Freitagnachmittag, sechste Stunde, Klasse 7 an einer Stadtteilschule in Hamburg-Wandsbek: Die Klasse soll ein Portrait im Stil des Expressionismus gestalten, doch die Hälfte der Schüler:innen hat die letzte Stunde verpasst, die andere Hälfte diskutiert lieber über das anstehende Wochenende. Wer Kunst in der Sekundarstufe I unterrichtet, kennt solche Momente. Gleichzeitig soll der Unterricht fachlich fundiert sein, Kompetenzen aufbauen und am Ende auch benotbar sein. Dieser Beitrag zeigt, wie Kunstlehrkräfte in Hamburg die Sek I zwischen Bildungsplan-Anspruch und Schulalltag praktikabel gestalten können.
Kunstunterricht Sek I in Hamburg: Rahmenbedingungen
Grundlage für den Kunstunterricht an Hamburger Stadtteilschulen und Gymnasien ist der Bildungsplan Hamburg für das Fach Bildende Kunst. Er beschreibt für die Sekundarstufe I übergreifende Kompetenzbereiche wie Wahrnehmen und Beschreiben, Gestalten und Produzieren sowie Reflektieren und Bewerten von Bildern und Objekten. Anders als in der Grundschule wird in der Sek I erwartet, dass Schüler:innen zunehmend eigenständig gestalterische Entscheidungen begründen und fachsprachlich einordnen können. Die konkrete Ausgestaltung – welche Künstler:innen, Epochen oder Techniken in welcher Klassenstufe behandelt werden – liegt dabei in großem Umfang in der Verantwortung der Fachschaften vor Ort, die schulinterne Curricula auf Basis des Bildungsplans entwickeln.
Typische Themen und Kompetenzen in Klasse 5-10
In den Klassenstufen 5 und 6 stehen häufig grundlegende Bildkompetenzen im Vordergrund: Farbenlehre, einfache Kompositionsprinzipien, der Umgang mit Zeichen- und Maltechniken sowie erste Erfahrungen mit dreidimensionalem Gestalten. Ab Klasse 7 und 8 kommen komplexere Inhalte hinzu, etwa Perspektive, Bildanalyse, Druckgrafik oder digitale Bildbearbeitung. In den Klassen 9 und 10 rückt die Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte und zeitgenössischer Kunst stärker in den Fokus, ebenso wie die Fähigkeit, eigene Arbeiten in einem größeren gestalterischen und gesellschaftlichen Kontext zu reflektieren. Durchgängig zieht sich der Aufbau einer eigenen Bildsprache als roter Faden durch die Sekundarstufe I.
Herausforderungen für Kunstlehrkräfte in Hamburg
Kunst wird an vielen Hamburger Schulen mit vergleichsweise wenigen Wochenstunden unterrichtet und oft fachfremd oder in Kombination mit anderen ästhetischen Fächern organisiert. Das erschwert kontinuierliches, aufbauendes Arbeiten. Hinzu kommt die große Heterogenität an Stadtteilschulen, wo in einer Lerngruppe sehr unterschiedliche Vorkenntnisse und Motivationslagen aufeinandertreffen. Auch die Materialausstattung – von Druckpressen bis zu funktionierenden Tablets für digitale Bildbearbeitung – variiert stark zwischen den Standorten. Lehrkräfte berichten zudem häufig, dass die Vorbereitung abwechslungsreicher, differenzierter Unterrichtsreihen neben Korrekturen, Klassenleitung und Elternarbeit zeitlich kaum zu leisten ist.
Praxisbeispiel / Unterrichtsidee für Sek I
Ein bewährtes Beispiel für Klasse 8 ist eine kurze Unterrichtsreihe zum Thema "Stadtansichten neu gedacht": Ausgehend von Fotografien bekannter Hamburger Orte – etwa der Speicherstadt oder der Alster – analysieren die Schüler:innen zunächst Kompositionsprinzipien in Fotografie und Malerei. Anschließend gestalten sie eigene, verfremdete Stadtansichten, etwa als Collage, Linolschnitt oder digitale Montage, und ordnen ihre Arbeit stilistisch ein (z. B. Anlehnung an Kubismus oder Pop-Art). Die Reihe verbindet Bildanalyse, praktisches Gestalten und Reflexion und lässt sich sowohl für leistungsstärkere als auch für sprachlich schwächere Gruppen differenzieren, etwa durch gestufte Arbeitsaufträge oder Wortspeicher für die fachsprachliche Beschreibung.
Typische Missverständnisse
- Kunstunterricht in der Sek I sei "freies Malen" ohne klare Lernziele – tatsächlich verlangt der Bildungsplan Hamburg nachvollziehbare Kompetenzentwicklung über die Jahrgänge hinweg.
- Bewertung im Fach Kunst sei rein subjektiv – in der Praxis lassen sich Kriterien wie Prozess, technische Umsetzung und Reflexionsfähigkeit transparent und nachvollziehbar gestalten.
- Digitale Medien hätten im Kunstunterricht nichts zu suchen – dabei sind digitale Bildbearbeitung und Fotografie fester Bestandteil zeitgemäßer gestalterischer Praxis und lassen sich gut in den Bildungsplan-Rahmen einordnen.
Grenzen der Betrachtung
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung für den Kunstunterricht in der Sekundarstufe I in Hamburg und ersetzt nicht die Lektüre des aktuellen Bildungsplans oder die Abstimmung im schulinternen Fachcurriculum. Konkrete Stundenzahlen, verbindliche Themenreihenfolgen oder Bewertungsvorgaben können sich je nach Schulform, Schule und Fachkonferenz unterscheiden und sollten stets vor Ort verifiziert werden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Grundlage ist der Bildungsplan Hamburg für das Fach Bildende Kunst mit Kompetenzbereichen für Wahrnehmen, Gestalten und Reflektieren.
- Von Klasse 5 bis 10 steigt die Komplexität von einfachen Techniken hin zu Bildanalyse und Kunstgeschichte.
- Heterogenität, knappe Stundenzahlen und unterschiedliche Materialausstattung sind zentrale Herausforderungen.
- Praxisnahe, differenzierbare Unterrichtsreihen mit Lebensweltbezug motivieren besonders in der Sek I.
- Fertiges, anpassbares Unterrichtsmaterial spart Vorbereitungszeit im stressigen Schulalltag.
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Häufig gestellte Fragen
Welcher Lehrplan gilt für Kunst in der Sek I in Hamburg?
Maßgeblich ist der Bildungsplan Hamburg für das Fach Bildende Kunst, der Kompetenzbereiche für die Sekundarstufe I festlegt.
Wie viele Wochenstunden hat Kunst in der Sek I?
Die Stundentafel variiert je nach Schulform und Jahrgang; verbindliche Angaben liefert die jeweilige Schule bzw. die aktuelle Stundentafel der Behörde.
Welche Themen eignen sich für Klasse 5 und 6?
Bewährt haben sich grundlegende Themen wie Farbenlehre, einfache Kompositionsprinzipien und erste Erfahrungen mit unterschiedlichen Materialien und Techniken.
Wie lässt sich Kunstunterricht in heterogenen Lerngruppen differenzieren?
Gestufte Arbeitsaufträge, offene Aufgabenformate und unterschiedliche Anspruchsniveaus bei gleichem Thema helfen, unterschiedliche Lernstände einzubinden.
Wie kann man Leistungen im Kunstunterricht fair bewerten?
Transparente Kriterien zu Prozess, technischer Umsetzung und Reflexion, die den Schüler:innen vorab bekannt sind, erleichtern eine nachvollziehbare Bewertung.
Eignet sich digitale Bildbearbeitung für die Sek I?
Ja, digitale Werkzeuge und Fotografie lassen sich gut in die Kompetenzbereiche des Bildungsplans einordnen und motivieren viele Schüler:innen zusätzlich.
Gibt es fertiges Unterrichtsmaterial für Kunst in Hamburg?
Fachübergreifend konzipierte Materialsammlungen wie FachKomplett Kunst lassen sich an die Vorgaben des Bildungsplans Hamburg anpassen.
Fazit
Der Kunstunterricht in der Sekundarstufe I in Hamburg bewegt sich zwischen dem Anspruch des Bildungsplans, heterogenen Lerngruppen und begrenzten zeitlichen Ressourcen. Wer praxisnahe, differenzierbare Unterrichtsreihen mit Bezug zur Lebenswelt der Schüler:innen kombiniert und auf bewährte Materialien zurückgreift, kann diesen Spagat im Schulalltag gut bewältigen.

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