Psychologie· Sek II

Stressmodell nach Lazarus im Unterricht: Bewertung, Coping und Praxisbezug

von Luca 17.08.2026 1 Min. Lesezeit

Warum Stress subjektiv ist

Zwei Personen stehen vor derselben Klausur. Die eine schläft schlecht, hat Herzklopfen und rechnet mit dem Schlimmsten; die andere ist angespannt, aber zuversichtlich. Wäre Stress allein eine Frage der äußeren Belastung, dürfte es diesen Unterschied nicht geben. Genau hier setzt das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus an: Stress entsteht nicht durch die Situation selbst, sondern durch das Verhältnis zwischen der Situation und den wahrgenommenen eigenen Möglichkeiten.

Für den Unterricht ist dieser Ausgangspunkt ideal, weil er sofort erfahrbar ist. Beginnen Sie mit einer kurzen Sammlung: Welche Situationen empfinden verschiedene Lernende als belastend, welche nicht? Die Streuung der Antworten ist die beste Hinführung zum Modell.

Primäre und sekundäre Bewertung

Lazarus unterscheidet zwei Bewertungsschritte. In der primären Bewertung wird eingeschätzt, was eine Situation für einen selbst bedeutet: irrelevant, angenehm oder stressbezogen. Der stressbezogene Fall zerfällt weiter in Schädigung beziehungsweise Verlust, wenn bereits etwas eingetreten ist, Bedrohung mit Blick auf mögliche künftige Schäden und Herausforderung, wenn die Situation zwar fordert, aber auch Gewinn verspricht.

In der sekundären Bewertung prüft die Person ihre Ressourcen: Wissen, Zeit, Unterstützung, frühere Erfahrungen. Erst aus dem Zusammenspiel beider Bewertungen ergibt sich das Stresserleben. Wichtig ist außerdem die Neubewertung: Bewertungen sind nicht endgültig, sondern werden im Verlauf laufend angepasst – der Punkt, an dem das Modell praktisch anschlussfähig wird.

Die Unterrichtsreihe zum Stressmodell nach Lazarus stellt die Materialien für diese Erarbeitung bereit und führt die Schritte in nachvollziehbarer Reihenfolge ein.

Achten Sie darauf, die Reihenfolge nicht als starren Ablauf darzustellen. Primäre und sekundäre Bewertung laufen nicht streng nacheinander ab, sondern greifen ineinander; die Nummerierung bezeichnet die Art der Frage, nicht den zeitlichen Ablauf. Dieser Hinweis erspart Missverständnisse, die sonst regelmäßig in Klausurantworten auftauchen.

Copingstrategien unterscheiden

Auf die Bewertung folgt die Bewältigung. Lazarus unterscheidet grundlegend zwischen problemorientiertem Coping, das an der Situation selbst ansetzt, und emotionsorientiertem Coping, das die eigene Gefühlslage reguliert. Beide sind legitim – entscheidend ist die Passung: Ist die Situation veränderbar, hilft problemorientiertes Vorgehen; ist sie es nicht, ist Emotionsregulation die angemessenere Antwort.

Lassen Sie Ihre Lernenden eigene Strategien sammeln und zuordnen. Regelmäßig zeigt sich, dass emotionsorientierte Strategien überwiegen und dass einige davon – etwa Ablenkung über Nacht – kurzfristig entlasten und langfristig verschärfen. Diese Unterscheidung zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristiger Wirkung ist der eigentliche Ertrag der Stunde. Wo Belastung in klinisch relevante Erscheinungsbilder übergeht, behandelt der Beitrag zu psychischen Störungen mit Klassifikation sowie Angst- und Zwangsstörungen.

Erwähnenswert ist außerdem die soziale Unterstützung als eigene Ressource. Wer weiß, an wen er sich wenden kann, bewertet dieselbe Anforderung anders. Damit lässt sich das Modell auf die Klassengemeinschaft beziehen, ohne dass es privat wird.

Anwendung auf Prüfungssituationen

Der naheliegendste Anwendungsfall ist die Prüfung. Lernende können ihre eigene Bewertung rekonstruieren: Welche Gedanken gehen der Anspannung voraus, welche Ressourcen werden übersehen, wo ließe sich eine Bedrohung als Herausforderung fassen? Wichtig ist, dass die Umdeutung nicht als Beschönigung auftritt – eine unvorbereitete Prüfung wird durch Neubewertung nicht leichter.

Für die selbstständige Arbeit eignet sich das Schülerheft zum Stressmodell nach Lazarus, das die Begriffe mit Aufgaben verbindet. Wie sich Prüfungsangst konkret bearbeiten lässt, beschreibt der Beitrag zur Prüfungsangst vor dem Abitur.

Als Sicherung eignet sich eine schriftliche Fallanalyse: eine kurz beschriebene Situation, dazu die Aufgabe, primäre und sekundäre Bewertung zu benennen und eine passende Bewältigungsstrategie zu begründen. Diese Aufgabenform entspricht typischen Klausuranforderungen und zeigt zugleich, ob das Modell verstanden oder nur auswendig gelernt wurde.

Schülerheft und Reihenmaterial

Erweitern lässt sich die Reihe in zwei Richtungen. Gesellschaftlich schließt das Material Stress, Leistung und Selbstoptimierung an und fragt nach den Bedingungen, unter denen Belastung entsteht. Biologisch ergänzt die Unterrichtskonzeption zur Stressbiologie die körperlichen Reaktionswege und eignet sich für fächerverbindendes Arbeiten mit der Biologie.

Für die Einordnung in die Kursplanung lohnt der Beitrag zum Psychologieunterricht nach Lehrplan. Einen Überblick über das Material der Oberstufe finden Sie auf der Themenseite Psychologie in der Oberstufe. Als eigenes Kursthema schließt daran der Beitrag zu Therapieverfahren im Psychologieunterricht an, der Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und Gesprächsverfahren unterscheidet.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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