Kunst unterrichten an der Integrierten Sekundarschule in Berlin
Wer in Berlin nach einer "Realschule" sucht, wird in der schulischen Landschaft nicht fündig – und das ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Berliner Schulstrukturreform von 2010. Seitdem gibt es die Integrierte Sekundarschule (ISS), die Haupt-, Real- und Gesamtschule in einer Schulform zusammenführt. Schülerinnen und Schüler können an der ISS je nach individuellem Leistungsstand verschiedene Abschlüsse erreichen – darunter auch den mittleren Schulabschluss, umgangssprachlich weiterhin oft als "Realschulabschluss" bezeichnet. Für Kunstlehrkräfte bedeutet das: Der Unterricht muss ein noch breiteres Leistungsspektrum abdecken als früher an einer klassischen Realschule – und dennoch gezielt auf die Anforderungen des mittleren Abschlusses vorbereiten.
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Kunstunterricht an der Sekundarschule in Berlin: Rahmenbedingungen
Da es in Berlin keine eigenständige Realschule mehr gibt, findet der mit anderen Bundesländern vergleichbare "Realschulunterricht" an der Integrierten Sekundarschule statt. Grundlage ist der Rahmenlehrplan Berlin (in enger Abstimmung mit Brandenburg entwickelt), der für das Fach Kunst übergreifende und teilbereichsspezifische Kompetenzen beschreibt – etwa Wahrnehmen, Gestalten und Reflektieren. Die ISS ermöglicht dabei sowohl den Erwerb der Berufsbildungsreife als auch des mittleren Schulabschlusses und, an manchen Standorten mit gymnasialer Oberstufe, sogar das Abitur. Kunstunterricht muss also so konzipiert sein, dass er auf mehreren Anspruchsniveaus gleichzeitig funktioniert – eine Besonderheit, die es in dieser Form in klassischen dreigliedrigen Systemen nicht gibt.
Besonderheiten des Kunstunterrichts an der vergleichbaren Schulform
Wer an der ISS auf den mittleren Schulabschluss hinarbeitet, erlebt einen Kunstunterricht, der ähnlich wie an klassischen Realschulen anderer Bundesländer stark anwendungsorientiert ist: Gestaltungsaufgaben mit Bezug zu Medien, Design und Alltagskultur stehen im Vordergrund, während kunsttheoretische Inhalte eher exemplarisch behandelt werden. Da die ISS oft integrativ unterrichtet, sitzen in einer Klasse Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Zielabschlüssen nebeneinander. Differenzierung ist hier nicht die Ausnahme, sondern die Grundvoraussetzung fast jeder Unterrichtsstunde – deutlich ausgeprägter als an vielen klassischen Realschulen in anderen Ländern.
Herausforderungen für Kunstlehrkräfte an der Sekundarschule in Berlin
Die größte Herausforderung liegt in der immensen Heterogenität der Lerngruppen: In derselben Klasse arbeiten Schüler auf dem Niveau der Berufsbildungsreife neben solchen, die den mittleren Schulabschluss oder sogar den Übergang zum Abitur anstreben. Der Rahmenlehrplan verlangt daher niveaudifferenzierte Aufgabenstellungen, die trotzdem ein gemeinsames Unterrichtsthema ermöglichen. Hinzu kommen großstadttypische Herausforderungen wie hohe Schülerzahlen pro Klasse, sprachliche Vielfalt und teils angespannte Personalsituationen im Fach Kunst. Eine faire, nachvollziehbare Bewertung, die dem jeweiligen Anspruchsniveau gerecht wird, ist entsprechend anspruchsvoll.
Praxisbeispiel / Unterrichtsidee
Ein Projekt, das sich an der ISS bewährt: "Meine Stadt – mein Viertel" als Ausgangspunkt für ein Gestaltungsprojekt zu Stadtraum und Identität. Schülerinnen und Schüler fotografieren oder skizzieren Orte in ihrem Kiez und entwickeln daraus collagierte oder digital bearbeitete Bildwerke. Die Aufgabe lässt sich auf mehreren Niveaus bearbeiten: Eine einfache Bildcollage für grundlegende Anforderungen, eine erweiterte digitale Bildmontage mit begründeter Gestaltungsentscheidung für den mittleren Schulabschluss. So wird ein gemeinsames Thema ermöglicht, ohne die unterschiedlichen Zielniveaus der Klasse zu ignorieren.
Typische Missverständnisse
- In Berlin gebe es "gar keine Realschulbildung" mehr – tatsächlich wird der mittlere Schulabschluss weiterhin erworben, nur eben integriert an der ISS statt an einer eigenen Schulform.
- Die ISS sei automatisch mit der Gesamtschule identisch – tatsächlich ist sie eine eigene, spezifisch Berliner Schulform mit eigenem Profil und Abschlussstruktur.
- Differenzierung sei bei einem einzigen Thema kaum möglich – tatsächlich lassen sich gerade offene Gestaltungsaufgaben sehr gut auf verschiedene Anspruchsniveaus anpassen.
Grenzen der Betrachtung
Dieser Beitrag beschreibt allgemeine Tendenzen des Kunstunterrichts an der Integrierten Sekundarschule in Berlin auf dem Weg zum mittleren Schulabschluss. Die konkrete Ausgestaltung – etwa Kursdifferenzierung, Stundentafel oder Ausstattung – variiert von Schule zu Schule. Maßgeblich bleibt allein der aktuelle Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg in seiner jeweils gültigen Fassung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Berlin hat keine eigenständige Realschule mehr; der mittlere Schulabschluss wird an der Integrierten Sekundarschule (ISS) erworben.
- Grundlage für den Kunstunterricht ist der gemeinsame Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg.
- Die ISS vereint mehrere Zielabschlüsse in einer Schulform, was starke Binnendifferenzierung erfordert.
- Kunstunterricht ist ähnlich anwendungsorientiert wie an klassischen Realschulen anderer Bundesländer.
- Niveaudifferenzierte Aufgaben mit gemeinsamem Thema helfen, heterogene Lerngruppen zu erreichen.
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Angesichts der hohen Heterogenität an der ISS lohnt sich der Einsatz fertiger, differenzierbarer Unterrichtsreihen besonders.
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Häufig gestellte Fragen
Gibt es in Berlin noch eine eigenständige Realschule?
Nein, seit der Schulstrukturreform 2010 wurde die Realschule mit Haupt- und Gesamtschule zur Integrierten Sekundarschule (ISS) zusammengeführt.
Wo wird in Berlin der Realschulabschluss erworben?
An der Integrierten Sekundarschule (ISS), die je nach Leistungsstand verschiedene Abschlüsse bis hin zum mittleren Schulabschluss ermöglicht.
Welcher Lehrplan gilt für den Kunstunterricht an der ISS?
Der gemeinsame Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg definiert die Kompetenzbereiche für das Fach Kunst.
Wie unterscheidet sich der Kunstunterricht an der ISS von dem an einer klassischen Realschule?
Er muss aufgrund der integrierten Struktur meist ein breiteres Leistungsspektrum innerhalb derselben Klasse abdecken.
Wie gelingt Differenzierung bei so heterogenen Lerngruppen?
Durch offene, niveaudifferenzierte Aufgabenstellungen zu einem gemeinsamen Thema mit unterschiedlicher Anspruchstiefe.
Kann man an der ISS auch das Abitur erreichen?
Ja, an ISS-Standorten mit eigener oder kooperierender gymnasialer Oberstufe ist auch der Weg zum Abitur möglich.
Welche Themen eignen sich besonders für den Kunstunterricht an der ISS?
Lebensweltnahe Themen wie Stadtraum, Identität und digitale Bildgestaltung, die sich gut niveaudifferenziert bearbeiten lassen.
Gibt es fertiges Material für den differenzierten Einsatz an der ISS?
Ja, etwa FachKomplett Kunst, dessen Unterrichtsreihen sich an unterschiedliche Anspruchsniveaus anpassen lassen.
Fazit
Auch ohne eigenständige Realschule bleibt der mittlere Schulabschluss in Berlin ein zentrales Bildungsziel – erreicht über die Integrierte Sekundarschule. Kunstunterricht muss hier stärker als anderswo mit Binnendifferenzierung arbeiten, um alle Leistungsniveaus gerecht zu erreichen. Fertige, anpassbare Unterrichtsreihen wie FachKomplett Kunst können dabei helfen, diesen hohen Differenzierungsanspruch im Alltag zu bewältigen.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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