Cortázar und Borges: Kurzprosa für die Oberstufe
Cortázar und Borges lassen sich in der Oberstufe am besten im Vergleich lesen: Beide brechen die Erzählordnung, aber mit gegensätzlichen Mitteln. Bei Cortázar kippt der Alltag unbemerkt, bei Borges wird die Konstruktion selbst zum Thema. Zwei kurze Texte, eine gemeinsame Vergleichstabelle und eine Deutungsaufgabe genügen für eine tragfähige Reihe von sechs Stunden.
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Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Kurztexte im Vergleich sind ergiebiger als vier Einzeltexte nacheinander.
- Cortázar arbeitet mit dem Einbruch des Unmöglichen in eine vertraute Alltagswelt.
- Borges arbeitet mit Denkfiguren wie Labyrinth, Spiegel und unendlicher Bibliothek.
- Leseverstehen zuerst sichern, dann deuten; sonst raten die Lernenden auf Verdacht.
- Eine Vergleichstabelle mit vier Kategorien strukturiert die gesamte Reihe.
- Der Abschluss ist eine schriftliche Kurzdeutung, die dem Klausurformat entspricht.
Warum der Vergleich trägt
Einzeltexte dieser Autoren wirken auf Lernende oft rätselhaft, weil der Deutungsanlass fehlt. Im Vergleich entsteht er von selbst: Zwei Texte behandeln ähnliche Fragen nach Wirklichkeit und Wahrnehmung, lösen sie aber verschieden. Die Lerngruppe muss dann nicht mehr fragen, was ein Text bedeutet, sondern worin sich zwei Verfahren unterscheiden. Das ist eine beantwortbare Aufgabe.
Praktisch beginnen Sie mit einer Vergleichstabelle: Erzählsituation, Ort und Zeit, Auftreten des Unmöglichen, Wirkung auf die Lesenden. Die Tabelle wird nach jeder Leseeinheit ergänzt und bildet am Ende die Materialbasis für die schriftliche Deutung. Textmaterial und Aufgaben zum fantastischen Erzählen Lateinamerikas bündelt die Einheit Fantástico en la Literatura Latinoamericana.
Leseverstehen vor Deutung sichern
Beide Autoren schreiben syntaktisch anspruchsvoll. Planen Sie deshalb eine erste Lesephase ein, die ausschließlich der Sicherung dient: Wer spricht, wo spielt der Text, was geschieht in welcher Reihenfolge. Ein einfaches Ereignisprotokoll in fünf Sätzen zeigt zuverlässig, ob der Text verstanden wurde. Erst danach folgt die Deutung.
Bei Borges hilft es, die zentrale Denkfigur getrennt zu klären, bevor der Text gelesen wird. Wer weiß, was mit einem Labyrinth ohne Ausgang gemeint sein könnte, liest anders. Bei Cortázar geht es umgekehrt: Der Alltag muss zuerst als Alltag wahrgenommen werden, damit der Bruch auffällt. Lassen Sie deshalb die ersten Absätze bewusst langsam lesen.
Erzählstrukturen sichtbar machen
Für die Strukturarbeit eignen sich drei Verfahren. Die Lernenden zeichnen den Handlungsverlauf als Linie und markieren die Stelle, an der die Ordnung bricht. Sie benennen die Erzählinstanz und prüfen, ob sie zuverlässig ist. Und sie suchen wiederkehrende Motive, die den Text zusammenhalten.
Aus diesen Befunden entsteht die Deutungsaufgabe: Erklären Sie, wie der Text die Grenze zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit verschiebt, und belegen Sie Ihre Aussage mit zwei Textstellen. Wer den historischen und gesellschaftlichen Kontext mit aufnehmen möchte, findet in España y Latinoamérica: La recuperación de la memoria histórica und in Migración e Integración en España Anschlussmaterial für Folgestunden.
Einbettung in die Kursplanung
Sechs bis acht Stunden reichen für die Reihe. Ein möglicher Verlauf: zwei Stunden Cortázar, zwei Stunden Borges, eine Stunde Vergleich, eine Stunde Schreibtraining, eine Stunde Klausurvorbereitung. Welches Themenfeld die Reihe abdeckt, hängt vom Bundesland ab; ein Überblick über die Zuschnitte findet sich im Beitrag Spanisch in der Oberstufe planen: Themenfelder, Niveaus und Lehrpläne im Vergleich. Für Rheinland-Pfalz liefert das Materialpaket zum Lehrplan Spanisch Rheinland-Pfalz für die Oberstufe abgestimmte Bausteine.
Häufige Fragen
Welcher der beiden Autoren eignet sich für den Einstieg?
Cortázar. Seine Texte beginnen in einer erkennbaren Alltagswelt, die auch mit begrenztem Wortschatz zugänglich ist. Der Bruch der Ordnung wird dadurch spürbar, ohne dass Vorwissen nötig wäre. Borges verlangt mehr Bereitschaft zum abstrakten Denken und arbeitet mit Bezügen auf Bücher, Philosophie und Mathematik, die vorbereitet werden müssen.
Wie viel Vorentlastung braucht die Lerngruppe?
Eine halbe Stunde pro Text genügt meist. Klären Sie unbekannten Wortschatz in Listenform, geben Sie eine kurze Ortsangabe und benennen Sie die zentrale Denkfigur, falls der Text mit einer arbeitet. Auf ausführliche Autorenbiografien können Sie verzichten; sie kosten Zeit und tragen zur Deutung der Kurzprosa wenig bei.
Wie sieht eine passende Klausuraufgabe aus?
Bewährt ist eine Dreiteilung: eine Aufgabe zum Textverständnis mit Wiedergabe des Handlungsverlaufs, eine Analyseaufgabe zur Erzählsituation mit Belegstellen und eine Deutungs- oder Kommentaraufgabe. Die konkreten Aufgabenarten und ihre Gewichtung legen die Vorgaben Ihres Bundeslands fest; prüfen Sie diese vor der Aufgabenstellung.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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