Fächerübergreifend· Sek I

Medienerziehung und Identitätsentwicklung: für die Digitale Grundbildung nutzen

von Luca 19.09.2026 1 Min. Lesezeit
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Medienerziehung und Identitätsentwicklung lassen sich in zwei Wissensarten trennen: Anwendungswissen zeigt konkrete Handlungsschritte im Umgang mit sozialen Netzwerken, Konzeptwissen erklärt, warum Mediennutzung die Identitätsentwicklung Jugendlicher überhaupt beeinflusst, und beide Ebenen sollten im Unterricht bewusst unterschieden und nicht unreflektiert oder beiläufig miteinander vermischt werden. Ein bewusster Wechsel zwischen beiden Ebenen verhindert, dass eine davon im Unterricht untergeht.

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Zwei Ebenen in einem Thema

Medienerziehung wird im Unterricht häufig auf praktische Handlungsanleitungen reduziert: Welche Einstellungen schützen die Privatsphäre, wie erkennt man einen unseriösen Account, was tun bei unangenehmen Nachrichten. Dieses Anwendungswissen ist wichtig, deckt aber nur einen Teil des Themas ab. Die zweite Ebene, das Konzeptwissen, fragt danach, warum Mediennutzung überhaupt Einfluss auf die Identitätsentwicklung Jugendlicher hat.

Die Unterrichtsreihe zu Medienerziehung und Identitätsentwicklung Jugendlicher deckt beide Ebenen ab, funktioniert aber besser, wenn eine Lehrperson vorab entscheidet, welche der beiden im konkreten Unterricht im Vordergrund stehen soll.

Anwendungswissen: konkret und schnell umsetzbar

Anwendungswissen lässt sich gut in einzelnen Einheiten vermitteln, weil es an konkreten Handlungen ansetzt. Eine Schülerin oder ein Schüler kann direkt im Anschluss an die Stunde Einstellungen überprüfen oder eine Situation anders einschätzen als vorher. Dieser unmittelbare Nutzen macht Anwendungswissen für den Einstieg in das Thema besonders geeignet, auch in einer einzelnen Einheit ohne längere Vorbereitung.

Der Nachteil liegt darin, dass sich Anwendungswissen schnell veraltet, weil sich Plattformen und ihre Funktionen laufend verändern. Wer nur auf dieser Ebene bleibt, muss Material regelmäßig aktualisieren, sonst wirkt eine Einheit schon nach kurzer Zeit veraltet und wenig glaubwürdig.

Konzeptwissen: langlebiger, aber abstrakter

Konzeptwissen bleibt länger gültig, weil es nicht an eine konkrete Plattform gebunden ist. Fragen danach, wie soziale Vergleiche über Medien die Selbstwahrnehmung beeinflussen oder warum Anerkennung online eine andere Wirkung entfaltet als im direkten Kontakt, betreffen die Identitätsentwicklung unabhängig davon, welche Anwendung gerade verbreitet ist.

Die Reihe zu Medienbildung und Medienkompetenz lässt sich als Ergänzung nutzen, um Konzeptwissen mit einer breiteren Perspektive auf Medienkompetenz insgesamt zu verbinden, statt es ausschließlich auf Identitätsentwicklung zu beziehen.

Beide Ebenen im Unterricht verbinden

Ein sinnvoller Aufbau beginnt oft mit Anwendungswissen als Einstieg und führt danach zum Konzeptwissen, das erklärt, warum die zuvor besprochenen Handlungen überhaupt sinnvoll sind. Diese Reihenfolge funktioniert besser als der umgekehrte Weg, weil Jugendliche konkrete Beispiele meist leichter zugänglich finden als abstrakte Erklärungen.

Ergänzend zeigt der Beitrag zu Vertretungsstunden in der Sekundarstufe I und einem Notfallpool ohne Einarbeitung, wie sich einzelne Bausteine des Themas auch spontan einsetzen lassen, während der Beitrag zu Zeugnisnoten und ihrer Zusammensetzung den organisatorischen Rahmen der Beurteilung erklärt.

Wie sich die Trennung in der Praxis bewährt

Wer die Unterrichtsreihe zu Medienerziehung und Identitätsentwicklung Jugendlicher zum ersten Mal einsetzt, sollte vorab kurz notieren, welche Einheiten reines Anwendungswissen vermitteln und welche auf Konzeptwissen zielen. Diese einfache Markierung hilft, den roten Faden über mehrere Wochen hinweg beizubehalten, statt beide Ebenen im laufenden Unterricht ungeplant zu vermischen.

Am Ende einer Einheit lohnt sich ein kurzer Rückblick, der beide Ebenen noch einmal benennt: Was wurde konkret geübt, und welches grundsätzliche Verständnis steckt dahinter. Dieser Abschluss macht für die Klasse sichtbar, dass es neben einzelnen Handlungsschritten auch um ein tieferes Verständnis der eigenen Mediennutzung geht. Eine Übersicht über den eigenen Pflichtgegenstand bietet die Pillar-Seite zur Digitalen Grundbildung als eigenem Gegenstand neben dem Fachunterricht, gebündelt auf der Übersichtsseite zu Unterrichtsmaterial für Österreich nach Lehrplan 2023.

Eine kurze schriftliche Notiz am Ende jeder Einheit, welche der beiden Ebenen gerade im Vordergrund stand, hilft auch dabei, über ein Semester hinweg den Überblick zu behalten. So lässt sich am Ende feststellen, ob eine der beiden Ebenen unbeabsichtigt zu kurz gekommen ist und in einer späteren Einheit nachgeholt werden sollte.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Anwendungswissen und Konzeptwissen bei Medienerziehung?

Anwendungswissen zeigt konkrete Handlungsschritte, etwa Privatsphäre-Einstellungen oder den Umgang mit unseriösen Accounts. Konzeptwissen erklärt dagegen, warum Mediennutzung die Identitätsentwicklung Jugendlicher überhaupt beeinflusst, etwa über soziale Vergleiche oder Anerkennung. Beide Ebenen ergänzen sich, sollten aber im Unterricht bewusst unterschieden und benannt werden. Wird das übersehen, wirkt der Unterricht schnell unvollständig oder beliebig.

Welche Ebene eignet sich besser für einen kurzen Einstieg?

Anwendungswissen, weil es an konkreten Handlungen ansetzt und sich direkt umsetzen lässt. Eine einzelne Einheit reicht oft aus, um eine praktische Einstellung oder einen Umgang mit einer Situation zu vermitteln, während Konzeptwissen mehr Zeit für Erklärung und Diskussion braucht, bevor es wirklich verstanden wird.

Warum veraltet Anwendungswissen schneller als Konzeptwissen?

Weil es an konkrete Plattformen und deren Funktionen gebunden ist, die sich laufend verändern. Konzeptwissen bleibt stabiler, weil es grundsätzliche Mechanismen wie soziale Vergleiche oder Anerkennung betrifft, die unabhängig davon gelten, welche Anwendung gerade bei Jugendlichen verbreitet ist und wie lange sie tatsächlich genutzt wird.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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