Inszenierung: Individuum und Ideal in der Kunst
Wie sich Menschen in Bildern zwischen Individuum und Ideal positionieren.
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Kunst · Selbstporträt & Körper · EF bis Q2
Unterrichtsmaterial zu Selbstporträt und Selbstinszenierung für die Oberstufe: vom gemalten Bildnis über die Frage nach Individuum und Ideal bis zu Rebecca Horns Arbeiten zwischen Körper und Technik. Ergänzt um eine Reihe zu Proportion und Ausdruck des menschlichen Körpers und die antike Laokoon-Gruppe.
Kurz gesagt: Vom gemalten Selbstporträt bis zum Selfie: Diese Reihen untersuchen, wie Menschen sich in Bildern entwerfen. Ideal und Individuum, Körperbilder und Rebecca Horns Körper-Technik-Arbeiten bilden den fachlichen Rahmen für eigene Inszenierungen in EF bis Q2.
Das Selbstporträt ist eine der ältesten Bildgattungen und zugleich hochaktuell: Jede Schülerin und jeder Schüler kennt das Selfie als alltägliche Form der Selbstinszenierung, ohne die dahinterliegenden Bildentscheidungen zu benennen. Der Vergleich mit gemalten Selbstporträts macht sichtbar, dass beide Formen dieselben Fragen verhandeln – Pose, Blick, Ausschnitt, Kontext –, auch wenn Technik und historischer Rahmen völlig verschieden sind.
Rebecca Horns Arbeiten erweitern diesen Zugang um die Dimension des Körpers als Werkzeug und Material. In ihren Körperskulpturen wird der eigene Körper durch technische Apparaturen erweitert oder eingeschränkt, wodurch Fragen nach Individuum, Verletzlichkeit und Kontrolle unmittelbar erfahrbar werden. So verbindet sich die klassische Porträtanalyse mit einer zeitgenössischen Position, die den Körper selbst zum Bildmedium macht.
Die Auswahl führt vom Selbstporträt über die Analyse von Selbstinszenierung und Körperdarstellung bis zu Rebecca Horn und der antiken Laokoon-Gruppe als historischem Vergleichsbeispiel.
Wie sich Menschen in Bildern zwischen Individuum und Ideal positionieren.
Analyse von Pose, Blick und Kontext bei Selbstdarstellungen in der Kunst.
Aufbau, Proportion und Ausdruck des menschlichen Körpers systematisch erarbeiten.
Körperskulpturen zwischen Erweiterung, Kontrolle und Verletzlichkeit.
Klassik, Pathos und Bewegung als historisches Beispiel für Körperausdruck.
In der Einführungsphase steht die genaue Beobachtung im Vordergrund. Anhand der Reihe zu Proportion und Ausdruck des menschlichen Körpers erarbeitet die Lerngruppe zunächst den Aufbau des Kopfes und die Wirkung von Blickrichtung, Kopfhaltung und Mimik. Eine kurze eigene Zeichnung nach Vorlage schärft dabei den Blick, bevor historische Werke in den Vergleich einbezogen werden.
In der Qualifikationsphase folgt der Vergleich zwischen Individuum und Ideal: Gemalte Selbstporträts unterschiedlicher Epochen werden danach befragt, wie sich Künstlerinnen und Künstler selbst inszenieren, und dieser Befund wird mit heutigen Formen der Selbstinszenierung wie dem Selfie kontrastiert. Rebecca Horns Körperskulpturen und die antike Laokoon-Gruppe erweitern den Vergleich um die Dimension des Körpers als eigenständiges Ausdrucksmittel, bevor eine eigene Fotoserie mit schriftlicher Begründung die Sequenz abschließt.
| Stufe | Einsatz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| EF | Porträt und Proportion | Aufbau, Ausdruck und Beobachtung am Kopf erarbeiten |
| Q1 | Selbstinszenierung analysieren | Rolle, Pose und Ideal in historischen und aktuellen Bildern vergleichen |
| Q2 | Eigene Fotoserie & Reflexion | Konzept, Umsetzung und Begründung einer eigenen Inszenierung |
Für die schriftliche Analyse eignet sich ein gestuftes Angebot: Eine Basisgruppe arbeitet mit einem Analyseraster, das Pose, Blick, Requisiten und Bildausschnitt einzeln abfragt, während eine Erweiterungsgruppe eine freie Deutung mit eigener Gliederung verfasst. Bei der praktischen Fotoserie lässt sich der Anspruch über die Zahl der geforderten gestalterischen Entscheidungen und den Umfang der schriftlichen Begründung steuern.
Bei eigenen fotografischen Arbeiten ist der Umgang mit Persönlichkeitsrechten zu klären: Wer sich selbst fotografiert, entscheidet über die eigene Abbildung; werden Mitschülerinnen oder Mitschüler einbezogen, ist deren Einverständnis vorab einzuholen, und Fotos sollten nur mit Zustimmung veröffentlicht oder ausgestellt werden. Alternativ lässt sich die praktische Aufgabe auch mit gestellten Requisiten oder Verkleidungen ohne erkennbares Gesicht umsetzen.
Porträt, Selbstbildnis und Körperdarstellung sind in den Kunstlehrplänen der Oberstufe fest verankert, meist im Inhaltsfeld Bildkonzepte in historischem und gesellschaftlichem Kontext. Die Reihen bedienen dabei alle drei Kompetenzbereiche: Rezeption durch Werkanalyse und Vergleich, Produktion durch die eigene Fotoserie, Reflexion durch die Einordnung von Selbstinszenierung in Geschichte und Gegenwart.
Da sich die konkreten Werkvorgaben für das Abitur je Bundesland und Jahrgang unterscheiden, prüfen Sie vor dem Einsatz die aktuellen Vorgaben Ihres Landes und passen Sie die Vergleichswerke entsprechend an. Die Methodik aus Beschreibung, Analyse und Vergleich sowie die Gegenüberstellung von historischem Selbstporträt und heutigem Selfie bleiben davon unberührt und lassen sich auf andere Werke übertragen.
Zeichenwerkstatt: Licht, Schatten & Plastizität
Bildwerkstatt: Fotografie & Bildkomposition
Paula Modersohn-Becker: Mädchen im BirkenwaldBei eigenen Fotografien entscheidet jede Person über ihre eigene Abbildung; werden Mitschülerinnen oder Mitschüler fotografiert, ist vorab deren Einverständnis einzuholen. Wer Gesichter nicht zeigen möchte, kann die Aufgabe auch mit Requisiten, Schatten oder Ausschnitten lösen, ohne dass Personen erkennbar sind.
Gut geeignet sind Selbstporträts, die bewusst mit Pose, Requisiten oder Kleidung arbeiten, da sich hier Inszenierungsentscheidungen besonders klar benennen lassen. Der Vergleich funktioniert unabhängig von der Berühmtheit des Werkes, solange die Abstufung zwischen Individuum und Ideal für die Lerngruppe erkennbar bleibt.
Selbstporträt und Körperdarstellung gehören in mehreren Bundesländern zu den Inhaltsfeldern der Qualifikationsphase, die konkreten Werkvorgaben wechseln jedoch jährlich. Prüfen Sie die aktuellen Vorgaben Ihres Landes und wählen Sie die Vergleichswerke entsprechend aus.
Bewährt hat sich die Reihenfolge Analyse vor Praxis: Wer zunächst historische und aktuelle Beispiele untersucht hat, trifft bei der eigenen Fotoserie bewusstere gestalterische Entscheidungen. Eine kurze schriftliche Begründung der eigenen Arbeit verbindet beide Anteile direkt miteinander.
Die Materialien enthalten fachliche Hintergrundinformationen zu den behandelten Werken sowie Hinweise zur Bearbeitung der Aufgaben. Für die Bewertung der praktischen Arbeiten empfiehlt sich zusätzlich ein eigenes, an die Lerngruppe angepasstes Kriterienraster.
Die Reihen sind als druckfertige, im Klassensatz kopierbare Digitaldownloads angelegt und in Teilen bearbeitbar, sodass sich Werkbeispiele und Aufgabenstellungen an die eigene Lerngruppe anpassen lassen.