Unterrichtsreihe Jeff Wall - Fotografien: die Doppelstunden im Überblick
Eine Unterrichtsreihe zu Jeff Wall trägt sechs Doppelstunden: Leuchtkasten und Bildformat, Inszenierung gegen Dokument, Bildzitat, digitale Montage, eigene fotografische Inszenierung, Präsentation mit Werkkommentar. Die Reihenfolge folgt der Materialität des Werks — erst das Medium, dann die Fiktion, dann die kunsthistorische Bezugnahme. Wer umstellt, verliert das Vokabular für die Praxisphase.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Warum die Reihe beim Leuchtkasten beginnt und nicht beim Motiv
Walls Arbeiten sind Großdiapositive in Leuchtkästen. Sie leuchten von innen, hängen wandfüllend und zitieren mit Format und Frontalität die Historienmalerei, mit dem Trägermedium dagegen die Werbefläche im Stadtraum. Wer das nicht zuerst klärt, bekommt in jeder Folgestunde Beiträge über das Motiv und keine über das Bild. Die erste Doppelstunde arbeitet deshalb an Format, Leuchtdichte und Betrachterabstand, bevor überhaupt eine Deutung verlangt wird.
Das ist auch ein didaktisches Argument gegen die naheliegende Alternative, mit einer starken Erzählung wie „Mimic“ von 1982 einzusteigen. Die Straßenszene mit der rassistischen Geste wirkt sofort, und genau deshalb reden Kurse darüber, als sei sie fotografiert worden, wie man einen Vorfall fotografiert. Die Materialien zu Jeff Walls Fotografien setzen die Medienfrage bewusst nach vorn. Die Diskussion um Authentizität wird dadurch später überhaupt erst produktiv.
Inszenierung kommt vor dem Bildzitat
Die zweite Doppelstunde führt Walls Begriff des „near documentary“ ein: Szenen, die einer Beobachtung entstammen, aber mit Darstellern, Vorbereitung und wiederholten Aufnahmen rekonstruiert werden. Der Kurs braucht diesen Zwischenbegriff, weil Schülerinnen sonst binär urteilen — echt oder gestellt — und die Kategorie der Rekonstruktion gar nicht zur Verfügung haben. Erst danach lohnt sich der Blick auf die kunsthistorischen Bezüge.
Denn „Picture for Women“ von 1979 bezieht sich auf Manets „Bar in den Folies-Bergère“, „The Destroyed Room“ auf Delacroix' „Tod des Sardanapal“. Kommt dieser Strang zu früh, lesen Kurse das Zitat als Illustration einer Vorlage und nicht als Verschiebung. Die Anordnung der Dinge im Bildraum lässt sich dabei an der Reihe zu Stillleben in verschiedenen Abstraktionsgraden gegenprüfen. Kommt der Zitatstrang nach der Inszenierungsstunde, verbindet er sich mit allem, was der Kurs über Vorbereitung und Anordnung bereits weiß.
Die Montagestunde gehört in die zweite Hälfte
„A Sudden Gust of Wind (after Hokusai)“ von 1993 ist aus zahlreichen Einzelaufnahmen digital zusammengesetzt; „Dead Troops Talk“ von 1992 entstand vollständig im Atelier. Beide Arbeiten eignen sich als Höhepunkt der Reihe, weil sie Medium, Inszenierung und Zitat gleichzeitig verhandeln. Setzt man sie an den Anfang, kippt das Gespräch in eine Technikdebatte über Bildbearbeitung, die vom Werk wegführt.
In der Sequenzlogik einer Unterrichtsreihe ist das der Punkt, an dem sich Rezeption und Produktion treffen. Der Kurs kann jetzt begründen, warum eine Montage kein Betrug ist, sondern eine Herstellungsweise mit eigener Wahrheitsbeziehung. Der Aufbau von Reihen nach Länge und Sequenz beschreibt diese Stelle als Kippstelle: Danach ändert sich der Arbeitsmodus, vorher wäre der Wechsel verfrüht.
Die Praxisphase braucht das fertige Vokabular
Erst in der fünften Doppelstunde inszenieren die Schülerinnen selbst — mit Smartphone, festem Standpunkt, geplanter Anordnung und mindestens zehn Aufnahmen derselben Szene. Der Auftrag ist eng zu fassen: eine alltägliche Situation, ein kunsthistorischer Bezug, ein begründeter Bildausschnitt. Ohne die vorangegangenen Begriffe entsteht hier Straßenfotografie mit Filter, und die Reihe verliert ihren Ertrag.
Typisch ist an dieser Stelle der Fehler, dass Gruppen die Szene einmal aufnehmen und für fertig halten. Ein verbindlicher Zwischenstand nach der Hälfte der Zeit — Kontaktbogen mit allen Aufnahmen, drei Sätze zur Auswahl — verhindert das. Kolleginnen, die fachfremd unterrichten, finden im Beitrag zum fachfremden Einstieg in das Fach Kunst die Grundlagen, die für diese Betreuung ausreichen.
Was sich verschieben lässt und was nicht
Verschiebbar sind in dieser Unterrichtsreihe die Präsentationsstunde und der Umfang des Bildzitat-Blocks; beides lässt sich strecken oder auf eine Doppelstunde eindampfen. Nicht verschiebbar ist die Reihenfolge Medium, Inszenierung, Zitat, Montage. Wird die Reihe auf vier Doppelstunden gekürzt, entfällt die Präsentation, und der Werkkommentar wandert in die Hausaufgabe. Welche Sequenzen im Fach überhaupt tragfähig sind, ordnet die Übersicht zu Sequenzen im Kunstunterricht der Sek I und Sek II nach Jahrgangsstufen.
Für die Bewertung am Reihenende bewährt sich die Kombination aus fotografischer Arbeit und schriftlichem Kommentar, weil sie die Begriffe der ersten Stunden abruft; die Systematik dazu steht im Beitrag zum Leistungskonzept für die Kunst-Oberstufe. In der Aufgabensammlung zu Walls Fotografien liegen die Erwartungshorizonte für beide Wege bereits vor und lassen sich an die eigene Kursgröße anpassen. Wie sich ein solcher Bogen in eine Werkstattstruktur übersetzen lässt, zeigt die Darstellung zur Planung von Unterrichtsvorhaben in Werkstätten.
Häufige Fragen
Reichen vier Doppelstunden für Jeff Wall aus?
Ja, wenn Sie die Praxisphase auf eine Doppelstunde begrenzen und die Präsentation streichen. Die vier verbleibenden Blöcke sind Medium und Format, Inszenierung, Bildzitat und Montage. Unter vier Doppelstunden bleibt entweder das Medium ungeklärt oder das Bildzitat wird zur Aufzählung von Vorbildern ohne analytischen Ertrag.
Muss der Kurs die kunsthistorischen Vorlagen kennen?
Er muss sie sehen können. Manets „Bar in den Folies-Bergère“ und Delacroix' „Tod des Sardanapal“ gehören als Abbildung auf das Arbeitsblatt, mit knapper Datierung. Vorwissen ist keine Voraussetzung, weil die Verschiebung zwischen Vorlage und Neufassung sich am Bildvergleich zeigen lässt und nicht am kunsthistorischen Hintergrundwissen.
Wie geht man mit dem Einwand um, die Bilder seien gestellt?
Nehmen Sie den Einwand als Arbeitsauftrag. Lassen Sie belegen, woran man die Inszenierung im Bild erkennt: Blickachsen, Licht, Anordnung, Schärfeverteilung. Anschließend die Gegenfrage, was ein unmittelbar aufgenommenes Foto derselben Situation zeigen würde. Damit wird aus einer Abwertung eine Analyse der fotografischen Mittel.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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Eine vollständige Reihe enthält in der Regel:
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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