Latein in Baden-Württemberg: Bildungsplan und Oberstufenlektüre planen
Kurz gefasst: Eine Oberstufenlektüre in Baden-Württemberg planen Sie am besten über alle vier Halbjahre hinweg statt halbjahresweise. Legen Sie zuerst fest, welche Textsorten und Denkbewegungen die Lerngruppe bis zum Abitur beherrschen soll – politische Rede, philosophischer Brief, Epos, Erzähldichtung – und ordnen Sie diesen Sorten dann Autoren zu, statt umgekehrt. Die verbindlichen Vorgaben des Bildungsplans und die jahrgangsbezogenen Hinweise entnehmen Sie den Veröffentlichungen des ZSL Baden-Württemberg. Der folgende Aufbau zeigt, wie Sie innerhalb dieses Rahmens eine stimmige Abfolge bauen.
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Von der Textsorte zum Autor
Wer die Lektüre nach Autoren plant, endet oft bei einer Sammlung guter Einzeleinheiten ohne inneren Zusammenhang. Wer nach Textsorten plant, erhält eine Progression: Lernende erschließen zuerst argumentierende Prosa, dann reflektierende Prosa, schließlich Dichtung mit ihren eigenen Regeln. Jede Stufe bringt eine neue Anforderung mit, die sich benennen und üben lässt.
Eine praktikable Reihenfolge für vier Halbjahre kann so aussehen:
- Politische Rede: Wirkungsabsicht, Adressatenbezug, rhetorische Mittel als Argumentmittel.
- Philosophischer Brief: Gedankengang rekonstruieren, Begriffe klären, Position beurteilen.
- Epos: Erzählperspektive, Figurenzeichnung, Metrum als Bedeutungsträger.
- Erzähldichtung oder Wiederholungsphase mit Blick auf die Prüfung.
Zu dieser Abfolge passen Cicero: In Catilinam für die Rede, Seneca: Epistulae morales für den Brief und Vergil: Aeneis für das Epos. Für die vierte Position bietet sich Ovid: Metamorphosen an, weil sich hier Motive der vorangegangenen Einheiten wieder aufgreifen lassen. Einen Überblick über die Reihen gibt die Seite Latein-Lektüre für die Sek II; die vollständige Auswahl liegt in der Kollektion Latein-Lektüre Sek II.
Den Übergang aus der Sek I mitplanen
Die Oberstufenplanung beginnt faktisch im letzten Jahr der Sekundarstufe I. Wenn dort bereits eine kurze Originallektüre gelesen wurde, startet der erste Kurshalbjahresabschnitt auf gesicherter Grundlage. Sinnvoll ist eine Verabredung in der Fachschaft, welcher Autor am Ende der Sek I gelesen wird und welche Erschließungsverfahren dort verbindlich eingeführt sind. Häufig eignet sich dafür Caesar: De bello Gallico, weil Satzbau und Wortschatz kalkulierbar bleiben und der Text zugleich Anlass zur kritischen Prüfung von Selbstdarstellung gibt.
Sprachliche Grundlage nicht abreißen lassen
In der Oberstufe verschwindet die systematische Spracharbeit häufig aus der Planung, obwohl gerade dort die Übersetzungsleistung bewertet wird. Sinnvoll ist eine kurze, feste Wiederholungsschiene: etwa zwanzig Minuten pro Woche, angebunden an den gelesenen Autor. Wenn Seneca gelesen wird, wiederholen Sie Konjunktivfunktionen; bei Vergil rücken Wortstellung und Partizipialkonstruktionen in den Vordergrund. Materialien wie Lateinische Texte übersetzen und interpretieren lassen sich dafür in Einzelbausteine zerlegen.
Für die Interpretationsanteile braucht die Lerngruppe ein belastbares Instrumentarium. Stilmittel sollten nicht als Vokabelliste abgefragt, sondern als Beobachtungswerkzeug eingesetzt werden; entsprechende Übungen bietet Stilmittel, Rhetorik und Metrik für die Klassen 9 bis 13.
Klausuren mit der Reihe verzahnen
Jede Klausur sollte einen erkennbaren Bezug zu der Anforderung haben, die in der jeweiligen Einheit neu war. Nach der Reden-Einheit prüfen Sie Wirkungsabsicht, nach der Brief-Einheit Gedankenführung, nach der Epos-Einheit auch metrische Beobachtung. Halten Sie die Erwartungshorizonte so, dass Lernende sie nach der Rückgabe für die nächste Klausur nutzen können. Wie eine Fachschaft die Kriterien für die sonstige Mitarbeit nach dem Bildungsplan transparent macht, zeigt der Beitrag zur Leistungsbewertung im Fach Kunst in Baden-Württemberg, dessen Raster sich auf Latein anpassen lässt. Wie eine moderne Fremdsprache dieselbe Brücke von Bildungsplan zu Oberstufenplanung schlägt, beschreibt der Artikel zu Spanisch nach dem Bildungsplan in Baden-Württemberg.
Absprachen in der Fachschaft
Da Kurse häufig zusammengelegt werden und Lehrkräfte wechseln, lohnt eine schriftliche Verabredung, welche Textsorte in welchem Halbjahr liegt und welche Erschließungsverfahren als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Zwei Seiten genügen. Ergänzen Sie sie um eine kurze Liste der Begriffe, die alle Kurse einheitlich verwenden – das erspart in der Prüfungsvorbereitung viel Nacharbeit. Halten Sie zusätzlich fest, welche Hilfsmittel in Klausuren zugelassen sind und wie das Wörterbuch eingeführt wurde, denn hier unterscheiden sich die Gewohnheiten einzelner Kurse erfahrungsgemäß am stärksten.
Häufige Fragen
Muss ich alle vier Textsorten unterbringen?
Nein. Maßgeblich sind die Vorgaben des Landes für Ihren Jahrgang, die Sie beim ZSL Baden-Württemberg prüfen. Die Vierteilung ist ein Planungsvorschlag, der sich kürzen lässt, ohne die Progression aufzugeben.
Wie viel Text schafft ein Kurs realistisch pro Halbjahr?
Das hängt von Kursgröße und Vorkenntnissen ab. Planen Sie eher weniger Text mit mehr Tiefe: Eine sorgfältig erschlossene Passage trägt in der Klausur mehr als drei flüchtig gelesene.
Wie gehe ich mit sehr heterogenen Kursen um?
Arbeiten Sie mit gestuften Hilfen am selben Text statt mit unterschiedlichen Texten. So bleibt das gemeinsame Gespräch über den Inhalt möglich, während die sprachliche Unterstützung individuell ausfällt.
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