Musik zum eigenen Unterrichtsgegenstand.
| Stufe | Einsatz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Klasse 5–7 | Die Moldau als Hörreise | Hören, beschreiben und die Stationen des Werkes zuordnen |
| Klasse 8/9 | Instrumentation und Steigerung | Klangfarben, Dynamik und Formverlauf analysieren |
| Sek II | Symphonik und Programmatik | Werke interpretieren und die Rolle des Programms beurteilen |
Hörerfahrungen lassen sich ohne Niveaugruppen differenzieren, wenn die Aufgabenform variiert: Die einen ordnen vorgegebene Bildkarten der richtigen Reihenfolge zu, die anderen schreiben ein zusammenhängendes Hörprotokoll mit Fachbegriffen. Bei längeren Werken hilft es, die Ausschnitte zu portionieren und den Hörauftrag jeweils auf eine einzige Beobachtungsdimension zu beschränken – erst Instrumente, dann Lautstärke, dann Melodieverlauf. Kreative Anschlussaufgaben wie eine eigene kleine Klanggeschichte funktionieren in jeder Lerngruppe, weil sie kein Notenlesen voraussetzen.
Zur Bewertung eignen sich ein Hörprotokoll zu einem unbekannten Ausschnitt, eine schriftliche Werkbeschreibung mit Bezug auf konkrete Stellen und – in der Oberstufe – eine begründete Stellungnahme zur Frage, ob ein Programm das Verständnis eines Werkes erweitert oder einengt. Bei kreativen Produkten sollten die Kriterien vorab feststehen: nachvollziehbarer Bezug zur Vorlage, bewusster Einsatz musikalischer Mittel, Begründung der eigenen Entscheidungen. So bleibt die Bewertung auch bei gestaltenden Aufgaben transparent.
Programmmusik gehört in der Sekundarstufe I zum Bereich „Musik und außermusikalische Bezüge“, der in allen Ländern vorgesehen ist; die Moldau ist dabei eines der am häufigsten genannten Einzelwerke. In der Sekundarstufe II erscheint das Thema im Zusammenhang mit der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, häufig verbunden mit der Gattungsgeschichte der Symphonie und der symphonischen Dichtung. Die Reihen dieser Seite lassen sich daher sowohl als abgeschlossene Einheit als auch als Baustein einer größeren Epochenreihe einsetzen.
Musikgeschichtlich steht die Programmmusik im Zentrum einer Debatte des 19. Jahrhunderts: Auf der einen Seite Komponisten, die Musik mit außermusikalischen Inhalten verbanden – Berlioz mit der wiederkehrenden Grundidee seiner Symphonie fantastique, Liszt mit der symphonischen Dichtung, Smetana mit dem Zyklus über sein Heimatland; auf der anderen Seite die Position, Musik solle allein aus sich heraus verstanden werden. Diese Kontroverse eignet sich in der Oberstufe hervorragend als Streitgespräch, weil beide Seiten mit Notenbeispielen belegt werden können.
Musik über Musik – Zitate & Sampling
Musiktheater: Orpheus und EurydikeProgrammmusik ist Instrumentalmusik, die einen außermusikalischen Inhalt darstellen will – etwa eine Landschaft, eine Geschichte oder eine Person. Der Inhalt wird meist durch einen Titel oder einen begleitenden Text angegeben; das Gegenstück ist die absolute Musik, die ohne solche Bezüge verstanden werden soll.
Für Klasse 5 bis 7 ist Smetanas Moldau der bewährte Einstieg, weil ihre Stationen klar unterscheidbar sind. Ravels Boléro passt gut ab Klasse 8, da er Instrumentation und Steigerung isoliert vorführt. Mahlers Symphonien und die romantische Programmsymphonik gehören in die Oberstufe, wo auch die ästhetische Debatte geführt werden kann.
Bewährt sind eigene Klanggeschichten mit dem vorhandenen Instrumentarium, grafische Notationen zu einem Ausschnitt oder ein Bild-Hör-Vergleich, bei dem die Lerngruppe ihre Vorstellung zeichnet und anschließend begründet. Entscheidend ist, dass die Lernenden ihre musikalischen Entscheidungen erklären – so bleibt die Aufgabe fachlich gehaltvoll.
Zu den Aufgaben gehören Lösungen beziehungsweise Erwartungshorizonte, bei Höraufgaben in Form von Musterbeschreibungen mit den entscheidenden Beobachtungen. Da Höreindrücke unterschiedlich formuliert werden, sind sie als Orientierung angelegt und lassen Raum für abweichende, aber begründete Antworten.
Nein. Die Reihen arbeiten überwiegend mit Höraufträgen, Hörtabellen und beschreibenden Aufgaben; Notenbeispiele dienen der Veranschaulichung und werden erklärt. In der Oberstufe lassen sich die Analysen vertiefen, wenn die Lerngruppe Partiturausschnitte lesen kann, notwendig ist das aber nicht.
Ja. Die Moldau bietet Anknüpfungspunkte zu Geographie und Geschichte Mitteleuropas, die programmatische Symphonik zum Deutschunterricht, wenn es um erzählende Strukturen geht, und der Boléro zum Fach Kunst über die Frage der Wiederholung als Gestaltungsprinzip.