Kunst · Bayern

Binnendifferenzierung im Fach Kunst: Lehrplan PLUS in Bayern umsetzen

von Luca 24.08.2026 1 Min. Lesezeit

Differenzierung im Fach Kunst nach dem Lehrplan PLUS in Bayern gelingt am ehesten über eine gemeinsame Aufgabe mit gestuften Zugängen: identische Bildvorlage, unterschiedlich enge Arbeitsaufträge, verschiedene Ergebnisformate. Der Kompetenzbezug bleibt für alle gleich, variiert werden Umfang, Hilfestellung und Reflexionstiefe. Das hält den Vorbereitungsaufwand bei einer statt bei drei Stundenplanungen.

Warum Kunstkurse in Bayern besonders heterogen sind

In kaum einem anderen Fach treffen so unterschiedliche Voraussetzungen aufeinander. In einem Kurs sitzen Schülerinnen und Schüler, die seit Jahren zeichnen, neben solchen, die den Pinsel zuletzt in der Mittelstufe in der Hand hatten. Dazu kommt die zweite Achse: Praktisches Können und die Fähigkeit, ein Bild sprachlich zu erschließen, laufen selten parallel. Wer nur nach dem gestalterischen Ergebnis differenziert, übersieht die Hälfte der Anforderungen.

Für die Praxis heißt das: Diagnose vor Differenzierung. Eine kurze Einstiegsaufgabe zu Beginn des Kurshalbjahres – eine Bildbeschreibung von 15 Minuten plus eine kleine Zeichenübung – zeigt beide Achsen getrennt. Erst danach lohnt es sich, Aufgaben zu stufen.

Was der Lehrplan PLUS Kunst in Bayern zur Differenzierung vorgibt

Der Lehrplan PLUS ist kompetenzorientiert aufgebaut. Er beschreibt, was Lernende am Ende können sollen, und lässt den Weg dorthin weitgehend offen. Genau diese Offenheit ist der Spielraum für Binnendifferenzierung: Die Kompetenzerwartung bleibt verbindlich, die Aufgabenstellung darf sich unterscheiden. Wichtig ist nur, dass alle Wege zur selben Kompetenz führen und nicht zu einer verkleinerten Version davon.

Das Materialpaket Lehrplan PLUS Kunst in der SEK II - Bayern | Grundlegendes und erhöhtes Anforderungsniveau richtet sich nach den Vorgaben des bayerischen Lehrplans und liefert Aufgaben, die auf beiden Anforderungsniveaus einsetzbar sind. Das erspart die Doppelplanung, wenn ein Kurs gemischt zusammengesetzt ist.

Aufgaben auf drei Niveaustufen entwickeln

Praktikabel ist die Regel: eine Aufgabe, drei Fassungen, gleicher Erwartungshorizont. Die folgenden Stellschrauben lassen sich einzeln drehen.

  • Vorstrukturierung: Stufe 1 erhält eine Gliederung mit Leitfragen, Stufe 2 nur die Leitfragen, Stufe 3 eine offene Fragestellung.
  • Materialmenge: ein Werk, ein Werkpaar oder eine Reihe von drei Arbeiten desselben Künstlers.
  • Fachsprache: vorgegebene Wortliste, Wortliste zur Auswahl, keine Vorgabe.
  • Verfahren im praktischen Teil: festgelegte Technik, Auswahl aus zwei Techniken, freie Wahl mit Begründung.
  • Reflexion: Lückentext, Satzanfänge, freier Kommentar von etwa 150 Wörtern.

Wer bei einer neuen Reihe anfängt, dreht zunächst nur an zwei dieser Schrauben. Alles auf einmal zu stufen macht die Korrektur unübersichtlich.

Material gestuft aufbereiten, ohne doppelt zu arbeiten

Der übliche Fehler ist, drei getrennte Arbeitsblätter zu bauen. Sinnvoller ist ein Kernblatt für alle plus zwei kurze Beilagen: eine Hilfekarte mit Fachbegriffen und Bildbeispielen sowie eine Erweiterungskarte mit einer Zusatzfrage. Beide Karten passen auf eine halbe Seite und bleiben über mehrere Reihen hinweg nutzbar.

Diese Logik funktioniert fachübergreifend. Für Kolleginnen und Kollegen, die Kunst mit einem zweiten Fach kombinieren, ist das Paket Lehrplan PLUS Geschichte in der SEK II - Bayern | Grundlegendes & Erhöhtes Anforderungsniveau nach demselben Muster aufgebaut. Wie sich Bewertung und Transparenz in einem solchen Kurs regeln lassen, beschreibt der Beitrag Lehrplan PLUS Geschichte Bayern: Noten, sonstige Mitarbeit und Transparenz.

Kooperative Formen und Lernbegleitung

Gestufte Aufgaben allein reichen nicht. Es braucht Zeitfenster, in denen Sie einzelne Lernende begleiten können. Bewährt hat sich eine Doppelstunde nach dem Muster 15–50–25: kurzer gemeinsamer Input, lange Arbeitsphase mit rotierender Beratung an den Tischen, gemeinsame Zwischenpräsentation. Während der Arbeitsphase kommen Sie realistisch bei sechs bis acht Personen vorbei.

Für die Zwischenpräsentation eignet sich ein Galerierundgang mit zwei Rückmeldekarten pro Arbeit: eine Beobachtung, eine Frage. Das zwingt zu präziser Bildsprache und liefert Ihnen nebenbei einen Beleg für die sonstige Mitarbeit. Ein ähnlich enger Zuschnitt auf ein einzelnes Themenfeld findet sich in Lehrplan PLUS Geographie Bayern: Themenfeld konkret planen.

Leistungsstarke fordern, Unsichere stützen

Fordern heißt nicht: mehr vom Gleichen. Eine sinnvolle Erweiterung verlangt einen Perspektivwechsel, etwa die eigene Arbeit im Stil einer Ausstellungskritik zu kommentieren oder eine gestalterische Entscheidung gegen eine plausible Alternative zu verteidigen. Stützen heißt umgekehrt: Sicherheit im Verfahren, nicht Reduktion des Anspruchs. Eine Schrittkarte für den Bildaufbau nimmt Unsicheren die Hemmschwelle, ohne das Ergebnis vorwegzunehmen.

Anregungen für den Unterbau liefern die Beiträge Kunstunterricht nach LehrplanPLUS Bayern: Kompetenzen und Unterrichtsideen und Kunstunterricht nach dem LehrplanPLUS Bayern: Materialien für die Sek I. Wer zusätzlich sehen möchte, wie ein anderes Bundesland dieselben Aufgabenarten schneidet, findet im Bildungsplan Kunst in der GoST - Baden-Württemberg brauchbare Vergleichsbeispiele.

Häufige Fragen

Muss ich für jede Niveaustufe ein eigenes Arbeitsblatt erstellen?

Nein. Ein gemeinsames Kernblatt mit einer Hilfe- und einer Erweiterungskarte deckt drei Stufen ab. Das reduziert den Materialbestand und macht die Korrektur vergleichbar, weil alle Arbeiten denselben Erwartungshorizont haben.

Darf sich die Note nach der gewählten Niveaustufe richten?

Bewertet wird die erreichte Kompetenz, nicht die Wahl der Stufe. Wer eine stark vorstrukturierte Fassung bearbeitet, kann eine gute Note erreichen, wenn die Anforderungen der Aufgabe erfüllt sind. Transparent wird das nur, wenn die Kriterien vorher offenliegen.

Wie viel Unterrichtszeit kostet Differenzierung zusätzlich?

In der Einführung etwa eine halbe Stunde pro Reihe, danach kaum noch Zeit. Der Mehraufwand liegt in der Vorbereitung des ersten Durchgangs. Hilfe- und Erweiterungskarten sind wiederverwendbar und amortisieren sich ab dem zweiten Kurs.

Differenzierung im Fach Kunst nach dem Lehrplan PLUS in Bayern lässt sich schrittweise aufbauen. Beginnen Sie mit einer Reihe, stufen Sie zwei Stellschrauben, und dokumentieren Sie, welche Fassung wie oft gewählt wurde. Nach zwei Kurshalbjahren haben Sie einen Materialstamm, der sich ohne größere Anpassung erneut einsetzen lässt.

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Über den Autor
✏️
Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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Häufige Fragen

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Die Materialien orientieren sich an den veröffentlichten Vorgaben der Länder - je nach Bundesland am Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan, Rahmenlehrplan oder an den Fachanforderungen. Für viele Fächer gibt es eigene Pakete je Bundesland.

Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.

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